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Ich sehe mich veranlasst zu einer Äusserung von Christof Spitz in einem Interview mit der Taz vom 5.12.16 Stellung zu nehmen. Spitz behauptet dort folgendes:

Der Verfasser des Blogs [Der Unbuddhist] sagte, mit Karma lasse sich selbst der Holocaust rechtfertigen.

Ich weise diese Behauptung zurück.

Die Behauptung, mit Karma lasse sich der Holocaust rechtfertigen wurde 2013 von Buddhisten in einem Forum des Tibetischen Zentrums Hamburg aufgestellt bzw. zumindest insinuiert. Der entsprechende Thread wurde wegen evtl. strafrechtlich relevanter Inhalte gelöscht oder gesperrt. Ich griff die besagte Behauptung in einer Glosse auf. Der Hintergrund dieser Glosse, wie auch derjenige vieler Artikel auf diesem Blog, war dabei, u.a. über derartige abstruse und in diesem Fall infame Entwicklungen im westlichen buddhistischen Weltbild aufzuklären. Der damaligen Glosse und weiterer Texte die mit diesem Fall im Zusammenhang stehen, ist nichts hinzuzufügen.

Es sei aber daran erinnert, dass das Weltbild des Dalai Lama wie auch dasjenige mancher Lehrer des Tibetischen Zentrums Hamburg  in letzter Konsequenz nahelegen, dass Opfer von Krankheit, Gewalt, Unfällen und Naturkatastrophen selbst deren Ursachen seien. Ein Lehrer von Christof Spitz, Geshe Tubten Ngawang, formuliert das so:

Karma ist eindeutig: Man erlebt niemals Wirkungen von Handlungen, die man nicht selbst begangen hat. (Quelle siehe erwähnte Glosse)

Spitz hat recht, wenn er im Interview derartiges inzwischen von sich weisst. Es stimmt allerdings nicht, wenn er behauptet, nicht zu wissen, auf welcher Basis solche Behauptungen, wie er sie mir zuschreibt, entstehen.

Das Impertinente und geradezu Difamatorische an seiner Zuschreibung ist allerdings das Folgende: Wie so viele Buddhisten, die einem reichlich eklektisch-esoterischen Mischmasch aus asiatischen religiösen Lehren und westlichem New-Age-Wirrsinn frönen, nimmt Christof Spitz lieber seine eigene Leute (im Tibetischen Zentrum Hamburg) in Schutz – indem er nicht sagt, was diese an mörderischen Gedanken zuliessen – als dass er den Versuch der Aufklärung unterstützt. Wie Spitz das mit seiner Achtsamkeit, seiner Ethik und seinem Weisheitstraining unter einen Hut bringt, wird er sicherlich wortreich zu erklären wissen (Stichwort Bauchrednerei).

Zu sagen bleibt, und das wird im Interview auch klar: Spitz, wie so viele, die im Buddhismus nicht völlig verblödet sind, versucht zwar von einem buddhistischen Okkultismus wegzukommen, er wagt aber nicht den Schritt in ein wirklich emanzipatorisches Denken – wie es der Mahayana durchaus nahelegt. Zu sehr ist wohl auch er affektiv verhaftet in einer Struktur des christlich geprägten Erlösungsdenkens und zu sehr fehlt ihm Bildung in Hinsicht auf eine Transzendierung gesellschaftlicher Verhältnisse.

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M. Steingass —  24.10.16

Die Publikationstätigkeit auf diesem Blog wurde eingestellt. Sein Thema war eine Kritik des Buddhismus im Westen. Diese lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Dem Potential der von Indien ausgegangenen Philosophie, die bei uns den Namen „Buddhismus“ erhielt, wird ihre Entwicklung im Westen nicht gerecht. Buddhismus im Westen, entstanden im 19. Jahrhundert und seit den 1970er Jahren in einer Phase rasanter Ausbreitung, stellt als höchstes Erkenntnismittel den Blick nach innen heraus. Meditative Versenkung soll höchste Welterkenntnis bringen. Dieser Weg nach innen lässt sich, z.B. mit Nagarjuna, leicht als Irrtum aufweisen. Zu diesem Irrtum gesellt sich ein weiterer. Der Traum vom Original. Dabei muss man den Buddhismus im Westen auch als Teil des Neoliberalen Kapitalismus betrachten und damit als einen Teil der Zerstörung deren Zeuge wir sind.

Interessierte sollten sich mit Drei Texte des Spekulativen Non-Buddhismus befassen. Darüber hinaus gibt es auf diesem Blog eine Vielzahl anderer Texte, die sich teils ironisch, teils polemisch, teils analysierend verschiedenen Aspekten der Kritik des Buddhismus im Westen widmen.

Was bleibt und was vielleicht entsteht, ist kein Buddhismus. Vielleicht stellt man fest, dass der Buddhismus nie gemeint war. Das man etwas ganz anderes suchte und dass das was vom Mahayana überliefert wird, in Teilen, Fetzen und Stücken, weiterhilft, dass es aber kein Ganzes ist. Dass dieses Ganze das ist, um was es geht beim anatman. War ’ne Fantasie. Das Rumpeln der Megamaschine

 

Es tut sich was in Nord-Amerika. Wenn das so weiter geht, werden wir auch in Europa in 10 oder 20 Jahren den verstaubten Altherrenbuddhismus der DBU und den AFD-Buddhismus eines so genannten Diamantweges nur noch als Geschichte kennen. Es war einmal.

In Amerika sehen wir vielversprechende Diskussionen, die sich im dortigen Buddhismus entfalten. So ist es keineswegs mehr ungewöhnlich, dort schwule Buddhisten in hohen Positionen zu sehen. Man sehe sich dazu dieses Interview in Tricycle an. Eine offen schwule Persönlichkeit aber in der DBU? Darauf dürfen wir sicher noch ein wenig warten.

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Es gibt das Gerücht, dass der Diplom-Lama Ole Nydahl die AfD empfiehlt. Noch ist es nur ein Gerücht aber so abwegig ist das nicht.

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Zusätzlich zu dem was ich kürzlich zum Themenheft Achtsamkeit der Zeitschrift Buddhismus aktuell 1/2016 geschrieben habe, einige kurze weitere Anmerkungen.

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