Buddhismus Aktuell 1/2016: Achtsamkeit – einige weitere Anmerkungen

M. Steingass —  28.2.16

Zusätzlich zu dem was ich kürzlich zum Themenheft Achtsamkeit der Zeitschrift Buddhismus aktuell 1/2016 geschrieben habe, einige kurze weitere Anmerkungen.

Ideengeschichte und Archäologie des Begriffs Achtsamkeit

Der Begriff Achtsamkeit ist nicht vom Himmel gefallen. Er hat eine Geschichte. Man kann diesen Begriff nicht kritiklos nutzen, ohne sich darüber Klarheit zu verschaffen, welche Strukturen dieser Begriff im Denken prägt. Man müsste hier eine Ideengeschichte im Sinne von Charles Taylor und eine Archäologie im Sinne von Michel Foucault entwickeln, um zu verstehen, was dieser Begriff mit sich bringt. Zur Geschichte dieses Begriffs ein Beispiel: Bis in die 1960er und 70er Jahre hat das was man heute Achtsamkeit nennt im deutschsprachigen Buddhismus keine Rolle gespielt. Der damalige Buddhismus baute wesentlich auf Arbeiten von Pionieren wie Nyanatiloka auf, war stark am so genanten Theravada orientiert und war in seiner Ethik viel eher an einem protestantischen Erbe, verbunden mit einem gewissen Arbeitsethos, orientiert, als an einem romantischen, welches auf Verinnerlichung zielt, bzw. auf eine Ästhetik der Empfindsamkeit. Erst mit dem Auftreten der Tibeter in der Diaspora kommt diese zweite, romantische Spur zum tragen. Erst hier, mit Exponenten wie dem Dalai Lama oder Think Not Hanh, einem weiteren buddhistischen Heimatvertriebenen, kommt die ‚Meditation‘ und mit ihr, mit Leuten wie Jon Kabat-Zinn, die Achtsamkeit ganz gross raus. Eine wichtige Rolle spielen damals auch die Revolten, die sich grob gesagt in eine politischen und einen spirituellen Arm aufspalteten. Letzterer bewirkte eine Neuorientierung des Buddhismus im Westen, die zum grossen Teil von den importierten Meditationstechniken aus dem Osten getragen wird. Der letzte Grad dieser Entwicklung ist die jetzige Achtsamkeitsmode. Charakteristisch an dieser Entwicklung ist auch, dass diese postmoderne Spiritualität von dem Gedanken einer Ewigen Philosophie getragen wird, deren bekanntester Exponent Ken Wilber ist und dass diese neue Spiritualität ein Amalgam bildet mit einem Denken der neoliberalen Ökonomie und einer immer dichteren Einbindung des Menschen in das Digitale.

Wenn eine durchgängiges Thema ist, dass man sich bei der Achtsamkeit nach innen zu wenden habe, dann muss man fragen woher diese Wendung nach innen kommt und wieso man sie ohne weiteres als maßgeblich ansehen sollte? In der Geschichte europäischen Denkens, kann man diese Wendung nach Innen in einen ganz bestimmten Zusammenhang stellen. Grob skizziert finden wir hier eine Entwicklung vom katholischen Beichtstuhl, in dem man sich noch dem Priester offenbarte, hin zu Luthers erwachendem Gewissen, dem man sich in sich selbst zu stellen hatte, hin zu einer romantischen Sublimierung des christlichen Gottes in die Natur hinein, mit der einhergeht, dass das Wahre in einer Suche im Inneren und dass das Reine und Ursprüngliche in den ältesten Überlieferungen zu finden sei. Dieser letzte Zug wird mit Schopenhauer für den westlichen Buddhismus massgeblich.

Man kann sogar zeigen, dass der Zug in eine Transzendenz, egal ob katholischer Gott, Gewissen, romantische Verinnerlichung oder neospirituelle Achtsamkeit, auf einen Begriff zurück geht, der in der griechischen Antike entwickelt wurde. Es ist schlicht die platonische Idee, das Ideal auf das alles Seiende baut, von der her die Abspaltung einer Entität herrührt, die nicht einer reinen Immanenz zugehörig ist. So gesehen finden wir im westlichen Buddhismus auch nur westliches Denken. So gesehen baut die westliche buddhistische Auffassung von einer Verinnerlichung auf nichts als dem uralten europäischen Seelengedanken auf.

