Der Fall Sogyal: Offener Brief

M. Steingass —  26.7.17

Ein offener Brief einiger langjähriger Vertrauter an ihren Lehrer Sogyal Lakar – vormals gennant Sogyal Rinpoche.


 

14. Juli 2017

Sogyal Lakar

Die Rigpa-Sangha befindet sich in einer Krise. Seit langem schwelende Probleme mit Deinem Verhalten können nicht länger ignoriert oder geleugnet werden. Als Schüler die Dir seit langem verpflichtet und ergeben sind, sind wir überzeugt davon, dass wir uns zu Deinem gewalttätigen und missbräuchlichen Verhalten äussern müssen. Dein Verhalten hat uns persönlich, unseren Brüdern und Schwestern in der Organisation Rigpa und darüber hinaus dem Buddhismus im Westen geschadet. Wir schreiben Dir indem wir dem Dalai Lama darin folgen, dass Schüler tibetischer Lamas dazu verpflichtet sind, Bedenken über ihre Lehrer zu teilen:

Wenn jemand die Lehren klar darstellt, nutzt das anderen. Wenn aber jemand, der den Dharma verbreiten sollte, ein verletzendes Verhalten an den Tag legt, ist es unsere Pflicht dies aus guter Motivation heraus zu kritisieren. Dies ist konstruktive Kritik und man muss sich ihretwegen nicht schlecht fühlen. In „Zwanzig Verse über den Eid des Bodhisattva“ wird gesagt, dass es niemals ein Fehler ist mit reiner Motivation zu handeln. Buddhistische Lehrer die mit Sex, Macht, Geld, Alkohol oder Drogen Missbrauch treiben und ihr Verhalten nicht ändern, obwohl sie mit legitimen Beschwerden ihrer eigenen Schüler konfrontiert werde, sollten beim Namen genannt und offen kritisiert werden. Das mag sie zum Nachdenken bewegen und sie dazu bewegen, zu bereuen und ihr missbräuchliches Verhalten zu beenden. Das Negative zu entlarven, erlaubt es dem Positiven zuzunehmen. Wenn derartiges Fehlverhalten veröffentlicht wird, sollte klar gemacht werden, dass solche Lehrer den Rat des Buddha missachtet haben. Gleichermassen allerdings sollten bei der Darstellung des Fehlverhaltens eins buddhistischen Lehrers, seine positive Seiten dargestellt werden.

Der Dalai Lama, Dharamsala, Indien, im März 1993

Dieser Brief artikuliert unsere Forderung Dein unethisches und unmoralisches Verhalten zu beenden. Dein öffentliches Auftreten ist das des Weisen, des Freundlichen, des Humorvollen, des Warmherzigen, voll des Mitgefühls, dein privates Verhalten aber, Deine Art wie Du Dich hinter der Bühne zeigst, ist zutiefst verstörend und verunsichernd. Einige von uns haben unsere Bedenken über Dein Verhalten mit Dir persönlich besprochen, aber das war für Dich kein Anlass zur Veränderung.

Diejenigen von uns die Dir heute schreiben, haben Deine missbräuchlichen Verhaltensweisen und die grossen Anstrengungen, sie vor anderen zu verbergen persönlich erlebt. Und unser Verdruss in dieser Sache steigert sich noch, wenn wir die organisatorische Kultur betrachten die Du um Dich herum geschaffen hast, um absolute Verschwiegenheit in Bezug auf Deine Handlungen zu gewährleisten. Dabei steht das alles im scharfen Kontrast zu Deiner Weisung in der Sangha für Offenheit und Transparenz zu sorgen. Wir wollen diese Verschleierung durch Geheimhaltung, Betrug und Falschheit beenden. Wir können nicht länger schweigen.

Unsere aufrichtige Hoffnung ist es, dass dieses gemeinsame Schreiben konkretere Resultate zeitigt, als unsere jeweiligen Einzelgespräche mit Dir. Wir hoffen, dass sich hieraus, statt kurzatmiger Versprechen, langfristige und ehrliche Veränderungen ergeben.

Unsere wichtigsten Sorgen sind:

    1. Dein physischer, emotionaler und psychischer Missbrauch von Schülern.
    2. Deine sexuellen Vergehen an Schülern.
    3. Dein unersättlich verschwenderischer und genusssüchtiger Lebensstil.
    4. Handlungen Deinerseits, die unsere Wertschätzung einer Praxis des Dharma vergiftet haben.

