Der zweite und dritte Teil meines Aufsatzes/Vortrages Vom Kitsch der Erleuchteten ist nun in leicht überarbeiteter Form in Narthex #2 unter dem Titel Laruelle und Buddhismus? erschienen. Narthex. Heft für radikales Denken ist die ein bis zwei Mal im Jahr erscheinende Broschüre der HARP – das ist die HALKYONISCHE ASSOZIATION FÜR RADIKALE PHILOSOPHIE. Weitere Informationen über HARP und wie das Heft zu beziehen ist, finden sich auf den zwei verlinkten Seiten.

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So habe ich gehört, es war einmal und der Erhabene sagte dies:

„Ihr Mönche, dies ist der direkte Weg zur Läuterung der Wesen, zur Überwindung von Kummer und Wehklage, zur Beendigung der Verwirrung, zur Erlangung der richtigen Methode, zur Verwirklichung der Freiheit: Vier Mal SATI.

Im ersten SATI ihr Mönche verweilt der Mönch hinsichtlich des Körpers den Körper betrachtend, unermüdlich, wissensklar und achtsam, frei von Verlangen und Betrübtheit hinsichtlich der Welt. So betrachtet er, wie er zum Leichnam wird, auch er, unweigerlich, ein Entstehen und Vergehen.

So betrachtet er einen Leichnam hingeworfen auf ein Leichenfeld. Aufgebläht, gedunsen, verfärbt, mit drallen Titten und dickem Hintern, die Popdiva, verkauft und verhökert für ein Geträller über den Miasmen in denen sich Krähen, Falken, Geier, Hunde, Schakale und die Würmer laben. So ihr Mönche verweilt der Mönch hinsichtlich des Körpers, den Körper betrachtend, unermüdlich, wissensklar und achtsam, frei von Verlangen und Betrübtheit hinsichtlich der Welt.

Er betrachtet den lebend begrabenen kleinen Mann von nebenan mit seinen kleinen, normierten Rassismen. Am Tropf des Kredits, in seinem Reihenhaus, mit Frau und Kind und ohne Aussicht. Ein Skelett zusammengehalten von falschen Versprechen. So ihr Mönche verweilt der Mönch… usw.

Er betrachtet den dreisten Bonzen von der Bank in seinem gepanzerten SUV. Ein Skelett, durchtrainierte Muskelfetzen, zusammen gehalten von falschen Versprechen. So ihr Mönche verweilt der Mönch…

Er betrachtet den Politakrobaten mit seiner Rhetorik. Ein Skelett von Worthülsen. Blutbeschmiert, zusammen gehalten von falschen Versprechen. So ihr Mönche verweilt der Mönch…

Er betrachtet den CEO der emsig Wasser, Luft, Sonne, Alles zu Geld macht. Ein Skelett, blutleer, ausgehöhlt, zusammen gehalten von falschen Versprechen. So ihr Mönche verweilt der Mönch…

Er betrachtet den Mörder in Uniform, den Tod am Joystick, die Knochen seiner Opfer in alle Richtungen zerstreuend. Von keinem Versprechen mehr gehalten.

Er betrachtet den Harzer vor’m Fernseh mit ’ner Tüte Chips und Cola. Weiß gebleicht vom Siechtum im Halbgrau. Kein Versprechen, keine Hoffnung, Ausschuss.

Er betrachtet die, die versuchten zu flüchten. Morsche Leiber und dann Staub.

Er betrachtet den uniformierten Heiligen dem all dies eine Meditation.

So ihr Mönche verweilt der Mönch hinsichtlich des Körpers, den Körper betrachtend, unermüdlich, wissensklar und achtsam, frei von Verlangen und Betrübtheit hinsichtlich der Welt. Und er vergleicht ebendiesen seinen Körper damit: Auch dieser Körper ist von der selben Art, so war er, so wird er sein, er ist von diesem Schicksal nicht ausgenommen.“

Nirveda

M. Steingass —  17.12.17

Für einen Moment dachte ich vergangenen Sommer, die Skandale die da ans Licht kommen setzen was in Bewegung. Weit gefehlt: In Bewegung setzt sich kaum etwas. Beobachtet man die Diskussionen kommt man zu dem Schluss, dass nun die es richten sollen, die viele Jahre das Elend mitverursachst haben. Man kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass diese Leute weiterhin am Prinzip des Totalen Buddhismus festhalten, welches besagt, dass nichts ausser ein Buddismus nach dem Verständnis dieser geschichtslosen Leute nötig ist, die Welt in der sie leben zu verstehen – und zu verbessern.

Der Abstand dieses Buddhismus zu irgendwelchen fortschrittlichen Kräften, aufklärerischen, emanzipativen, die Genese des Bewusstseins erforschenden, ist dermaßen gross, dass einem wieder und wieder der Widersinn vor Augen gezwungen wird, hier irgendwie einwirken zu wollen.

