Protest-Meditation

M. Steingass —  26.8.13

Immerhin hat die Deutsche Buddhistische Union (DBU) jetzt, im Zuge des Skandals um den flachgelegten Buddha vom Münchner Viktualienmarkt, die so genannte Protest-Meditation erfunden. Eine mutige Innovation in einer Zeit, in der der normierte und transparente Bürger ängstlich bestrebt ist bloss nix falsch zu machen.

Herbert Huschka, unterwegs im geheimen Auftrag seiner Majestät der DBU und seines Zeichens Protestmeditationsleiter, empfiehlt bei zukünftigen künstlerischen Aktionen, die die Vergartenzwergung des deutschen Buddhismus zum Thema haben, „ein Etikett dranzumachen„. Dann könne man den Buddha stehen lassen,  ein umgelegter sondere nämlich „negative Energie“ ab (in welchem Bereich der Energiewirtschaft Huschka zu Hause ist, war nicht in Erfahrung zu bringen. Vermutlich kommt er von der quantentheoretischen Fakultät und hat auch schon vom Doppelspaltexperiment gehört, demzufolge angeblich das Ergebnis der Beobachtung durch den Beobachter selbst bestimmt wird – was selbstverständlich nicht für die DBU und den Buddha vom Viktualienmarkt gilt).

Ein Etikett zur Warnung vor buddhistischem Kitsch, wie Huschka meint, ist aber gar nicht notwendig. Bekanntlich ist die Buddhafigur an sich – ganz & gar im hier & jetzt – das Emblem für Kitsch und hat inzwischen den klassischen spiessbürgerlichen Gartenzwerg, der ja auch aus dem Säxischm kommt, im Vorgarten vollständig abgelöst. Wir wissen heute: Wo Buddhismus drauf steht, da ist Kitsch drin. Eines Etikettes bedarf es da nicht. Niemand braucht ein Etikett für ein Etikett – ausser die DBU natürlich, der diese Vergartenzwergung bisher entgangen ist.

Allerdings sollte man die innovative Protest-Meditation der DBU unbedingt staatlicherseits fördern. Dabei wäre ein Etikett dann doch notwendig. Jeder Protest-Meditierende sollte ein deutlich sichtbares Schild tragen:

Protest Meditation – Made by DBU

Möglicherweise könnte das auch als künstlerisches Projekt gefördert werden. Man könnte, um dem Ganzen eine gewisse Pointe zu verleihen, vor einem riesigen umgekippten Gartenzwerg protest-meditieren auf dem deutlich sichtbar eingraviert wäre:  Made in Bodh Gaya.  So käme die DBU zwar immer noch nicht an die heiss begehrten Töpfe mit den Geldern für Körperschaften des öffentlichen Rechts, aber ein bisschen was würde endlich rumkommen.

Die Begründung der Forderung zur Förderung durch öffentliche Gelder ergibt sich wie folgt: Es ist nicht ohne weiteres ersichtlich, ob es sich beim protest-meditierenden Buddhisten um Parodie oder Ernst handelt. Es entsteht für das Publikum dabei also die Frage, ob die Protest-Meditation authentischer Blödsinn oder blödsinnige Buddhismus-Inkulturation ist? Die DBU würde auf diese Weise, als lebendige Installation der Frage nach dem Sinn ihres Tuns, einen Bildungsauftrag erfüllen: Wenn sie selbst schon nicht nachdenkt, bringt sie doch das Publikum dazu.

Durch diesen Akt des reinen, gedankenlosen und völlig egobefreiten Tuns würde die DBU endlich ihrem Anspruch gerecht werden, wirklich buddhistisches Gedankengut in die Öffentlichkeit zu tragen. Des Weiteren könnte die DBU ihr unentscheidbar zwischen Parodie und heiligem Ernst changierendem Auftreten gleichsam als Koan an den Mann bringen. Damit würde sie zugleich mit der Fragwürdigkeit ihrer Existenz noch eine großartigen didaktischen Trick des traditionellen Buddhismus illustrieren.