 

  1. Physischer, emotionaler und psychischer Missbrauch

Wir haben persönlich durch Dich viele verschiedene Formen der physischen Misshandlung erfahren, bzw. haben diese bei anderen miterleben müssen. Du hast uns geschlagen und getreten, an den Haaren und den Ohren gezogen, du hast uns mit verschiedensten Dingen geschlagen. Mit deinem Rückenkratzer, mit Kleiderbügeln, Telefonen, Bechern, mit was auch immer gerade zur Hand war. Wir haben über viele Jahre darauf vertraut, dass diese körperliche und emotionale Behandlung von Schülern – was Du als Deine „geschickten Mittel“ des  „zornvollen Mitgefühls“ in der Tradition der „verrückten Weisheit“ geltend gemacht hast – dazu diente, uns, in unserem eigenen tiefsten Interesse, von unseren „Gewohnheitsmustern“ zu befreien. Wir glauben nicht länger, dass dem so ist. Wir glauben, dass Dein Verhalten nicht anteilnehmend war, sondern dass es Deinen eigenen Mangel an Disziplin und Deine eigene Frustration aufzeigt. Deine körperlichen Misshandlungen – die unter der jeweiligen Jurisdiktion unter der Du sie begangen hast einen Gesetzesbruch darstellen – haben deine Mönche, Nonnen und Laienschüler mit blutigen Verletzungen und Narben zurück gelassen. Dies ist kein Wissen aus zweiter Hand, wir haben Dein Verhalten über Jahre persönlich erfahren und können es bezeugen.

Warum bist  Du uns und unseren Gefährten im Dharma gegenüber so gewalttätig geworden? Warum hast du uns geschlagen, geohrfeigt, getreten, uns an den Haaren gezogen? Weil Dein Essen nicht heiss genug war, weil Du eine halbe Stunde zu spät aus Deinem Nickerchen geweckt wurdest, weil in Deiner Telefonliste ein Name fehlte oder eine Schrift die falsche Grösse hatte, weil das Internet zu langsam war, Dein Assistent nicht aufmerksam genug war (1), wir uns nicht richtig „auf Deinen Geist einstellten“ und nicht vorhersehen konnten, was Du wolltest, oder weil Du übellaunig wegen einer Verstimmung mit einer Deiner Gespielinnen warst. Es gibt Hunderte von Beispielen trivialer Vorfälle, die Dich ausflippen liessen und Dich dazu brachten, so brutal zu reagieren.

Dabei waren Deine psychischen und emotionalen Misshandlungen vielleicht verletzender, als die körperlichen Narben, die Du uns zugefügt hast. Während wir für Dich arbeiteten, um die Infrastruktur für Deine Lehrtätigkeit in verschiedenen Teilen der Welt zu organisieren (Europa, Nordamerika, Australien, Indien, Nepal), haben Dein öffentliches Blossstellen und Dein Drohverhalten bei einigen Deiner engsten Schüler und Begleiter zu emotionalen Zusammenbrüchen geführt. Du hast uns immer erzählt, dass wir dankbar für Deine persönliche Anteilnahme sein sollten und dafür, dass Du uns unsere versteckten charakterlichen Mängel „aufzeigst“ und dass Du uns von unserem „eigensüchtigen Ego“ befreist. Wir glauben nicht länger, dass dem so ist. Das alles hat uns verletzt, anstatt zu helfen. Das alles war eine Form der Kontrolle, es war eine unverfrorene Form uns zu knechten, eine übertriebenen Einflussnahme, die uns unsere Freiheit nahm. Du hast uns und anderen angedroht, dass wir „Blut spuken wie Ian Maxwell“ (2), wenn wir Dir nicht aufs Wort folgen. Du hast uns erzählt, dass wir die Gesundheit unserer Liebsten riskieren oder dass sie gestorben sind, weil wir Dir in irgend einer Form missfallen haben. (3) Bei öffentlichen Unterweisungen hast Du regelmässig uns und alle, die wir für Deine Retreats arbeiteten, kritisiert, zum eigenen Vorteil beeinflusst oder bloss gestellt. Du hast uns über Jahre hinweg erzählt, das sei Dein einzigartiger Stil Deine Schüler „auszubilden“ und dass öffentliche Blossstellung Teil der Guru-Schüler-Beziehung sei. Wir glauben nicht länger, dass dem so ist.

