Archive für Sexualität

Der folgende Text stammt von den Hauptlehrern der Aro-Gemeinschaft, einer Nyingma-Linie des Tibetischen Buddhismus. Der Text wurde am 8.9.17 auf Facebook von Bar-ché Dorje veröffentlicht und wird hier mit seiner freundlichen Genehmigung übersetzt und veröffentlicht.

Weiterlesen…

Wer schweigt ist auf der Seite der Täter.

Wer als Mitwisser oder sonstig Beteiligter nicht Opfer ist aber über das Vorgefallene weiss und trotzdem Vergewaltigung, sexuellen Übergriff, sexistische Belästigung etc. pp.  verschweigt, klein redet, verniedlicht oder gar die Opfer zu Tätern machen will, wird selbst Täter. Durch das Verschweigen wird es den Tätern leicht gemacht, sich im Recht zu fühlen und den Opfern wird es erschwert oder verunmöglicht, das Vorgefallene zu bewältigen.

Die Hakuin Zen-Gemeinschaft Deutschland e.V., deren Gründer und jahrzehntelanges Oberhaupt Genpo D. alias Herr Döring war, tilgt seinen Namen von ihrer Website und will sich zum Vorgefallenen nicht äussern. Bei aller nötigen Überlegung, wie man sich zu so etwas äussern soll, wenn es in der eigenen Familie geschehen ist und der Täter das eigene Familienoberhaupt war, die Hakuin Zen-Gemeinschaft hatte genügend Zeit darüber nachzudenken.

Das Schweigen – das Totschweigen – ist ein altbekanntes Verfahren in diesen Fällen. Es zeugt von hochgradiger Unreife, es ist ein absolutes Armutszeugnis, es disqualifiziert spirituelle Gemeinschaften total. Darüber hinaus lässt es all jene in einem schlechten Licht erscheinen die dem Namen nach – nicht aber in einem Geiste, der gezielten Missbrauch möglich macht – Gleiches praktizieren. Zu Recht fordern daher Zen-Praktizierende inzwischen in offenen Briefen, dass sich die Hakuin Zen-Gemeinschaft Deutschland äussere.

Christopher Hammacher hier => Offener Brief an die Hakuin Zen-Gemeinschaft Deutschland e.V.

Die Zen-Mühle aus Mühlheim an der Ruhr hier => Offener Brief an die Mitglieder der Hakuin Zen-Gemeinschaft in Dinkelscherben


Ergänzung: Die Hakuin Zen-Gemeinschaft hat sich in einer Stellungnahme am 10.7.17 zum Fall Genpo D. geäussert.

Der Fall Genpo D.

Nun hat also auch der deutsche Buddhismus endlich einen grossen Sexskandal. Es geht um Genpo D., Zenpriester und ehemaliger Leiter des Bodaisan Shoboji. Im Auftrag von Hozumi Gensho Roshi ehemaliger Betreuer der Hakuin-Zen-Gemeinschaft Deutschland e.V. Genpo D. sitzt seit fast einem Jahr in U-Haft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen dringenden Tatverdachts auf sexuellen Missbrauch in den Jahren 2001 bis 2014. Gerade wurde der Prozess gegen ihn eröffnet.

Weiterlesen…

Der Fall Shimano ist ein Beispiel. Sein Lehrwert für den Buddhismus liegt nicht in seiner isolierten Betrachtung, sondern in der Verbindung zu anderen Themen. Von diesen ergeben sich eine ganze Reihe. Drei werden in diesem Text kurz angesprochen. Die Idee ist, Parallelen und Verbindungen zu zeigen. Vielleicht findet der Eine oder die Andere etwas, um damit in entsprechende Richtungen weiter zu denken.

Eine wichtiges Merkmal was den Fall Shimano und seine Parallelen im allgemeinen X-Buddhismus angeht ist die Geschlossenheit. Das System Shimano ist wie jeder andere X-Buddhismus dadurch charakterisiert, dass es das Wissen und die Welt dualisiert oder aufspaltet. Auf der einen Seite dieser Spaltung steht der X-Buddhismus bzw. der Dharma als letzte Instanz umfassender Bewertung, auf der anderen Seite der Rest, der sich bewerten lassen muss. Die Seite des X-Buddhismus ist in sich geschlossen und lässt keinen äusseren Einfluss zu. Dies äussert sich in der Rede vom so genannten zeitlosen Dharma, Schriftgläubigkeit, Glauben an einen historischen Buddha, dessen unveränderliche und ewige Botschaften usw. Von dieser hohen Warte aus formt und bestimmt der X-Buddhismus jeglichen Diskurs – vor allem über den Menschen und sein Bewusstsein, aber natürlich auch über die Künste, die Wissenschaften und die Philosophie. [vgl. Cruel Theorie | Sublime Practice (CT|SP), S. 96]

Ziel der folgenden jeweils nur kurz angesprochenen drei Beispiele ist es anzudeuten, dass diese Geschlossenheit sich als künstlich und unhaltbar erweist sobald man vom Menschen aus auf den X-Buddhismus zugeht. Die Frage, um die es dabei schlussendlich geht ist, was bleibt vom X-Buddhismus nach dieser Dezimierung? Bleibt überhaupt etwas für die Welt? Verpufft er rückstandslos? Oder kann man in seinen dampfenden Ruinen brauchbare Reste finden?

Weiterlesen…

Eine rudimentäre deutschsprachige Chronik des Falles Shimano

Das Shimano-Archiv ging im März 2010 online. Sein Initiator und Archivar ist Kobutusu Shindo Kevin Malone. Kobutsu ist amerikanischer Rinzai-Zen-Priester der seine Priesterweihe 1993 von Shimano erhielt. Shimano hat sich zu einem bestimmten Zeitpunkt abwertend über Malone geäussert und zusammen mit anderen Ereignissen hat das dazu geführt, dass Malone seinerseits die Initiative ergriff und das Archiv gründete um einen Blick auf Shimano zu ermöglichen, der nicht von (auto)hagiografischen Gesängen übertönt wird. Malone hat als Zen-Priester in amerikanischen Gefängnissen gearbeitet, u.a. in der Begleitung von Todeskandidaten. Der Einsatz für soziale Gerechtigkeit und gegen sexuellen Missbrauch sind laut einer Online-Biographie Teil seiner gegenwärtigen Praxis (vgl. Sweeping Zen). Kobutsu lebt heute „von der Stütze“ im US-Staat Maine, hat mehrere Herzanfälle und einen Schlaganfall hinter sich, bekam mehrere Bypässe gelegt, raucht immer noch Kette und hat, nach den Worten des Journalisten Mark Oppenheimer, nichts weniger als einen „obsessiven Groll gegen Shimano“ entwickelt (vgl. Oppenheimer, 228/1043).

Weiterlesen…