Bin ich Buddhist? Und was hat Shimano damit zu tun?

M. Steingass —  23.12.13

Gerade wurde ich gefragt, ob ich Buddhist bin?

Ich bin sicher kein Buddhist. Was ich auf diesem Blog bisher geschrieben habe, ist Buddhismuskritik. Man wird das schnell merken, wenn man sich die Mühe macht ein wenig zu lesen.

Die Frage hat aber einen Zusammenhang mit der Rekalibrierung dieses Blogs. Ich habe das schon im vorherigen Beitrag im Oktober umrissen. Man kann die Neuausrichtung ganz kurz wie folgt beschreiben: Es wird hier in Zukunft keine Diskussionen mehr mit dem Buddhismus geben sondern über ihn. Es wird um den Buddhismus (im ‚Westen‘) als kulturelles und geschichtliches Phänomen gehen.

Die Diskussion mit dem Buddhismus und mit (westlichen) Buddhisten führt leider sehr sehr häufig zu Verkürzungen wie in der Frage oben von Georgias. Oft sind es auch einfach Begriffsspielchen, die da betrieben werden. Spiele die vernebeln was deutlich werden sollte.

Der Begriff „Der Unbuddhist“ ist nicht durch Streichung des „Un“ auf Buddhismus zu reduzieren. Der Unsinn daran wird schon deutlich, wenn das Gleiche mit anderen Begriffen versucht wird die mit der Vorsilbe „Un“ ausgestattet sind. Unglücklich, ungeschickt, unwahr, unmöglich usw.

Der Begriff Unbuddhist ist nicht einfach eine semantische Einheit die durch Streichung eines Partikels auf eine andere reduziert werden kann. Das geht mit keinem Begriff. Im Prinzip ist sowas eine Kategorienverwechslung bei der eine lexikalische Einheit, eine Definition à la Duden, mit einem Sachverhalt verwechselt wird. Der Sachverhalt um den es hier geht ist Buddhismuskritik. Und man kann die Kritik selber auch nicht auf die vulgärpsychologische Art reduzieren, der Kritiker habe irgendwie ein Problem mit dem was er kritisiert.

Zu all dem habe ich in Texten und Kommentaren vielfach geschrieben und es macht schlicht und ergreifend keinen Spaß, jedes mal wieder bei Null anzufangen. Deshalb wird es diese Sorte von Diskussion mit Buddhisten hier nicht mehr geben.

Natürlich heisst das nicht, dass es keine Diskussion mit Buddhisten mehr geben wird. Nur wird der Buddhist seine eigene Position reflektieren müssen, wenn er diskutieren will. Er wird etwas riskieren müssen. Und er wird sich mit dem beschäftigen müssen, was hier thematisiert wird.

Was das Über angeht, so wird es, wie im letzten Post gesagt, drei Kategorien geben.

  1. Non
  2. Kritik
  3. Heuristik

Das Non wird zunächst eine Art Dekonstruktion sein. Die Dekonstruktion westlicher buddhistischer Folklore. Ob es irgend wann zu einem wirklichen Non im Sinne Laruelles kommt, wird sich zeigen.

Kritik wird sich weiterhin mit zeitgenössischen Erscheinungen des westlichen Buddhismus befassen.

Die Heuristik wird Übersetzungen von Glenn Wallis Speculative Non-Buddhism: X-buddhist Hallucination and its Decimation beinhalten (erschienen in Cruel Theory | Sublime Practice).

Diskussionen werde ich hauptsächlich nur noch unter der Kategorie Kritik ermöglichen. Unter Heuristik gar nicht und unter Non partiell.

