Konfickte des Buddhismus

M. Steingass —  20.2.12

Zögere nicht, lass dich flachlegen!
Herumsitzen und Sutren rezitieren –
was für ein Quatsch!
Ikkyû Sôjun

Hier geht es um Sex. Es geht darum was der aktuelle Buddhismus auf der DBU-Themenkonferenz „Buddha, Sex und Leidenschaft“ über Sex tatsächlich zu sagen hat. Was steht in dem dieser Konferenz gewidmeten Heft „Buddhismus Aktuell“ 1/2012? Der DBU-Kongress greift Tabuthemen auf, heisst es. Tut er das wirklich? Spricht man über das Zölibat, seine Probleme, über eine pornografisierte Gesellschaft, über ein Marketing das den Sexus systematisch nutz um Aufmerksamkeit zu erregen? Spricht man darüber wie man mit dem Sex einer verstörten und verantwortungslosen Gesellschaft umgeht? Spricht man darüber was ein angeblich vor 2500 Jahren in einer agrarischen Gesellschaft lebender Heiliger, der hinter Myriaden von Anekdoten verschwindet, den jeder für sich interpretiert grad wie er will – spricht man darüber was der wirklich zu sagen hat zu einer Gesellschaft in der jeder Zwölfjährige sich mit ein, zwei Mausklicks Youporn aufmachen kann? Spricht man darüber, wie sich das Subjekt in dieser Gesellschaft heute herausgebildet hat – und wenn es nur die Jahre seit Kant sind? Spricht man darüber was eine kulturell geformte Sexualität ist, das biologische Geschlecht, der Gender? Hat man irgendwelche Geisteswissenschaftler an Bord, die hierzu Antwort geben könnten? Buddha, Sex und Leidenschaft: Ist das mehr als eine Alibiveranstaltung?

Um es gleich zu sagen, einen wie Ikkyû Sôjun, die Verrückte Wolke aus dem 15. Jahrhundert Japans, einen Saketrinker und großen Freund der Knallhütte, hätte man auf dieser Konferenz sicher nicht geduldet. Und er hätte sowieso nicht teilgenommen.

Von der Waschschüssel der Geburt
bis zur Waschüssel des Bestatters:
nur Geschwafel. 

Sex heute, ist der überhaupt noch möglich? Ist vor lauter vorproduzierten Sexschablonen Sex überhaupt noch etwas anderes als eine Replikation des letzten Schreis? Sex in the City. Sex in abertausend Varianten. Sex für Anfänger und Fortgeschrittene, für Idioten, Yogis und für Buddha.

Die Feuchtgebiete nehmen keine Ende. Charlottes Erotik und der willige Leserkonsument, das ist ganz avant garde. Unsere Illusionen des Glanzes und der reinen Oberfläche sind jetzt das Tatsächliche. Der Kauf, das Schoßgebet – darüber hinaus gibt es nichts mehr.  Der Skandal ist kalkuliert. Der Sex selbst ist schon längst hinter dem Kauf verschwunden. Das Produkt dient auf dem Beistelltisch als Marker der Willigkeit zur Präsentation – sonst nichts. Es ist nicht der Wink, das Augenzwinkern, die Einladung, das Vorspiel, der Sex selbst. Die rohe Penetration der Geilheit. Die Lust des Gewühls im Anderen und der geilen schweinischen Idiotie eines erigierten Schwanzes der in einer heissen feuchten Möse im Taumel einer bei allen Teufeln unwiederholbaren Singularität explodiert.

Komm her, ich weiß ein schönes Spiel im dunklen Tal, im Muschelgrund…

Die Willigkeit gebiert lediglich noch eine entsexualisierte Sexualität, die in ihrer pornographischen Übersättigung endgültig dafür sorgt, daß die Lust  nur noch Last ist. Enthemmung, Freiheit, Extase – alles nur noch Stress und Leistungsdruck. Es wird endgültig alles genullt. Der Fortschritt: Die Lust nach mehr!? Abgehakt. Stattdessen werden wir transparent. Unsere Schoßgebete und Feuchtgebiete sind total kompatibel mit der glasklaren und lupenreinen Transparenz der neuen Netze. Dort, wo es keine Diskretion und nur noch das Diskrete gibt. Abzählbar, normiert, endgültig domestiziert und sauber – keimfreier Sex mit Che Guevara auf dem Höschen: that‘s it!

Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!

