Archive für 30.11.99

EsoterikHohlkopfEine Fälschung, und nicht vom schon erwähnten Hersteller Asiatides, ist dieser Esoterische Hohlkopf. Wie die Bezeichnung zweifelsfrei anzeigt, befindet sich im Inneren des Kopfes lediglich ein mit Luft gefüllter Hohlraum. Der Esoterische Hohlkopf ist eine typische Erscheinung des Buddhismus im Westen. Der Hohlraum ist Ausdruck des Missverständnisses, dass es sich bei der in der asiatischen buddhistischen Philosophie bekannten Theorie von der Leere, um ein Nichts handele – einem Missverständnis, dem schon Leibniz und Hegel aufsaßen. Auch wenn dieser Hohlkopf eine grosse Verbreitung gefunden hat und praktisch in jedem Baumarkt erhältlich ist, sollte man ihn unter keinen Umständen als Weihnachtsgeschenk erwägen. Tatsächlich gilt eine derartige Darstellung eines Buddha in Asien als Sakrileg. Der Esoterische Hohlkopf gilt unter Fachleuten als typische Erscheinung des spätkapitalistischen Wellness- und Feelgood-Fetisch und ist strukturell gesehen lediglich eine Variante der Umnachtung.

BuddhaBannungAuch sehr schön von Asiatides dieser Buddha. Es handelt sich um einen so genannten BannBuddha. Seine Rechte ist in der Geste des Bannens erhoben. Er eignet sich ausgezeichnet dafür, im Eingangsbereich einer edelbuddhistischen Behausung aufgestellt zu werden, um dort das traute Heim vor dem so genannten Esoterischen Hohlkopf zu beschützen. Gerade dieser ist es ja, von dem sich der yogisch gestählte, vegan erwachte und häufig auch mit akademischer Bildung versehene Edelbuddhist abheben muss. Die Banngeste sorgt in dieser Hinsicht für Sicherheit und zerstäubt zusätzlich automatisch auch unangenehme karmische Energien. Aufgeladen wird der BannBuddha vom örtlichen Diplom-Lama. Die Ladung muss einmal jährlich erfolgen und ist bis auf eine angemessene Dāna kostenlos. Der BannBuddha lässt sich sehr gut mit der Theorie der Leere kombinieren, die dann im eigentlichen Wohnbereich angebracht wird.

BuddhaZufluchtAuch der Buddhist sucht zur Feier des Christkindes ein Geschenk.

Bei Asiatides finden wir dieses sehr schöne Buddhismus-Accessoire aus Porzellan, das auch dem gehobenen Anspruch an Erleuchtung im Wohnzimmer gerecht wird. Asiatides macht beim Erbauungsdesign keinerlei Zugeständnisse an den Zeitgeist des Kitsches, der leider immer noch den Buddhismus im Westen fest im Griff hält und der von Buddhas auf Fussmatten und Klodeckeln über Buddhagummibärchen und ähnlichen spirituelle Süßigkeiten bis zum Diplom-Lama reicht. Die Buddhafiguren von Asiatides sind in schlichtem und edlem Weiß gehalten und vermitteln, sofern sie im gediegenen Wohnambiente zu finden sind, den Eindruck eines Edelbuddhismus, der sich vom niederen Erleuchtungsgetue wohltuend abhebt. Distinktion ist hier angesagt. Ein paar auswendig gelernte Zitate von Dogen, Tsongkapa, Chandrakirti oder Nagarjuna, sind in solchem Ambiente dann das Tüpfelchen auf dem i und sorgen umgehend für angemessene Bewunderung.

Die Abbildung zeigt einen Gandhara-China-Crossover-Bodhisattva: Seine Rechte zeigt die Geste der Theorie der Leere.

Carma Caput

M. Steingass —  12.12.15

Carma

Neulich Nachts: Das Salz der Erde. Welch ein Spannungsbogen in diesem Film. Viele Szenen bestehen nur aus Schwarzweissfotos.  Sie stammen von Sebastião Salgado und er erzählt von ihnen. Nach circa 2/3 des Filmes gerät man in die Hölle. Wenn man sich nicht gegen das Entsetzen auf diesem Planeten immun manchen kann, kennt man diese Bilder schon. Diese Fotos und ihr Erzähler aber führen auf eine noch andere Art in das Herz der Finsternis. Man ist unvorbereitet, wenn man nichts über den Film weiss. Man merkt zwar wie man hineingezogen wird, kurz bevor die Dunkelheit hereinbricht, aber bis man versteht was wirklich läuft, ist es zu spät. Salgado berichtet, dass er nach dieser Reise und dem was er sah, nicht mehr daran glaubte, dass irgendetwas den Menschen vor dem retten könne, was er anrichtet.

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