Wurzeln der Achtsamkeit im Buddhismus

Damit besteht bereits genügend Anlass, jede Form von Achtsamkeit genauer auf ihre tatsächliche Herkunft hin zu untersuchen. Das heisst, auf typische westliche Strukturen des Denkens, die diesen Begriff formatieren. Dabei ist dann auch zu untersuchen, ob diese Strukturen eventuell ganz anders geartete Strukturen, die möglicherweise asiatische Buddhismusformen prägten, überlagern.

Obwohl aber diese Fragen nicht geklärt sind, durchzieht Buddhismus aktuell 1/2016 die Behauptung, Achtsamkeit habe genuin buddhistische Wurzeln. (Sehen wir einmal ab von der Problematik, dass wir das was wir „buddhistisch“ nennen einer ebensolchen ideengeschichtlichen und archäologischen Analyse unterziehen müssten wie die Achtsamkeit.) Was stimmt an dieser Behauptung? Ist die Achtsamkeit wirklich ein zentrales Konzept dessen was heute im Westen als Buddhismus bezeichnet wird, wie das Ursuala Richard im Editorial als Allerstes behauptet? Ist das was wir heute als buddhistische Meditation bezeichnen, wirklich eine der Wurzeln fast aller Achtsamkeitsprogramme, wie das beispielsweise der Verleger Lienhard Valentin (Arbor Verlag) im Interview behauptet (vgl. S. 47)?

Im Kontext des oben gesagten muss man das in Zweifel ziehen. Auch wird zum Teil aus den Texten selbst klar, dass das was als genuin buddhistische Achtsamkeit hervorgehoben wird, bei genauerer Betrachtung eher als genuin westlich erscheint.

Dazu folgende Überlegung. Die Neurowissenschaftlerin Britta Hölzel spricht im Interview (S. 29 ff.) von folgenden Ergebnissen der Achtsamkeitsmeditation.

  1. Verbesserung der Aufmerksamkeitsfähigkeit
  2. Veränderung im Umgang mit den eigenen Emotionen
  3. Veränderte Selbstwahrnehmung

Dabei ergibt sich folgende Frage: sind das wirklich Ergebnisse einer genuin buddhistischen Selbsttechnik? Oder handelt es sich nicht vielmehr um allgemein akzeptierte und erwartete Qualitäten, die zu entwickeln uns verschiedene Methoden sozusagen in die Wiege gelegt sind, welche dann in der Verkleidung des Buddhismus aktualisiert werden? Wenn ein Kind beispielsweise bei uns in die Schule kommt, beginnt eine Einübung von ausdauernder Konzentrationsfähigkeit, die auch die Kontrolle von Emotionen mit einbezieht. Beides sind unabdingbare Basisfähigkeiten, die effizientes Lernen ermöglichen. Auch die reflektierte und bewusste Selbstwahrnehmung ist eine europäische Kulturtechnik, die mit der Wahrnehmung und Selbstkontrolle von Emotionen in der Schule beginnt.

Das heisst, man muss auch hier fragen, was wir unter Achtsamkeit wirklich verstehen: eine völlig neue aus dem Buddhismus kommende Methode oder eine, die unter Umständen nur deswegen interessant wird, weil sie in neuer Verpackung  plötzlich interessant aussieht?

Es gibt im Übrigen viele andere Bereiche in denen Formen von Achtsamkeit unabdingbar sind, die uns aber als völlig normal erscheinen und bei denen wir selten auf Idee kämen, die dabei notwendige Aufmerksamkeit als besondere Fähigkeit herauszustellen. Jemandem aufmerksam zuhören, eine Tätigkeit aufmerksam verrichten, auf die Bedürfnisse von anderen Menschen aufmerksam werden, was ist daran so besonderes? Aufmerksamkeit ist eine allgemein geschätzte und häufig sehr notwendige Qualität. Was ist an ihr, dass man sie plötzlich Achtsamkeit nennt und ausstellt, als sei sie gerade erst entdeckt worden?