Als immer mehr Schüler auf Grund Deiner „Ausbildung“ dem emotionalen Zusammenbruch nahe kamen, hast Du die „Ripa-Therapie“ für Deine engsten Schüler eingeführt. Professionelle, praktizierende Therapeuten (die auch Deine Schüler sind) wurden damit beauftragt, an den Qualen zu arbeiten, die in denjenigen auftraten, die Du körperlich, emotional und psychisch misshandelt hattest. In Zweier-Sitzungen bekam der Therapeut Deinen Methoden „verrückter Weisheit“ zu hören und er bekam die Traumata zu sehen, die diese im jeweiligen Klienten auslösten. Eine der Methoden dieser „Rigpa Therapie“ diese Traumata durchzuarbeiten war es, die Gültigkeit der Einsicht zu negieren, in Dir, als Lehrer und Verursacher, die Quelle dieser Traumata zu sehen. Stattdessen wurden wir angewiesen, alte Familienverhältnisse und -geschichten als das Problem zu sehen. Wir wurden daran gehindert, Dich in unseren klaren, konkreten Einsichten als denjenigen zu sehen, der tatsächlich der Täter war und stattdessen wurden wir beschuldigt und dazu gebracht uns selbst als minderwertig zu betrachten. Falls eine „Therapie“ dem Schüler dazu verhalf, seine Ansicht zu ändern, wurde der Therapeut dazu gebracht zu glauben, er oder sie sei nicht qualifiziert genug für den Job.

2. Sexuelle Vergehen

Du nutzt Deine Rolle als Lehrer um Zugang zu jungen Frauen zu finden, um sie zu nötigen, einzuschüchtern und sie dazu zu bringen, Dir sexuelle Gefälligkeiten zu erweisen. (4) Die andauernden Kontroversen um Deine sexuellen Verfehlungen über die wir im Internet erfahren, sind nur ein kleiner Ausschnitt aus Deinem jahrzehntelangem Verhalten. Für manche von uns bestand die sexuelle Schikane darin, dass man verordnet bekam sich auszuziehen, oder seine Genitalien zu zeigen (Männer und Frauen), oder Dich mit oralen Sex zu beglücken, oder dass man sich von Dir begrapschen lassen musste, dass man gesagt bekam, Fotos von seinen Genitalien zu machen, dass man Sex mit seinem Partner in Deinem Bett haben musste, dass man Dir die sexuellen Beziehungen zum eigenen Partner beschreiben musste. Du hast Schüler damit beauftragt, Deine Begleiter und Partnerinnen nackt zu fotografieren. Diese Fotos sollten dann von anderen Schülern zu Collagen verarbeiten werden, die Du wiederum weiter herum zeigtest. Du hast eine Deiner weiblichen Begleiterinnen einem anderen (bei Rigpa wohl bekannten) Lama zum Sex angeboten. Du hattest und hast seit Jahrzehnten sexuelle Beziehungen mit einer Reihe Deiner weiblichen Schülerinnen, die auch deine Begleiterinnen sind. Mache von ihnen sind verheiratet. Du hast uns angewiesen zu lügen, um Dich zu decken, um Deine sexuellen Beziehungen vor Deinen anderen Auserkorenen zu verbergen. Öffentlich behauptest Du, dass Deine Beziehungen völlig normal seien, einvernehmlich und angemessen, da Du kein Mönch seist. Du verneinst jedes Fehlverhalten und hast bei Gelegenheit sogar behauptet, dass Du verführt worden seist. (5) Du und andere in Deiner Organisation behaupten, dass dies das Verhalten eins buddhistischen Meisters der „verrückten Weisheit“ sei, genau wie es tantrische Adepten der Vergangenheit an den Tag legten. Wir glauben nicht, dass dem so ist. Stattdessen gehen wir davon aus, dass solche Behauptungen Versuche sind offenkundig empörendes Verhalten wegzuerklären.

3. Unersättlicher Lebensstil

Dein verschwenderischer Lebensstil wird vor Tausenden Deiner Schüler versteckt. Es ist eine Sache für Dich eine Spende vom Besten (was jemand zu bieten hat) als Anerkennung der Dankbarkeit für geistige Unterrichtung anzunehmen. Es ist etwas ganz anderes, so etwas von uns zu fordern. Viel von dem Geld welches Deine luxuriösen Bedürfnisse befriedigt, stammt aus Spenden von Schülern die glauben, damit Weisheit und Mitgefühl in der Welt zu fördern.