Die DBU würde also mehrere Fliegen mit eine Klappe schlagen: Endlich kommt etwas Kohle in die Kasse und wer die DBU bisher nur für eine Parodie hielt, kann ihr nun auch etwas Ernstes abgewinnen. Last but not least macht sie der deutschen Öffentlichkeit mit einem Schlag klar, wie man die völlige Sinnfreiheit einer Institution tatsächlich zur Erleuchtung des Publikums nutzen kann.

5 Antworten zu Protest-Meditation

  1. 

    Also ganz ehrlich, jetzt hebt es ins Lächerliche ab! Die DBU sollte einen goldenen Kasten bauen, und mit kleinen oder großen Energiezeichen bemalen und über den liegenden Buddha stülpen, damit er sich wieder energetisiert… Dann noch einen Bhikkhu davor setzten und Spenden sammeln, damit sie genug Leute zusammen bekommen, die den armen Buddha wieder aufstellen.

    Und wenn er steht, sollte man ihn taufen und einen neuen energetisch reinen Namen verpassen, als Zeichen für eine neue deutsche buddhistische Bewegung…

    Grüße von Jo

  2. 

    Ist den über das genaue Energie-Kalkül etwas bekannt? Also könnte man nicht zum Beispiel die Protest-Meditierer einige Grad in entgegengesetzte Richtung ankippen, so dass sich das in der Summ (die sind ja mehrere) wieder ausgleicht? Ich wäre in dem Fall bereit meinen Sitzkeil kostenfrei zur Verfügung zu stellen (allerdings nur wenn man mir garantiert dass ein ernsthaft Praktizierender Buddhist darauf Platz nimmt, sonst kommt bei mir ja kein gutes Karma an). Man müsste sich da halt seitlich draufsetzen damit es funktioniert.

    Aber mal im Ernst. Hier wird die tiefere Dimension des Protests völlig verkannt:

    1. Die DBU engagiert sich politisch. Sie prangert Missstände an (oder das was sie dafür hält) und tut in einer öffentlichen Aktion etwas dagegen. Die DBU hat sich also von einem Vertreter des Wohlfühl-Buddhismus zu einer politisch aktiven Organisation weiterentwickelt. Klar, an der Feinabstimmung was die Aktionsform und den Gegenstand des Protestes angeht hakt es noch etwas, aber man wird sein Karma halt nicht so schnell los, ne?

    2. Authentizität. Oft genug kann man dem Buddhismus im Westen vorwerfen eine verwässerte Form des asiatischen Buddhismus zu sein, der mehr Aspekte einer christlich-aufgeklärten Weltanschauung enthält als sonst es was. In ihrem Beleidigtsein, ihrer Form der Intoleranz der Kunst gegenüber und der völligen Humorlosigkeit stehen die Buddhisten in München allerdings voll und ganz in der Tradition des Buddhismus in Asien.

    3. Gelebte Leerheit: Mit dem Satz „Man könnte ein Etikett dranmachen oder eine Gravur an anderer Stelle […]“ bezieht sich Huschka doch ganz klar, auf die konventionelle Natur aller Phänomene, wie sie Nagarjuna beschreibt. Die Buddha-Statue selbst ist leer (hat keine Essenz) und ihre Wirkung wird daher bestimmt durch die Zuschreibungen (konventionelle Realität), die wie ihr verordnen (Etikett!).

    Also ich finds gut. Ehrlich!

  3. 

    Bezüglich des Sitzkeils könnte man bei der DBU eine Eingabe machen. Vielleicht ein offener Brief. Thema: Eine ganz schräge Art der Meditation. Sozusagen Protest-Meditation².

    Über das Energiekalkül ist leider gar nichts bekannt. Offensichtlich hat es die DBU-Protestmeditationsleitung sträflicher Weise in ihrer bundesweit verschickten Pressmitteilung unterlassen, darüber genaue Angaben zu machen.