Wirksamkeit von Achtsamkeitstraining

Was die Wirkungen und Erfolge der speziellen neuen Achtsamkeitstechniken angeht, vor allem der so genannten Achtsamkeitsbasierten Stressreduktion (Mindfulness Based Stress Reduction, MBSR) noch Jon Kabat-Zinn, so gibt es den weit verbreiteten Glauben, diese sei durch „wissenschaftliche Studien“ überzeugend nachgewiesen. Die Wirkungen würden gegen Stress helfen, Schmerz, Depression, Angstzustände usw. Man hält das für gegeben. Im Interview behauptet zum Beispiel der schon erwähnte Verleger Lienhard Valentin, MBSR habe seine Wirksamkeit in der Gesundheitsvorsorge überzeugend nachgewiesen (vgl. S. 46). Allein, das stimmt nicht.

Eine Metastudie publiziert im März 2014 kommt zu einem ganz anderen Ergebnis als dem „überzeugend“ von Lienhard. In dieser Metastudie werden 47 Einzelstudien untersucht und man kommt zu folgendem Fazit:

Achtsamkeitsbasierte Meditationsprogramme erbrachten mäßige Belege für eine Verbesserung bei Angstzuständen, Depression, und Schmerz und geringe Belege für eine Verbesserung bei Lebenssituationen in denen Stress und Notlagen bzw. Probleme der psychischen Gesundheit eine Rolle spielten. Wir fanden geringe oder keine Belege, bzw. ungenügende Belege für jegliche Effekte bei Meditationsprogrammen, die Stimmungsverbesserung, Aufmerksamkeit, Drogengebrauch, Ernährungsgewohnheiten, Schlaf und Gewicht zum Thema hatten. Wir fanden keine Belege dafür, dass Meditationsprogramme besser als beliebige andere Formen aktiver Behandlung waren (z.B. Medikamente, Sport und andere Verhaltenstherapien). (Meine Übersetzung, meine Hervorhebung)

Falls es entgegen diesem Befund Studien geben sollte, die anderes finden, so stehen MBSR-Protagonisten wie Lienhard – die noch dazu ein wirtschaftliches Interesse haben – in der Schuld, den Nachweis für ihre Aussagen zu führen. Und ganz allgemein sollte man fordern, dass Buddhisten damit aufhören, ständig von wissenschaftlichen Belegen zu sprechen wenn sie diese nicht anführen können.

Anders als Lienhard übrigens Britta Hölzel. Sie weisst auf die Probleme hin, denen man bei Studien zur Achtsamkeits- und Meditationsforschung begegnet. Vor allem Mönche die jahrelangen Meditationspraxen nachgehen, könne man nicht wirklich sicher mit Nicht-Meditierenden vergleichen, ohne mögliche andere Ursachen jeweiliger Unterschiede zu übersehen (Lebensweise, Kultur, Umgebung etc.). Mann greife daher in den Studien auf kürzere Achtsamkeitsprogramme zurück, in dene man Vergleichsgruppen besser kontrollieren könne. (Wobei gerade die es sind, die in oben erwähnter Metastudie keine Evidenzen für Wirksamkeit zeigen.) Im gleichen Abschnitt geht sie aber auch auf das ein, was den eigentlichen Unterschied ausmachen könnte – d.h. beispielsweise zwischen Leuten die mit Stress jeglicher Form jeweils besser oder schlechter umgehen können.

Die Meditationsforschung ist sich aber durchaus darüber bewusst, dass die Intention, die der Praxis zugrunde liegt, eine wesentlichen Einfluss spielt. (S. 31; meine Hervorhebung)

Wenn die Intention der Probanden eine so wichtige Rolle spielt, wie will man eine Wirkung – die sich im Einzelfall durchaus ergibt – sicher auf eine MBSR- oder sonstige Übung zurück führen, ohne den möglichen Einfluss der Intention zu vernachlässigen? Man hat es hier mit dem Placeboproblem zu tun. Die erwähnte Studie dazu:

Eine aufschlussreiche Analogie [in Bezug auf dieses Problem] ist die Nutzung von Placebos in pharmazeutischen Versuchsreihen. Ein Placebo ist typischerweise so entworfen, dass er die nicht-spezifischen Aspekte der „aktiven“ Einflussname nachbildet, und so die selben Erfolgserwartungen bei Arzt und Patient hervorruft, obwohl das aktive Wirkstoff fehlt.