Als Begleiter, Fahrer und Organisatoren kostet es uns die meiste Zeit und Energie, einen konstanten Vorrat an sinnlichen Vergnügungen für Dich bereitet zu halten. Du verlangst jede erdenkliche Form von Essen – zu jeder Tages- und Nachtzeit – von Deinen persönlichen Köchen und Bediensteten (für die Rigpa bezahlt), die die Welt mit Dir bereisen. Du verlangst alle möglichen Arten von Unterhaltung. Das beinhaltet zum Beispiel detaillierte TV-Programmführer für die Sendungen, die Du oft für endlose Stunden schaust. Nicht anders die ausführlichen Listen über Filme, damit Du allzeit weist, was in den Kinos in Deiner Nähe sehen ist. Oder die kontinuierlichen Updates über Restaurants mit Essen zum mitnehmen, 24 Stunden am Tag abrufbereite Fahrer und Masseusen Dich zu bedienen bzw. Dich und Deine Freunde ins Kino, in teure Restaurants, zum shoppen oder an verschwiegene  Orten zu bringen, an denen Du Deine teuren Zigarren rauchen kannst.

Mit Ungeduld hast Du stets nach solchen Vergnügungen und dekadenten sinnlichen Genüssen verlangt. Wenn diese nicht mit einem Fingerschnippen zur Verfügung standen, oder nicht exakt so wie verlangt, wurden wir beleidigt, erniedrigt, als wertlos, dumm oder inkompetent bezeichnet und oft genug geschlagen oder geohrfeigt. Dein Verhalten hat nicht unsere Achtsamkeit und Aufmerksamkeit gefördert, sondern uns in Schrecken davor versetzt, einen Fehler zu machen. Du erzählst Deinen Schülern, dass Du die meiste Zeit damit verbringst, buddhistische Studien zu betreiben und Praxis auszuüben, diejenigen aber unter uns, die Dir über Jahre privat dienten, wissen, dass das nicht der Realität entspricht.

Wir denken, dass es unethisch ist, wenn unsere finanziellen Beiträge – von denen man glaubt, sie dienten dem Dharma – für Dich genutzt werden, um Deinen verschwenderischen Lebensstil zu bezahlen. Wenn Du Dich Deines Verhaltens nicht schämst, dann trage es offen zur Schau. Erlaube Deinen Schülern zu sehen wer Du wirklich bist und lass sie nach eigenem bestem Wissen ihre Entscheidung darüber treffen, ob Du ihr Lehrer sein solltest.

4. Vergiftung unserer Wertschätzung einer Praxis des Dharma

Du solltest wissen, dass das Unglück welches Du über uns gebracht hast, auch unsere Wertschätzung für den Dharma und für seine Praxis vergiftet hat. Während Jahrzehnten der Studien und der Praxis des tibetischen Buddhismus mit Dir, haben wir es uns zur Gewohnheit gemacht, Dich als die „Verkörperung des Juwels“ zu sehen, als die „Quelle aller Lehren und des Segens“ des Buddha-Dharmas. Wir haben Dir völlig vertraut. Trotzdem haben wir Jahre damit verbracht damit zurecht zu kommen, dass Dein Verhalten nicht mit Deinen Lehren in Übereinstimmung zu bekommen waren. Heute, da viele von uns Dich, die Lerab Ling-Gemeinschaft und die Rigpa-Organisation verlassen haben, ist die Basis unseres Vertrauens in den Buddha-Dharma in Frage gestellt. Manche von uns haben ihren gesamten Besitzt zurück gelassen als sie verzweifelt versuchten, so schnell wie möglich Deinen Misshandlungen und der Gemeinschaft die diese unterstütze, zu entkommen. Egal ob wir plötzlich verschwanden oder allmählich von Dir und Rigpa Abstand nahmen, wir ringen darum, die Anerkennung für eine transformative Lehre und ihre Lehrer wieder zu gewinnen. Es ist oft so, dass wenn wir versuchen zu meditieren oder zu praktizieren, wir das Gift spüren, das wir durch unsere Erfahrungen mit Dir aufnahmen. Einige von uns verknüpfen mit den Vajrayana tiefes Misstrauen. Andere unter uns versuchen die Basis ihre Studien und Praxis von Grund auf zu erneuern, wobei sie einsehen müssen, dass Deine Machenschaften sich mit allem vermischt haben, was sie gelehrt wurden. Manche versuchen das alles therapeutisch zu verarbeiten. Das alles ist das genaue Gegenteil Deines Anspruches, allen den Dharma zu bringen. Das Ergebnis Deiner Methoden ist, dass unser Verhältnis zum Dharma korrumpiert wurde. Wir erkennen nun klar, wie Du in vielfacher Weise unser Vertrauen missbraucht hast, wie Du uns in Deine Machenschaften verwickelt hast und uns und unsere Brüder und Schwestern im Dharma missbraucht hast.