    Die anderen Punkte die du erwähnst habe ich zum Teil so nicht bedacht. Tatsächlich wandelt sich die DBU womöglich zu einer ernst zu nehmenden politischen Kraft. Sollte da ein Kalkül dahinter stecken? Ein Wolf im Schafspelz der mit einem Mal der allgemeinen Politikverdrossenheit ein Ende setzt indem er der Menschheit endlich den Weg weisst?

    Auch in puncto Authentizität muss ich eingestehen, die DBU bisher völlig falsch eingeschätzt zu haben. Ich sehe schon einen Wahlslogan vor mir:

    Die DBU – Authentische Intoleranz und Humorlosigkeit! Für Deutschland!

    Dazu das passende Portrait – Irgendwer, ist eh egal und austauchbar. Vielleicht Horst Schlämmer?! Der hat ja schon mal kandidiert. Man stelle sich das vor: Horst Schlämmer auf einem Meditationskissen (gelebte Leerheit), wie er davon berichtet, dass ihn dieses süße kleinen Shiatzu-Fräulein im buddhistischen Zentrum nebenan von seinem Hexenschuss befreit habe und wie er nun deswegen in der DBU einen fulminanten Aufstieg hingelegt habe, um – Für Deutschland! – zu kandidieren.

    Horst Schlämmer: Ihr Kanzlerkandidat der DBU!

    Horst Schlämmer hat schon unter Beweis gestellt, dass er christliches Gedankengut sehr gut an den Mann bringen kann. Warum nicht auch den Palikanon? Oder was Erbauliches vom Dalai Lama? Einen Zen-Witz? Irgendwas über einarmige Klatschende…

    Bezüglich Etikett. Horst Schlämmer könnte als DBU-Kanzler der Bundesrepublik dann natürlich entsprechende legislative Verfahren einleiten: Alle Buddhas müssen Etiketten tragen. „Dies ist ein Gartenzwerg“ für wasserspeiende Buddhas im Vorgarten. Und „Dies ist ein Etikett“ für alle Buddhas in buddhistischen Tempeln – damit sie als Etikett Buddhisten besser kenntlich machen.

    Da tun sich wahnsinnige Möglichkeiten auf.

    Danke für deinen Beitrag. Das bringt uns endlich voran.

  4. 

    Vergesst Horst Schlemmer! Einmal „Buddha rollen“ mit Johanna aka Jo!

    Was die Buddhastatur betrifft, die sollte man sich ruhig auch aufs Klo stellen. Wenn man selber sitzt und sie anblickt, dann blickt man dabei nur sich selbst an. Das errinert uns daran, dass unsere Buddha-Natur exitiert, auch wenn wir auf dem Klo sitzten oder im Garten arbeiten. Und das würde Horst Schlemmer als zukünftiger DBU Kanzler auch nicht ändern können! :) Gelebte Leerheit – der Brüller!

    Das sich Menschen, die Statur in den Garten setzen, bedeutet doch nur, dass sie endich Frieden dort haben wollten. Der ewige Gartenzwerg Krieg, bis hin zum umkippen dieser Geschöpfe war einfach zu viel. Da musste allerding ein Han Chong aus Vietnam kommen, um uns daran zu errinern, dass es der Buddha Statur auch nicht besser ergehen wird. Da hilft nur noch anketten- vielleicht sogar in Beton einspannen.

    Kunst ist Kunst und die muss bleiben! Das kann der DBUler nunmal nicht revolutionieren. Die Frage hier ist doch nicht: Warum hat Herr Chong uns das angetan? Sondern, wie können wir das das überwinden? Ganz im Sinne von Thích Nhất Hạnh.

    Liebe Grüße, Wasana

  5. 

    ;) Ich halte demnächst extra für euch ein Seminar ab mit dem Titel: Wie kann ich es schaffen, das mein Buddha NICHT von den Katzen angenagt wird?

    So gesehen, alles eine Betrachtungsweise… der wirft den riesen Buddha um, um Aufmerksamkeit zu erhaschen, der andere schafft sich im Laufe einer kleinen Zeit 11 Katzen an, die machen machen das dann ganz von alleine… Roll Roll…
    Grüße von der Jo