Der Fall Shimano

Der nächste Text erscheint in ein paar Tagen unter Kritik: Der Fall Shimano. Die Sache ist in Hinsicht auf Buddhismusgeschichte im Westen interessant. Es ist der seltene Fall, dass ein umfangreiches Archiv öffentlich zur Verfügung steht (The Shimano Archive), welches es ermöglicht einen tiefen Blick in die Mechanismen des (Zen)Buddhismus zu werfen. Es geht dabei in erzählender Form erstmal nur um die Geschichte des Rinzai-Mönches Eido Shimano von 1964 bis 1982. Soweit ich sehe, gibt es bisher keine ausführliche deutsche Darstellung in dieser Sache. Das Interessante hier sind die Verhaltensweisen der Beteiligten, die aus dem Archiv ersichtlich werden. Hier wird darüber zu reden sein, in wie weit diese Verhaltensweisen auch auf den Buddhismus in Deutschland-Österreich-Schweiz zutreffend sind. Die Shimanoverehrer die es bei uns noch gibt, werden in dieser Beurteilung ein wichtige Rolle spielen. An ihnen wird man in vitro beobachten können, was passiert wenn die x-buddhistische Halluzination in Frage gestellt wird.

2 Antworten zu Bin ich Buddhist? Und was hat Shimano damit zu tun?

  1. 

    Lieber Matthias,

    ich denke ein großes Problem der buddhistischen Bewegung ist die Vermutung, dass wer Buddhist ist, dem „Buddhismus“ anhängen muss. Ein *ismus impliziert in unserem Sprachgebrauch ja immer, das es eine geschlossene Lehre gäbe, der man zuzustimmen hätte. Wenn man Buddhismus so versteht (und viele Buddhisten tun das ja durchaus), dann ist es natürlich durchaus angebracht, diese kritisch zu hinterfragen.

    Es gibt aber auch viele Weg-Gehende, die den „Buddhismus“ als einen Austausch über Meditations-Erfahrungen verstehen, D.h. erst kommt die praktische Erfahrung, dann kommt der Austausch. Und dieser darf nicht nur, sondern muss sogar kontrovers sein, denn nur dann ist er fruchtbar.

    Brad Warner hat diese Sichtweise einmal in eine wie ich finde, recht gut passende Analogie gefasst. Er meinte, die Vorstellung eines Buddhismus von einer geschlossenen Lehre, das wäre so, als würde man, statt Physik zu betreiben, alle Ansichten zu physikalischen Phänomenen nur noch an den Ansichten Einsteins ausrichten und jede neue Erklärung darauf überprüfen, ob sie mit dem bestehenden „Einsteinismus“ vereinbar wären. Im Bereich der Physik leuchtet jedem sofort ein, dass das Unsinn ist, aber vielen fällt es schwer, zu akzeptieren, dass dies auch für den buddhistischen Weg gilt – obschon ja die meisten Sutras nichts anderes sind, als eben Diskussionsbeiträge mit durchaus kontroversen Sichtweisen. Insofern wäre eigentlich eher ein Wort wie Buddhistik angemessen und dann könnte man sich auch viele der Meta-Diskussionen über angebliche absolute und ewige Wahrheiten sparen.

    Ich persönlich kenne in meinem Umfeld eine ganze Reie Weg-Gehender Buddhistniks, die die Sache so sehen, wie es Brad Warner beschrieben hat. Die haben dann auch kein Problem mit deiner inhaltlichen Arbeit und deiner Kritik, sondern schätzen diese im Gegenteil sogar sehr.

    Insofern fürchte ich, mein Lieber, das du dich nicht so einfach mit einem kurzen Statement wie „Ich bin sicher kein Buddhist.“ aus dem Club der Suchenden verabschieden kannst. Im Gegenteil, du bist m.E. frei nach Groucho Marx ein würdiger Vertreter in dem einen Club derer, die nicht zu DEM EINEN Club gehören wollen. Insofern verlängern wir hiermit deine Mitgliedschaft noch mal um ein Jahr :)))

    Alles Gute zum Neuen Jahr, keep on rocking!

    Lucius

  2. 

    Lieber Lucius,

    danke für deine Grüße und danke für die Verlängerung der Mitgliedschaft. Ich werde mein Bestes tun, um das Niveau meiner Einmischungen zu erhöhen und so für noch mehr Verärgerung zu sorgen.

    Mit besten Grüßen und Wünschen für 2014, Matthias