Archive für NON

NON-LINE

M. Steingass —  14.3.15

Clicks and Cuts 01

Sind es längst zerstreute Wirkungen? Die Kategorie Ich als kapitaler Betrug? Der Mensch hat doch gleich mit seinem Auftauchen vor 200 Jahren seine eigene Zersetzung eingeleitet. Als ob er erschienen wäre, um sein eigenes Verschwinden zu dokumentieren. Mit einer Sintflut an Desillusionierungen. Ich ist nicht, kein anderer. Höchstens ein Effekt. Umgeben von opaken Gespinsten apersonaler Neurologien. Folge unverständlicher Sprachen. MenschSynapse. Chemoelektrisch-endokrine Schaltstelle der Vermittlung maschinener Funktionen. Produkt eines unlesbaren Planes. Konturiert von einem Imaginären, das seine Affekte ausbeutet. Asylant im Phantasma der Individualität. Vollständig quantifizierter Verbraucher im Modus eines infiniten Erregungs- und Entladungszyklus. Der Mensch ist verschwunden und das Resultat ist die Bestimmung einer Macht, die als Gegenüber eines Diskurses unsichtbar und aus dem Universum symbolischer Verständlichkeit verschwunden ist.

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Vom Kitsch der Erleuchteten wurde am 4.2.15 im Rahmen der HALKYONISCHEN ASSOZIATION FÜR RADIKALE PHILOSOPHIE als Vortrag im Frankfurter SIKS e.V. gehalten.

Der Vortrag verfolgt im Wesentlichen drei Spuren:

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Meditation

M. Steingass —  5.2.15

Das Thema Meditation flammt ja immer wieder auf auf diesem Blog und ist auch sonst für viele Leute von Interesse, die sich nicht unbedingt für Buddhismus interessieren. Um dazu mal kurz und eindeutig Stellung zu nehmen.

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Man könnte natürlich auch Geschichte denken: Kausalitäten / Denn seit jeher wurzelt im Glaube der Mord / Und in der gnadenlosen Seuche der Ausbeutung / Die Anderen waren darin nie Mensch

Das kreisförmige Denken setzt sich selbst / Und es ist Gewalt

Die Tagesthemen sind Fetzen / Sie haben nichts zu schaffen mit den Anderen / Und in letzter Instanz, das Kapital nichts mit den Opfern

die vergessen, sofort vergessen, hinabsinken an den Grund / Im schwarzen Fluss der Geschichte

So habe ich gehört, es war einmal und der Erhabene sagte dies:

„Ihr Mönche, dies ist der direkte Weg zur Läuterung der Wesen, zur Überwindung von Kummer und Wehklage, zur Beendigung der Verwirrung, zur Erlangung der richtigen Methode, zur Verwirklichung der Freiheit: Vier Mal SATI.

Im ersten SATI ihr Mönche verweilt der Mönch hinsichtlich des Körpers den Körper betrachtend, unermüdlich, wissensklar und achtsam, frei von Verlangen und Betrübtheit hinsichtlich der Welt. So betrachtet er, wie er zum Leichnam wird, auch er, unweigerlich, ein Entstehen und Vergehen.

So betrachtet er einen Leichnam hingeworfen auf ein Leichenfeld. Aufgebläht, gedunsen, verfärbt, mit drallen Titten und dickem Hintern, die Popdiva, verkauft und verhökert für ein Geträller über den Miasmen in denen sich Krähen, Falken, Geier, Hunde, Schakale und die Würmer laben. So ihr Mönche verweilt der Mönch hinsichtlich des Körpers, den Körper betrachtend, unermüdlich, wissensklar und achtsam, frei von Verlangen und Betrübtheit hinsichtlich der Welt.

Er betrachtet den lebend begrabenen kleinen Mann von nebenan mit seinen kleinen, normierten Rassismen. Am Tropf des Kredits, in seinem Reihenhaus, mit Frau und Kind und ohne Aussicht. Ein Skelett zusammengehalten von falschen Versprechen. So ihr Mönche verweilt der Mönch… usw.

Er betrachtet den dreisten Bonzen von der Bank in seinem gepanzerten SUV. Ein Skelett, durchtrainierte Muskelfetzen, zusammen gehalten von falschen Versprechen. So ihr Mönche verweilt der Mönch…

Er betrachtet den Politakrobaten mit seiner Rhetorik. Ein Skelett von Worthülsen. Blutbeschmiert, zusammen gehalten von falschen Versprechen. So ihr Mönche verweilt der Mönch…

Er betrachtet den CEO der emsig Wasser, Luft, Sonne, Alles zu Geld macht. Ein Skelett, blutleer, ausgehöhlt, zusammen gehalten von falschen Versprechen. So ihr Mönche verweilt der Mönch…

Er betrachtet den Mörder in Uniform, den Tod am Joystick, die Knochen seiner Opfer in alle Richtungen zerstreuend. Von keinem Versprechen mehr gehalten.

Er betrachtet den Harzer vor’m Fernseh mit ’ner Tüte Chips und Cola. Weiß gebleicht vom Siechtum im Halbgrau. Kein Versprechen, keine Hoffnung, Ausschuss.

Er betrachtet die, die versuchten zu flüchten. Morsche Leiber und dann Staub.

Er betrachtet den uniformierten Heiligen dem all dies eine Meditation.

So ihr Mönche verweilt der Mönch hinsichtlich des Körpers, den Körper betrachtend, unermüdlich, wissensklar und achtsam, frei von Verlangen und Betrübtheit hinsichtlich der Welt. Und er vergleicht ebendiesen seinen Körper damit: Auch dieser Körper ist von der selben Art, so war er, so wird er sein, er ist von diesem Schicksal nicht ausgenommen.“