Archive für Tom Pepper

Kürzlich wurde ich in einer Diskussion aufgefordert, zu „meiner“ Philosophie und zu „meinen Ideengebern“ Glenn Wallis und François Laruelle etwas zu sagen.

Die Ideengeber die mich und die Gedanken auf diesem Block beeinflussen, gehen über die beiden genannten weit hinaus. Das Folgende soll eine Lücke füllen, die dadurch entsteht, dass man dieses Blog anscheinend zum Teil immer noch in einem Kontinuum mit dem Projekt Spekulativer Non-Buddhismus sieht, wo dieses doch nicht mehr existiert. Dieses Projekt ist schon lange tot und ich habe mich von ihm distanziert, da es inhaltliche  Mängel aufweist und autoritäre Strukturen entwickelte. Allerdings habe ich dieses bisher nie angesprochen.

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MaoAusPorzellanAls letzte Geschenkidee zum Heiligen Abend 2015 etwas Spezielles für eine Personengruppe, die normalerweise nicht genügen gewürdigt wird. Es handelt sich um den Crossover aus Esoterik und Kommunismus. Was der Laie nicht kennt, bestaunt der Fachmann: Menschen die, ohne sofort erkennbare kognitive Dissonanz, eine Melange schaffen zwischen einer wie auch immer marxistisch inspirierten Weltanschauung und einer diffusen, irgendwie fernöstlich-neobuddhistisch durchtränkten Feinstofflichkeit. Da beginnt der RAF-Nostalgiker plötzlich über Zen zu sinnieren, der von Bagwahn bekehrte schwelgt in Heimweh zur guten alten DDR, der ehemalige KB-Kader findet nun Trost beim Handauflegen oder der vermeintlich von einer kritischen Theorie geleitete vergleichende Religionswissenschaftler erklärt nach dem dritten Bier kategorisch, man müsse nur richtig meditieren, um alles zu verstehen. Für diesen Personenkreis bietet sich als Geschenkidee zur Weihnacht, der ebenfalls von Asiatides vertrieben Porzellan-Mao an. Gewährsmann für die überragende spirituelle Relevanz Maos für einen Buddhimus-Kommunismus-Merger ist der allseits beliebte Dalai – Pop – Lama. Er erlag schon als junger Mann, bei einer Reise nach Peking, Maos Charisma und bezeichnet sich seit dem immer mal wieder gerne als Marxisten.

NON + X

M. Steingass —  8.10.12

Die erste Ausgabe unseres neuen, englischsprachigen E-Journals ist erschienen. Die Adresse ist www.nonplusx.com

For the english version of this introduction please visite this site => speculative non-buddhism!

non+x ist kritische Auseinandersetzung mit Buddhismus und anderen kulturellen Erscheinungen. Wir sind an dem Punkt interessiert in dem Worte, Bilder, Aktionen sich in unvorhersehbarer Weise zu neuen ideologischen Formen kristallisieren.

non+x mischt auf. Die Tradition wird zerschnitten und mit dem Auge der Gegenwart verschmolzen. Der un-dogmatische Freigeist erlaubt sich unverschämte neue Perspektiven auf jegliches Material. Wir ermutigen und laden dazu ein die neuen konzeptuellen Räume zu erkunden, die sich aus der kreativen Konfrontation ergeben.

non+x ist das was passiert, wenn man beginnt die Situation zu erkunden. In spiritu ludi. Tu was du willst. Liebe deine Ideen.

Das Blog Speculative Non-Buddhism wird gemeinsam mit non+x weiter bestehen. Es wird der Platz für Diskussionen und Kommentare über Texte auf non+x sein. Englischsprache Interessierte sind herzlich dazu eingeladen an den Diskussionen teilzunehmen oder Material beizusteuern.

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Tom Pepper

Naturalzing Buddhism Without Being Reductive – a radical, and ridiculously arrogant, reinvention of Buddhist thought

Buddhismus  Nicht-Reduktionistisch Naturalisieren – eine radikale und lächerlich arrogante Neuerfindung des Buddhistischen Gedankens

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Buddhismus akzeptieren heisst Widersprüche akzeptieren. Mit dieser Feststellung beginnt Tom Pepper seinen jüngsten (englischsprachigen) Aufsatz im Blog Speculative Non-Buddhism. Sein Vorhaben  formuliert er folgendermaßen (1): „Ich versuche eine  kohärente und heute anwendbare Interpretation buddhistischer Konzepte.“ Das Ergebnis ist „Buddhismus als eine ideologische Theorie und Praxis“ mit dem Pepper einige wesentliche Begriffe des buddhistischen Kanons verbindet und reininterpretiert. Namentlich sind das: Samsara, Karma, Punabbhava (Wiedergeburt), Bodhi (Erwachen, Erleuchtung) und sunyata (Offenheit), anatman (Nicht-Selbst), und pratitiasamutpada (Bedingtes Entstehen).

Auf dem Weg zu dieser Reinterpretation beleuchtet Pepper, erstens, den in der Diskussion im Non-Buddhismus-Blog wichtigen Begriff der Ideologie nach Louis Althusser und, zweitens, die Theorie des Subjekts nach Alain Badiou bzw. dessen Begriff der Welt. In beiden Fällen gibt Pepper eine konzise und gut verständliche Einführung in diese komplexen Begriffe. Schließlich beleuchtet Pepper die Problematik des Badiou‘schen Begriffs des Wahrheitsprozesses – der Problematik, wie Wahrheit entsteht und wie innerhalb einer Ideologie, die den Menschen zutiefst ausmacht, erkannt werden kann, daß man Ideologie ist.

Der Ideologiebegriff wird dabei zu einem Synonym der samsarischen Mechanik. Ideologie ist derjenige von Alhusser geprägte marxistische Begriff der „diejenige Menge an Praktiken beschreibt, die unser Verhältnis zu den Verhältnissen der (Re)Produktion bestimmen.“ Die (unbewusste) Reproduktion der Verhältnisse, u.a. dadurch, daß sie als selbst-verständlich erachtet werden, wird dabei zum Samsara „das in einer endlosen Wiederholung des Immergleichen immer erfordert, daß man sich dem Neuen verschließt, sich von der Wahrheit  abwendet und so zur Quelle des Leids des Subjekts wird.“

Schließlich beleuchtet Pepper die entscheidende Frage, wie Veränderung möglich ist. Diese Frage ist nicht trivial, da das Individuum in der Ideologie sich stets als in der besten aller Welten lebend empfindet. Die Lösung liegt nicht in einer Weltflucht wie sie der X-Buddhismus anbietet, sondern in der Anerkenntnis, daß der Mensch grundsätzlich ein ideologisches Wesen ist und so genau innerhalb dieser Qualität in einer tatsächlichen materiellen Praxis Lösungen finden kann, sich einen Abstand verschaffen kann – was ihm eine Reflexion der die eigenen Ideologie ermöglicht. Wie schon gelegentlich in so mancher Fassung des Buddhismus betont, kann so Samsara in Nirvana umschlagen.

(1) Übersetzungen von mir.

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Literatur

Reinhard Heil, Subjekt und Ideologie – Althusser–Lacan–Žižek, Magisterarbeit TU Darmstadt, 2003; eine kurze und prägnante Einführung zu u.a. Althussers Denken. Im Internet frei erhältlich.

Louis Althusser, Ideologie und ideologische Staatsapparate, VSA, 2010; rechtzeitig zur Ersten Unbuddhistischen Internationalen frisch aufgelegt.

Alain Badiou, Zweites Manifest für die Philosophie, Turia, 2010; eine kurze und das Denken fordernde Einführung in das Denken des Franzosen.