Archive für Kontrollgesellschaft

Nirveda

M. Steingass —  17.12.17

Für einen Moment dachte ich vergangenen Sommer, die Skandale die da ans Licht kommen setzen was in Bewegung. Weit gefehlt: In Bewegung setzt sich kaum etwas. Beobachtet man die Diskussionen kommt man zu dem Schluss, dass nun die es richten sollen, die viele Jahre das Elend mitverursachst haben. Man kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass diese Leute weiterhin am Prinzip des Totalen Buddhismus festhalten, welches besagt, dass nichts ausser ein Buddismus nach dem Verständnis dieser geschichtslosen Leute nötig ist, die Welt in der sie leben zu verstehen – und zu verbessern.

Der Abstand dieses Buddhismus zu irgendwelchen fortschrittlichen Kräften, aufklärerischen, emanzipativen, die Genese des Bewusstseins erforschenden, ist dermaßen gross, dass einem wieder und wieder der Widersinn vor Augen gezwungen wird, hier irgendwie einwirken zu wollen.

Ich bin sicher, Foucault und Nagarjuna – um nur zwei Namen von heute und damals zu nennen – hätten es geliebt miteinander in Diskurs zu gehen. Manche unserer heutigen Gelehrten versuchen diesen Diskurs. Das was sich jedoch Buddhismus nennt hat damit nichts zu tun. Dieser Buddhismus ist eine Effekt der Verhältnisse unserer Situation: Das Individuum allein existiert, es strebt nach einer Optimierung, die es für sein naturgegebenes Ziel hält. Glück ist alles – in diesem Glück verborgen ist jedoch eine automatisierte Selbstkontrolle, die den postmodernen Arbeitssklaven dazu bringt mit Freudentränen in den Augen seine Ketten zu beklatschen. Kontrollgesellschaft nennt es Deleuze, Burroughs überzeichnet sie in dunkelsten Visionen keineswegs und Foucault liefert das Begriffswerkzeug, um das Gewebe dieser Macht zu verstehen.

Diese Kultur wird mit einem grauenhaften Glück enden. Wir sollten aufhören zu sein. Vielleicht liegt doch eine große Erkenntnis im Wort vom Verlöschen.

 

Die Zeiten in denen hier auf diesem Blog der X-Buddhismus kritisiert und gegen ihn polemisiert wurde sind eigentlich vorbei. Mich persönlich interessierten am Buddhismus bestimmte Aspekte seiner Philosophie und Aspekte die man Techniken des Selbstes nennen könnte. In der Landschaft des X-Buddhismus ist dazu wenig zu finden. Um ganz kurz in Erinnerung zu rufen, was hier als X-Buddhismus bezeichnet wird: X-Buddhismus zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er einen wichtigen – oder den wichtigsten – Aspekt einer asiatischen buddhistischen Philosophie ausser Acht lässt: das bedingte Entstehen – paticca-samuppada. (vgl. auch den Eintrag Buddhismus in unserer Heuristik)

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Dieser Text ist gerade als Antwort auf eine E-Mail von Matthias M. entstanden. Wie das so ist bei der Improvisation, weiss man vorher nie, wohin sie führt. In diesem Fall kam es wieder zum absoluten Nein – ein Thema das weiter entwickelt werden muss. Das Problem dabei ist, dass es nichts mehr zu sagen gibt. Es gibt keine Idee mehr.

Craig Hickman hat es vor einiger Zeit so formuliert:

Ich sehe mir die Intelligenzia an und finde nichts. Das schiere Nichts. Keine Antworten. Obwohl ich zum Beispiel Žižek sehr verehre, sehe ich in ihm einen der grossen Gescheiterten unserer Zeit. Mit all seiner überwältigenden hegel’schen bzw. lacan’schen Gelehrsamkeit, hat er ein ums andere Mal festgestellt, dass er keine Antworten hat, dass alles was er jemals hatte, Fragen waren, Fragen über Fragen. Wann werden wir endlich das Ende dieser Fragen erleben und beginnen, die neue Idee einer Bestimmung zu entwickeln – für dieses fragile Bisschen planetarer Existenz. (vgl. Dark Ecologies und The Non-Buddhist)

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Wenn es einen Wert buddhistischer Philosophie gibt, kommt der nie bei denen an, die versuchen Buddhismus im alltäglichen Einerlei zu leben. Bei denjenigen, die im neoliberal befreiten Alltag versuchen, Buddhismus als Mittel zu leben, um nicht gänzlich vom Kapital gefressen zu werden. Bei denen die versuchen, einen Sinn in einer ansonsten völlig irrsinnigen und mit einem penetranten Konsumismus durchseuchten schönen neuen Welt zu finden. Buddhismus im Alltag, das sind Kalenderblattsprüche und Exotikversatzstücke vom edlen Wilden aus dem Osten. Was im Alltag von buddhistischer Philosophie ankommt, sind kapitalisierte Verzerrungen einer zur Ware gemachten Befreiung. Was ankommt, ist ein Verrat am Versprechen der Befreiung von denen, die vorgeben, dieses Versprechen für den Menschen einlösbar zu machen!

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Neulich auf dem Schulhof. Eine Lehrerin kommt mit einer ihrer Schülerinnen ins Gespräch. Die junge Frau ist auf dem Gymnasialzweig einer deutschen Gesamtschule. Sie kommt aus sozial ‚angespannten‘ Verhältnissen. So genannter Migrationshintergrund. Geschiedene Eltern, kein Kontakt zum Vater – „zuviel Stress“ –, wenig Geld. Das soziale Umfeld voller Versuchungen und Nötigungen. In einer kleinen deutschen Stadt mit hohem Anteil an Migranten. Schulklassen in denen fünf oder zehn Nationen, Kulturen, Sprachen aufeinander treffen. Überforderte und resignierte Lehrer, großartige Bildungsmöglichkeiten für quasi umsonst. Eltern die ihre Töchter mit 16 aus der Schule nehmen um sie an einen Cousin zu verheiraten. Andere Eltern die sich alles vom Mund absparen, um ihren Kindern eine guten Schulabschluss zu ermöglichen. Schwimmunterricht im Burkini oder im DSDS-Bikini. 5 € pro Schüler für den Einkauf eines halben Schuljahres Kochunterricht. Kinder die in Designerklamotten zum Unterricht kommen. Andere deren Kleidung offensichtlich zum ixten Mal aufgetragen wird. Kinder mit iPhone, Kinder mit Neid. 12-jährige deren kriminelle Karrieren vorgezeichnet sind. Andere die das Wissen geradezu saufen. Der ganz normale Wahnsinn an einer deutschen Gesamtschule.

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