Dies alles ist nicht ein Mangel an Vertrauen und Respekt den wir zeigen. Als ob wir „Störenfriede“ seien, die „unrechte Rede“ führten, wie Du so oft behauptet hast, wenn jemand es gewagt hat, gegen Deine Methoden aufzubegehren. Wir haben Dir zu lange vertraut, wir haben wieder und wieder im Zweifel für den Angeklagten gestimmt. Beim Versuch diese Bedenken zu äussern, hast Du uns blossgestellt und damit gedroht an niemanden mehr die Lehre weiter zu geben, weil wir „Zweifel“ hegten. Du hast uns dazu ermutigt andere zu diffamieren, besonders in Frankreich, wo besonders viele in den vergangen Jahren ihre Stimme gegen Dich erhoben. Wir mussten mit ansehen wie Du die Lehren zur Geisel nahmst, um von Schülern zu fordern, dass sie ihre Verehrung immer wieder durch „Spenden“ in Form von Geld und nicht bezahlter Arbeit zeigten. Du erzählst uns, das sei die Art und Weise einer authentischen Praxis des Dharma. Wir glauben nicht, dass so der Weg des Dharma aussieht.

Was Deinen Missbrauch angeht, Deine sexuellen Verfehlungen und Deinen verschwenderischen Lebensstil, so sehen wir keine klar erkenntlichen ethischen Standards oder Richtlinien, an die Du Dich halten würdest. Wir haben es mit einem Vakuum an Verantwortlichkeit zu tun. Wir hoffen, dass wir, indem wir diesen Brief an unsere Gefährten und die Rigpa-Dzogchen-Mandala-Schüler schicken, helfen dieses Vakuum zu füllen.

Was Du die letzten dreißig Jahre gelehrt hast, besonders Das Tibetische Buch vom Leben und vom Sterben, hat vielen grossen Nutzen gebracht, auch denjenigen, die Dir dies heute schreiben. Falls wir das alles falsch sehen, berichtige unsere falsche Sichtweise. Wenn uns zu schlagen und zu treten, wenn Sex mit Schülern und verheirateten Frauen und wenn die Finanzierung Deines verschwenderischen Lebensstils mit den Spenden Deiner Schüler tatsächlich das ethische und mitfühlende Verhalten eines buddhistischen Lehrers sein sollte, dann bitte erklär uns das. Falls aber wir in unserer Beurteilung richtig liegen sollten, dann beende Deine Verhalten, da es für andere verletzend ist.

Zum Schluss bestätigen wir, dass das meiste was an öffentlicher Kritik im Internet zu finden ist, den Tatsachen entspricht. Einige von uns die verantwortliche Positionen innerhalb von Rigpa inne hatten ringen schwer damit, Dich gedeckt und Deine Verhalten „wegerklärt“ zu haben, während sie sich nicht um die gekümmert haben, die traumatische Erfahrungen davon trugen. Unsere Motivation die uns in der Vergangenheit geleitet hat, alle Handlungen unseres tantrischen Lehrers als rein anzusehen, hat uns den Blick für den ganz realen Schaden genommen, den du verursachst. Jeder von uns überdenkt sein eigenes Verhalten genau und versucht daraus seine Schlüsse zu ziehen, während wir uns gegenseitig auf dieser Reise unterstützen. Wir könne nicht länger still halten, während Du andere im Namen des Buddhismus verletzt. Unser ehrlicher Wunsch ist es, den Buddhismus im Westen blühen zu sehen. Wir wollen uns nicht länger an der Dummheit versündigen, den Guru um jeden Preis als perfekt anzusehen. Der Weg fordert nicht von uns, unsere Fähigkeit zu unterscheiden, unsere Ethik und Moralität oder unsere Integrität auf dem Altar des „Guru-Yoga“ zu opfern.