Ich bin sicher, Foucault und Nagarjuna – um nur zwei Namen von heute und damals zu nennen – hätten es geliebt miteinander in Diskurs zu gehen. Manche unserer heutigen Gelehrten versuchen diesen Diskurs. Das was sich jedoch Buddhismus nennt hat damit nichts zu tun. Dieser Buddhismus ist eine Effekt der Verhältnisse unserer Situation: Das Individuum allein existiert, es strebt nach einer Optimierung, die es für sein naturgegebenes Ziel hält. Glück ist alles – in diesem Glück verborgen ist jedoch eine automatisierte Selbstkontrolle, die den postmodernen Arbeitssklaven dazu bringt mit Freudentränen in den Augen seine Ketten zu beklatschen. Kontrollgesellschaft nennt es Deleuze, Burroughs überzeichnet sie in dunkelsten Visionen keineswegs und Foucault liefert das Begriffswerkzeug, um das Gewebe dieser Macht zu verstehen.

Diese Kultur wird mit einem grauenhaften Glück enden. Wir sollten aufhören zu sein. Vielleicht liegt doch eine große Erkenntnis im Wort vom Verlöschen.

 

Schäbigkeit

M. Steingass —  12.11.17

Das Adjektiv schäbig bedeutet eigentlich laut dem Deutschen Wörterbuch „mit der schabe (schäbe), krätze behaftet“, entwickelt sich aber schon im Mittelhochdeutschen weiter zu „von abgeschabtem schlechten aussehen, namentlich der kleider, dann von gebahren und gesinnung“.

Bei der Beobachtung der Reaktionen auf die derzeitigen Entwicklungen im westlichen Buddhismus macht sich Verwunderrung über die Hilflosigkeit der meisten Betroffenen breit. Die zumeist nur für Englischsprachige zugänglichen Berichte zeigen eine Buddhismus in dem vor allem zwei Aspekte vorzuherrschen scheinen: Eine beliebige, sehr naive Ausbeutung buddhistischer Lehren, um mit diesem Material eigene esoterische Lehren zu entwickeln und einen schamlosen Machtmissbrauch der selbsternannten Lehrmeister, der oft genug in widerlichsten sexuellen Übergriffen gipfelt.

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Bekanntlich ist es mit Geduld und Langmut bei Hinterweltbuddhisten schnell vorbei wenn sie es mit der wirklichen Welt zu tun bekommen. Normalerweise gehen sie jeder Auseinandersetzung mit Kritikern tunlichst aus dem Weg. Interviews werden nur Journalisten gewährt von denen man annimmt, dass sie die Autorität des Führers nicht in Zweifel ziehen. Alles in allem ist es eine geistige Gated Community in denen Leute wie Ole Nydahl, Sogyal Lakar, Genpo D. und andere ‚Buddhisten‘ leben (falls sie noch nicht im Knast sitzen). Die Konfrontation mit echter Kritik, Ironie, konkretem Disput, die Auseinandersetzung mit den Errungenschaften unserer Kultur, wie auch das Hinterfragen ihrer zum Teil krassen Fehlentwicklungen, ist diesen Leuten so fremd wie die Rückseite des Mondes. Da reisst der letzte Geduldsfaden ganz schnell, wenn einmal doch eine/r dem Lama eine schwierige Frage stellt, da wird ganz schnell das Mikro abgedreht, einem der Mund verboten oder man kriegt, wie bei Sogyal, einfach mal auf die Fresse – Hinterweltbuddhismus eben.

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Ich schreibe das Folgende als Mann – als weißer, wohlhabender Mitteleuropäer – was nicht ganz ungefährlich ist, denn ich bin mir kaum meiner Privilegien gegenüber Frauen bewusst. Es ist eine epistemologische Blindheit. Ich erfahre nicht am eigenen Leib die konstante Abwertung zum Objekt, die Frauen andauernd im Alltag erleben. Und die gesellschaftlichen Strukturen sind so angelegt, dass ich darüber nichts erfahre, falls ich selbst nicht aktiv diese analysiere. Feministen würde mir vielleicht empfehlen, einfach die Klappe zu halten. Männer und ihre Privilegien sind das Problem, nicht die Lösung. Andererseits: Männer um Typen wie Weinstein, Sogyal etc. schweigen, schweigen und schweigen bis es nicht mehr anders geht. Wäre das nicht so, diese Kreaturen wären längst kalt gestellt. Weinstein, Sogyal und Konsorten sollten nirgendwo mehr hinkönnen, ohne sofort in die Fresse zu kriegen. Drücke ich mich mal wieder zu ungehobelt aus? Scheiss drauf.

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