NON-LINE

M. Steingass —  14.3.15

Clicks and Cuts 01

Sind es längst zerstreute Wirkungen? Die Kategorie Ich als kapitaler Betrug? Der Mensch hat doch gleich mit seinem Auftauchen vor 200 Jahren seine eigene Zersetzung eingeleitet. Als ob er erschienen wäre, um sein eigenes Verschwinden zu dokumentieren. Mit einer Sintflut an Desillusionierungen. Ich ist nicht, kein anderer. Höchstens ein Effekt. Umgeben von opaken Gespinsten apersonaler Neurologien. Folge unverständlicher Sprachen. MenschSynapse. Chemoelektrisch-endokrine Schaltstelle der Vermittlung maschinener Funktionen. Produkt eines unlesbaren Planes. Konturiert von einem Imaginären, das seine Affekte ausbeutet. Asylant im Phantasma der Individualität. Vollständig quantifizierter Verbraucher im Modus eines infiniten Erregungs- und Entladungszyklus. Der Mensch ist verschwunden und das Resultat ist die Bestimmung einer Macht, die als Gegenüber eines Diskurses unsichtbar und aus dem Universum symbolischer Verständlichkeit verschwunden ist.

Was also? Immer noch so tun als ob? Als ob nichts zur Konsequenz zwänge? Da doch die Kausalität selbst in die Krise gerät. Wenn allein die Kontingenz bleibt. Was dann? Wie handeln, wenn jede Kategorie fraglich wird? Wenn die Macht jede Kreation aufsaugt und normalisiert und jeden Exzess limitiert? Welches Denken, Ereignis, Tun? Wenn der Mensch verschwindet, dann ist der Reflex, der Affekt, selbst die Erfahrung tot. Dann muss das Gleichheitszeichen gelöscht werden. Das Transzendentale mit seinen ewigen Wechselkursen. Die Welt als Produkt und Monopol philosophischer Währungen. Gehandelt vom Politiker, Ökonomen, Künstler, dem Verbraucher. Obwohl das Zerstreute längst real ist und der Händler schillernder Effekt einer Blase. Auf einer end- und zeitlosen Oberfläche x-beliebiger Referenzpunkte. Während den Raum längst andere Linien durchqueren. Linien die vielfach jede Person durchdringen – Kategorien, Klassen, Kulturen, Fremdes mit Fremden.

Dieses Dividuum sprengt den Ausdruck. Die Repräsentation bricht zusammen. Sie kann nicht ihre Vorstellung sein. Personen finden nicht mehr entlang von Gruppe, Klasse, Organisation, Partei zusammen. Die Frage ist: wie sonst? Oder: ob überhaupt? Kann die eine Person entlang dieser Non-Line die andere überhaupt noch erkennen? Muss sie das? Kann sie das? Nein. Das ist der Freiraum. Die Person ist X als Bedingung ihrer Möglichkeit. Das was sie ausmacht kann nicht sie sein. Sie wird fremd und frei. Nicht. Non-Line.