Die Erwartung, die Intention, oder sogar die Gewissheit eines Patienten oder Meditierenden, mit bestimmten Medikamenten oder Verhaltensweisen eine Veränderung im eigenen Sein herbeizuführen, kann eine wesentliche Rolle bei dieser Veränderung spielen – selbst wenn objektiv gesehen überhaupt keine Wirkstoff vorhanden ist. (Einen schlagenden Beleg dafür, dass tibetischen Buddhisten dieser Zusammenhang – anders als heutigen Buddhisten – bekannt war, bietet die berühmte Anekdote Vom Zahn des Erwachtendie Dza Patrul Rinpoche zugeschrieben wird.) Hier zeigt sich ein methodisches Problem an dem viele Achtsamkeitsstudien kranken: Selbst schon die Intention, MBSR oder eine andere Meditation zu betreiben um mit einer schwierigen Situation fertig zu werden, kann helfen. Das heisst aber: man kann auch jemandem suggerieren, dass es hilfreich ist, Bäume zu umarmen oder mit Bachs Air im Kopfhörer einen Spaziergang im Park zu machen

Wozu also Buddhismus?

Bei allen drei Punkten wird nicht klar, in wie weit es sich um Buddhismus oder buddhistische Praktiken handeln sollte. In jedem Punkt wird aber deutlich, dass wir es mit Dingen zu tun haben, die uns, bei Licht betrachtet, wohl bekannt sind. Darüber hinaus wird beim letzten Punkt auch deutlich, dass die eigentlich wichtige Fragestellung durch das angeblich Buddhistische verschleiert wird.

  1. Die starke Gewichtung so genannter buddhistischer Meditationsformen im Rahmen vermeintlich buddhistischer Philosophien im Westen ist eine Entwicklung der letzen 50 Jahre. Ob diese Gewichtung mit klassischen Formen des Buddhismus in Übereinstimmung zu bringen ist, wird nicht thematisiert. Zu vermuten ist allerdings, das es sich hier um eine Form romantischer Verinnerlichung handelt, die ein Echo früherer westlicher Epochen darstellt.
  2. In wie weit die heute praktizierte Achtsamkeit etwas genuin buddhistisches ist, bleibt unklar. Ihre Formen und Ergebnisse fallen keineswegs aus dem Rahmen dessen, was auch sonstwo in unserer Kultur erwartet und praktiziert wird. Es ist daher zu vermuten, dass hier nicht buddhistische Achtsamkeit praktiziert wird, sondern westliche Kulturtechniken angewendet werden, die in neuer Verpackung plötzlich interessant wirken.
  3. Wenn es bei Untersuchungen über Achtsamkeitspraktiken zu positiven Ergebnissen kommt, ist nicht klar, ob sie Wirkung dieser Praktiken sind oder auf andere Ursachen zurück gehen. Fakt ist, dass Metastudien, die grossen Zahlen an Probanden untersuchen, die also eine Quetschnitt über alle Anwender anzeigen, keine Evidenzen für die Wirksamkeit insbesondere von MBSR zeigen. Durch die mechanistische Anwendung verschiedener Meditationspraktiken wird die eigentlich wichtige Frage nach dem Wirkmechanismus bei eventuellen Erfolgen verschleiert.

Fazit: Dadurch dass Selbsttechniken, die in unserer Kultur entstanden und weit verbreitet sind, als buddhistisch ausgegeben werden, findet eher eine Verschleierung als eine Klärung statt. D.h. diese Form von Buddhismus wirkt einer Aufklärung und (Selbst)Befreiung eher entgegen als sie zu fördern. Die Gründe dafür muss man in einem mangelhaften Bewusstsein davon sehen, was das bedingte Entstehen des Buddhismus im Westen ausmacht – das heisst schlicht: in mangelhaften geschichtlichen Bewusstsein. Weiter ist eine wesentliche Motivation dafür Achtsamkeit als spezifisch buddhistisch auszugeben, vermutlich darin zu sehen, dass mit dieser Neuverpackung finanzieller Profit gemacht werden kann. Der (narzisstische) Distinktionsgewinn für diejenigen, die vermeintlich über Achtsamkeit besonders gut Bescheid wissen, dürfte auch nicht zu vernachlässigen sein.

