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Schäbigkeit

M. Steingass —  12.11.17

Das Adjektiv schäbig bedeutet eigentlich laut dem Deutschen Wörterbuch „mit der schabe (schäbe), krätze behaftet“, entwickelt sich aber schon im Mittelhochdeutschen weiter zu „von abgeschabtem schlechten aussehen, namentlich der kleider, dann von gebahren und gesinnung“.

Bei der Beobachtung der Reaktionen auf die derzeitigen Entwicklungen im westlichen Buddhismus macht sich Verwunderrung über die Hilflosigkeit der meisten Betroffenen breit. Die zumeist nur für Englischsprachige zugänglichen Berichte zeigen eine Buddhismus in dem vor allem zwei Aspekte vorzuherrschen scheinen: Eine beliebige, sehr naive Ausbeutung buddhistischer Lehren, um mit diesem Material eigene esoterische Lehren zu entwickeln und einen schamlosen Machtmissbrauch der selbsternannten Lehrmeister, der oft genug in widerlichsten sexuellen Übergriffen gipfelt.

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Bekanntlich ist es mit Geduld und Langmut bei Hinterweltbuddhisten schnell vorbei wenn sie es mit der wirklichen Welt zu tun bekommen. Normalerweise gehen sie jeder Auseinandersetzung mit Kritikern tunlichst aus dem Weg. Interviews werden nur Journalisten gewährt von denen man annimmt, dass sie die Autorität des Führers nicht in Zweifel ziehen. Alles in allem ist es eine geistige Gated Community in denen Leute wie Ole Nydahl, Sogyal Lakar, Genpo D. und andere ‚Buddhisten‘ leben (falls sie noch nicht im Knast sitzen). Die Konfrontation mit echter Kritik, Ironie, konkretem Disput, die Auseinandersetzung mit den Errungenschaften unserer Kultur, wie auch das Hinterfragen ihrer zum Teil krassen Fehlentwicklungen, ist diesen Leuten so fremd wie die Rückseite des Mondes. Da reisst der letzte Geduldsfaden ganz schnell, wenn einmal doch eine/r dem Lama eine schwierige Frage stellt, da wird ganz schnell das Mikro abgedreht, einem der Mund verboten oder man kriegt, wie bei Sogyal, einfach mal auf die Fresse – Hinterweltbuddhismus eben.

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Ich schreibe das Folgende als Mann – als weißer, wohlhabender Mitteleuropäer – was nicht ganz ungefährlich ist, denn ich bin mir kaum meiner Privilegien gegenüber Frauen bewusst. Es ist eine epistemologische Blindheit. Ich erfahre nicht am eigenen Leib die konstante Abwertung zum Objekt, die Frauen andauernd im Alltag erleben. Und die gesellschaftlichen Strukturen sind so angelegt, dass ich darüber nichts erfahre, falls ich selbst nicht aktiv diese analysiere. Feministen würde mir vielleicht empfehlen, einfach die Klappe zu halten. Männer und ihre Privilegien sind das Problem, nicht die Lösung. Andererseits: Männer um Typen wie Weinstein, Sogyal etc. schweigen, schweigen und schweigen bis es nicht mehr anders geht. Wäre das nicht so, diese Kreaturen wären längst kalt gestellt. Weinstein, Sogyal und Konsorten sollten nirgendwo mehr hinkönnen, ohne sofort in die Fresse zu kriegen. Drücke ich mich mal wieder zu ungehobelt aus? Scheiss drauf.

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Perhaps it helps to compare so called crazy wisdom to artists who constantly test the boundaries about what could be expressed and who go beyond what is regarded as normal regularly. It follows from Nagarjuna’s Mūlamadhyamakakārikā that there is no given ground for whatever exists and that whatever rules exists how to behave must therefore be a convention negotiated between those interacting. The artist as embodiment of crazy wisdom – yeshé ’cholwa or primordial wisdom chaos – knows this or at least intuits it. They remind people that we are living a conventional life but that the boundaries of it have to be known and tested to develop. Think of van Gogh, Kafka, Marina Abramović, the Sex Pistols, Schönberg… But also think about the dark side: Hitler, Stalin, Trump, Erdogan and last not least, for example, Sogyal Lakar and Diploma-Lama Ole Nydahl as the little brethren of the masters of the dark side of humanity  – they too know that rules are made to be bent. The difference is that the latter keep their followers in the dark.