Der wahre Buddhismus existiert nicht. Er ist eine Fata Morgana. Ein vermeintlicher Rettungsanker in einem leeren All, auf dieser kleinen Insel, in diesen fragilen Körpern, in unseren Geistern, die so leicht wie ein Blatt von den Zufälligkeiten der Meinung mal hier hin und mal dorthin getrieben werden. Der wahre Buddhismus, man schaue sich um, blüht überall. Man sehe sich die Lehrer an, zu denen man geht. Sind diese Lehrer nicht auch einfach Menschen? Ebenso fragil wie jeder von uns. Verstehen sie wirklich was vor sich geht?
Archive für 30.11.99
Kategorie deutsche Texte
Das alles überragende Ziel des Buddhismus ist es jegliches Leiden zu beenden. Gibt es nur ein einziges Wesen, das um alle Ursachen und Wirkungen weiß, ist es, buddhistisch gesehen, per Definition dazu verpflichtet Anderen ebenfalls zum Ende ihrer Leiden zu verhelfen – d.h. zu ihrer Erleuchtung. Diese dann wiederum müßen dasselbe tun. Sie verhelfen ebenfalls noch Unerleuchteten zur Erleuchtung. Dadurch entsteht eine sich exponentiell vergrößernde Zahl an Erleuchteten. Dem gegenüber nimmt die Zahl der Unerleuchteten mit zunehmender Geschwindigkeit ab. Es ist klar, daß für Letztere irgendwann der Wert Null eintritt. Es ist daher möglich die Existenz eines im buddhistischen Sinne erleuchteten Wesens als widerlegt zu betrachten, wenn innerhalb eines endlichen Zeitraumes keine Erleuchtung eintritt. Da ein erleuchtetes Wesen alle Wirkungen kennt, sollte es auch diejenigen Ursachen kennen die zur Erleuchtung aller Wesen innert kürzester Zeit führen, da es keinen Grund geben kann Wesen länger als notwendig leiden zu lassen. Demnach tendiert der Wert für die Zeit bis zur Erleuchtung gegen den Limes „Jetzt“. Daraus folgt, daß die Erleuchtung aller Wesen schon eingetreten sein muß oder im nächsten Augenblick eintreten wird. Geschieht dies nicht, ist die Existenz eines erleuchteten Wesens widerlegt.
Ein Mann hatte sich einmal unter einen Baum gesetzt und lange nachgedacht, so geht die Geschichte, und dann ist ihm ein Gedanke von großer Tragweite gekommen. Er hat ihn seinen Kollegen erzählt, und die fanden seinen Gedanken höchst anregend. Es erschien ihnen, als hätte er den Nagel auf den Kopf getroffen. Nach dem der Man gestorben war, er hatte seinen Gedanken noch häufig erläutert, immer unter anderen Voraussetzungen, immer daran denkend, die Sprache derer zu sprechen mit denen er sprach, nachdem er also gestorben war, erzählte man sich noch viele Jahre lang seine Geschichte und seinen Gedanken.