Wozu also Buddhismus? Wenn wir einfach so aufmerksamer werden können, wenn wir durch moderate sportliche Betätigung und vernünftiges Essen unsere Befindlichkeit verbessern können, wenn wir uns selbst mässigen können, wenn wir uns motivieren können, mehr darüber herauszufinden, was uns zu dem macht was wir sind – um in der Folge vielleicht sogar daran zu gehen, das was uns macht, zu ändern –, warum dann nicht das tun, statt zum Buddhist zu werden?

4 responses to Buddhismus Aktuell 1/2016: Achtsamkeit – einige weitere Anmerkungen

  1. 

    Ja, eh. Und wer macht das, wenn einem die Werbung ständig eintrichtert, man solle für irgendwas Geld ausgeben, damit man zufriedener, gesünder oder hübscher wird? Was auch immer du unter Buddhismus zu verstehen glaubst, ist nicht unbedingt nötig. Es kann aber hilfreich sein, aber vieles Anderes auch. In der buddh. Lehre sind viele Weisheiten enthalten und sie sind tatsächlich einfacher zu verstehen als zB. die Bibel. Was spricht dagegen sein Leben und Weltbild damit metaphorisch zu bereichern?
    Dass es unter dem Deckmantel auch viel Schundluder getrieben wird, ist klar, hält aber auch nicht einer buddh. philosophischen Prüfung stand, was nicht heißt, dass nicht viele Leute ihr Geld daran verschwenden.
    MfG toe

  2. 

    Hi, toe. Thx für deinen Kommentar. Es geht hier primär um eine Kritik am Organ der DBU – der Deutschen Buddhistischen Union – nicht um Kritik an dem was einzelne Personen oder kleine Gruppen tun. Buddhismus aktuell ist das Sprachrohr der DBU und nimmt von daher für sich in Anspruch, für viele deutsche Buddhisten zu sprechen. Wenn in den entsprechenden Publikationen Widersprüche und Ungereimtheiten auffallen, sollten die, im Sinne eine allgemeinen gut informierten Meinungsbildung, kritisch betrachtet werden. Das ist die Absicht hier.

  3. 

    Danke für die Klarstellung.
    MfG toe

  4. 

    Ich habe in obigem Artikel in der Schlussbetrachtung geschrieben, dass bei den kritisierten drei Punkten – starke Gewichtung der Meditation im westlichen Buddhismus, Fraglichkeit der Herkunft von Achtsamkeit im asiatischen Buddhismus, Fraglichkeit der Wirksamkeit von Achtsamkeit – nicht klar wird, was sie mit asiatischem Buddhismus zu tun haben sollen. Auf dem englischsprachigen Blog Speculative Non-Buddhism ist ein Artikel zu lesen – Notes Towards a Coming Backlash von Per Drougge* –, der besonders in Hinsicht auf die Fraglichkeit der Herkunft von Achtsamkeit aus dem asiatischen Buddhismus einige wichtige Quellen anführt. U.a. handelt es sich um zwei auch online zugängliche Texte von Robert Sharf: Is mindfulness Buddhist? (and why it matters) und Mindfulness and Mindlessness in early Chan.

    Ich zitiere aus Is mindfulness Buddhist? (and why it matters):

    Was die moderne Auffassung von Achtsamkeit und ihr Vorkommen im vormodernen Asien angeht, ist zu sagen, dass sie eine Minderheitenposition war, die sich zudem nicht unerheblicher Kritik aus traditionellen Kreisen ausgesetzt sah. […] Wir hören z.B. den Vorwurf, dass solche Praktiken vorübergehende Zustände statt langfristiger Veränderungen betonen, dass sie nicht den Nutzen bringen den sie versprechen, dass sie eher hinduistisch als buddhistisch sind und dass ihre Betonung des Vorranges von innerer Ruhe bei gleichzeitiger Abwesenheit einer kritischen intellektuellen Auseinandersetzung mit den Lehren, zu einem paralysierenden Zustand der Selbstversunkenheit führen kann, der ostasiatischen Buddhisten seit langem als „Meditationskrankheit“ bekannt ist. (S. 479; meine Übersetzung)

    * vgl. auch Patrick Jennings Bemerkungen zu dem Artikel auf The Non-Buddhist.