Unser aufrichtiger Wunsch ist es, dass Du Dir Orientierungshilfe beim Dalai Lama holst, bei anderen Lamas mit gutem Herzen oder bei wem auch immer, wo es Dir  ermöglicht würde, auf den wahren Pfad des Dharma zurück zu kehren.

Mit dem tiefsten Respekt für den Dharma.

                                             

  • Mark Standlee, Schüler sei 33 Jahren, Drei-Jahres-Retreat, ehemaliger Direktor von International Rigpa Online Courses & Rigpa US Teaching Services für 5 Jahre, International Senior Instructor
  • Sangye, Schüler seit 16 Jahren, Drei-Jahres-Retreat, buddhistischer Mönch seit 14 Jahren, Co-Direktor bei Technology for Rigpa International
  • Damcho, Schüler seit 15 Jahren, Drei-Jahres-Retreat, buddhistische Nonne seit 10 Jahren, persönliche Begleiterin von Sogyal Lakar
  • Matteo Pistono, Schüler seit 19 Jahren, ehem. Rigpa US Board Member, Autor von Fearless In Tibet: The Life of the Mystic of Tertön Sogyal
  • Joanne Standlee, Schüler seit 18 Jahren, Leitung von Sogyal Lakars Haushalt in den USA für 15 Jahre, National Director von Rigpa US für 7 Jahre, Director von ZAM America für 5 Jahre, Rigpa Instructor
  • Graham Price, Schüler seit 20 Jahren, Sogyal Lakars persönlicher Begleiter und Fahrer
  • Michael Condon, Schüler seit 21 Jahren, Rigpa Instructor, Sogyal Lakars persönlicher Begleiter und Fahrer in den USA
  • Gary Goldman, Schüler seit 23 Jahren

 

Anmerkungen

  1. Im August 2016 boxte Sogyal Lakar einer Nonne vor einer Versammlung von  über 1.000 Schülern in Lerab Ling in Fankreich in den Bauch.
  2. Während eines live übertragenen Unterweisung aus dem unvollendeten Tempel sagte Sogyal Lakai über Ian Maxwell, einem seiner ältesten Studenten, dass er „ein Arschloch“ sei. Ian lag zu dieser Zeit sterbend in einem Krankenhaus in Paris. Nach Ians Tod sagte Sogyal, das Ian „Blut spuckend starb“ da er ihm in der Vergangenheit Schwierigkeiten gemacht habe. Sogyal Lakar nutzte dieses Ereignis regelmässig indem er sagte „wollt ihr etwa Blut spuckend sterben wie Ian weil ihr mir Schwierigkeiten gemacht habt?“ Er nutzte dies als Beispiel, um anderen Schülern mit den fatalen Konsequenzen zu drohen, die sie zu tragen hätten, falls sie sein Befehle nicht befolgten.
  3. Sogyal Lakar erklärte Graham Price, dass sein geliebter Partner Elena krank wurde (und ein Jahr später starb) weil Graham ihn angeschrien habe. Tatsächlich hatte Graham nicht mal die Stimme erhoben. 
  4. https://behindthethangkas.wordpress.com/2011/11/20/13-dakini-janine/ is just one example
  5. https://behindthethangkas.wordpress.com/2011/11/20/16-the-three-year-retreat/

“Gerard demanded an interview with Sogyal, who was initially wary, but then admitted he had had sex with Janine. He tried to shift the blame onto her – claiming that she had seduced him and that he was at first resistant, but later gave in to her demands.”

Lerab Ling residential monastics Ani Damcho Drolma and Ngawang Sangye struggled for many years to fulfill Sogyal Lakar’s ever increasing demands while receiving physical and emotional abuse. They asked for help from the community but were victim-blamed, and viewed as being unappreciative of the blessing of working close to the lama. There was extreme pressure to stay and conform. They both felt as though they had to “escape” the predicament as there was no arena in which to negotiate their position, or find resolution in how to tolerate their working relationship with Sogyal Lakar.

As a gesture for support and with an understanding for the many emotions and issues that could arise for individuals as a result of reading this letter we are sharing some resources and helpful linkshttps://sanghacare8.wixsite.com/sanghacareresources

As well as a blog where concerned students can connect with each otherhttps://whatnow727.wordpress.com/


Übersetzung: Der Unbuddhist. Original: https://www.lionsroar.com/wp-content/uploads/2017/07/Letter-to-Sogyal-Lakar-14-06-2017-.pdf

 

Weitere Links: