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Tom Pepper

Naturalzing Buddhism Without Being Reductive – a radical, and ridiculously arrogant, reinvention of Buddhist thought

Buddhismus  Nicht-Reduktionistisch Naturalisieren – eine radikale und lächerlich arrogante Neuerfindung des Buddhistischen Gedankens

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Buddhismus akzeptieren heisst Widersprüche akzeptieren. Mit dieser Feststellung beginnt Tom Pepper seinen jüngsten (englischsprachigen) Aufsatz im Blog Speculative Non-Buddhism. Sein Vorhaben  formuliert er folgendermaßen (1): „Ich versuche eine  kohärente und heute anwendbare Interpretation buddhistischer Konzepte.“ Das Ergebnis ist „Buddhismus als eine ideologische Theorie und Praxis“ mit dem Pepper einige wesentliche Begriffe des buddhistischen Kanons verbindet und reininterpretiert. Namentlich sind das: Samsara, Karma, Punabbhava (Wiedergeburt), Bodhi (Erwachen, Erleuchtung) und sunyata (Offenheit), anatman (Nicht-Selbst), und pratitiasamutpada (Bedingtes Entstehen).

Auf dem Weg zu dieser Reinterpretation beleuchtet Pepper, erstens, den in der Diskussion im Non-Buddhismus-Blog wichtigen Begriff der Ideologie nach Louis Althusser und, zweitens, die Theorie des Subjekts nach Alain Badiou bzw. dessen Begriff der Welt. In beiden Fällen gibt Pepper eine konzise und gut verständliche Einführung in diese komplexen Begriffe. Schließlich beleuchtet Pepper die Problematik des Badiou‘schen Begriffs des Wahrheitsprozesses – der Problematik, wie Wahrheit entsteht und wie innerhalb einer Ideologie, die den Menschen zutiefst ausmacht, erkannt werden kann, daß man Ideologie ist.

Der Ideologiebegriff wird dabei zu einem Synonym der samsarischen Mechanik. Ideologie ist derjenige von Alhusser geprägte marxistische Begriff der „diejenige Menge an Praktiken beschreibt, die unser Verhältnis zu den Verhältnissen der (Re)Produktion bestimmen.“ Die (unbewusste) Reproduktion der Verhältnisse, u.a. dadurch, daß sie als selbst-verständlich erachtet werden, wird dabei zum Samsara „das in einer endlosen Wiederholung des Immergleichen immer erfordert, daß man sich dem Neuen verschließt, sich von der Wahrheit  abwendet und so zur Quelle des Leids des Subjekts wird.“

Schließlich beleuchtet Pepper die entscheidende Frage, wie Veränderung möglich ist. Diese Frage ist nicht trivial, da das Individuum in der Ideologie sich stets als in der besten aller Welten lebend empfindet. Die Lösung liegt nicht in einer Weltflucht wie sie der X-Buddhismus anbietet, sondern in der Anerkenntnis, daß der Mensch grundsätzlich ein ideologisches Wesen ist und so genau innerhalb dieser Qualität in einer tatsächlichen materiellen Praxis Lösungen finden kann, sich einen Abstand verschaffen kann – was ihm eine Reflexion der die eigenen Ideologie ermöglicht. Wie schon gelegentlich in so mancher Fassung des Buddhismus betont, kann so Samsara in Nirvana umschlagen.

(1) Übersetzungen von mir.

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Literatur

Reinhard Heil, Subjekt und Ideologie – Althusser–Lacan–Žižek, Magisterarbeit TU Darmstadt, 2003; eine kurze und prägnante Einführung zu u.a. Althussers Denken. Im Internet frei erhältlich.

Louis Althusser, Ideologie und ideologische Staatsapparate, VSA, 2010; rechtzeitig zur Ersten Unbuddhistischen Internationalen frisch aufgelegt.

Alain Badiou, Zweites Manifest für die Philosophie, Turia, 2010; eine kurze und das Denken fordernde Einführung in das Denken des Franzosen.