Deutsche Buddhisten müssten sich eigentlich überhaupt keine Sorgen machen. Die endgültige Domestikation des Sex zum Domestiken des Marketings macht ihn doch sowieso zu einem blutentleerten, impotenten Pseudopotentaten des bürgerlichen Schlafzimmers – warum ist es also für deutsche Buddhisten immer noch etwas besonderes über Sex zu reden? Warum braucht man da eine extra Konferenz? Und wenn es doch in gewissen Gebieten noch ein wenig feucht wird: Heisst es nicht im heiligen Buch des neudeutschen Erwachens, Integriere alles in deine Praxis? Wir könnten also, in Herrgotts Namen, ganz einfach so über Sex reden! Und ganz im Ernst könnten wir fragen, ob es noch etwas gibt jenseits einer durch ihre Pornografisierung entsexualisierten Sexualität einerseits und einer überhöhten, vergeistigten, in ihrer Suche nach einer Vereinigung aller Gegensätze steril werdenden Sexualität andererseits? Gibt es einen sexy mittleren Weg, der weder Porno ist noch reiner Geist?

Was sagt also der aktuelle deutsche Buddhismus: „Buddhismus Aktuell“, Ausgabe 1/2012? Herausgeberin die Deutsche Buddhistische Union – womit ein wichtiger Teil des deutschen buddhistischen Mainstream dokumentiert ist. Eine nicht unwichtige Grundlage für die Meinungsbildung des deutschen Buddhisten. Was also steht in diesem Heft – in diesem buddhistischen Sexheft?

Es geht um „Liebe, Sexualität und Leidenschaft“, es geht um den Umgang mit starken Emotionen! Starke Emotionen… Ja… wo sind die? Wenn man das Heft durchblättert ist alles so kreuzbrav, so formelhaft abgehandelt, so unkreativ, daß es einem richtig Leid tut. Man kann aufschlagen, wo man will, alles ist ein tiefes durchschauen der Zusammenhänge, alles ist  Erkenntnis, alles ist Erfüllung ohne Sinnlichkeit. Wirkliches Glück ist nicht im Aussen. Ja, und man muss den Durst löschen, die Energien balancieren, Störgefühle bearbeiten damit sie sich in Leichtigkeit und Gelöstheit verwandeln – mit einem Wort: Man muß einfach den lebendigen Dharma leben! Sonst nichts.

Aber es gibt keinen mittleren Weg. Beinahe ein halbes Jahrhundert nach Sexfront sind wir im deutschen Buddhismus offensichtlich bei einer ganz besonderen Art der sexuellen Erfüllung angelangt. Das Komplement zu einem gut verkäuflichen Sex der reinen Oberfläche, der weder nach Möse riecht noch tatsächlich abspritzt daß einem Hören und Sehen vergeht, ist offensichtlich eine Praxis der Läuterung, der Bewusstheit, des Nichtbesetztseins und Erkennens. Hier geht es nicht um ein Unterdrücken und Verleugnen, sondern um ein Überwachsen, ein Überwinden jeder Begrenzung und damit verbunden Bedürftigkeit. Es geht nicht um Unterdrückung, das wissen wir spätestens seit Oswald Kolle, der Herr sei ihm gnädig. Hier im deutschen buddhistischen Sex geht es auch nicht um Sex, um diese Urgewalt, die wir uns auf Teufel komm raus nicht abgewöhnen können. Auch ist man schon längst viel weiter als Roche & Co. auf‘m Clo beim onanieren. Hier geht es darum über alles hinaus zu wachsen. Es geht um nichts weniger als um die totale Einheit, eine Einheit die sich nicht mehr von der Vielfalt blenden lässt. Es geht darum, wirkliche Einheit zu erleben, Einheit in der alle Bedürfnisse gestillt sind.

Kann denn Liebe Sünde sein?

Zara Leanders Frage ist Wilfried Reuters Leitmotiv für seinen Leitartikel in diesem „Buddhismus Aktuell“. Er ist spirituelle Lehrer aus Berlin und Schüler von Ayya Khema mit, natürlich, jahrzehntelanger Erfahrung. Auf Zaras Frage antwortet er (anders als diese), es gehe um Erfüllung, um Momente völliger Offenheit, völligen Einklanges und darum daß Deine Freude und Inspiration nicht der Lust entspringen, auch nicht dem äußeren Geschehen, sondern eines Gewahrseins der Liebe und des Reichtums. (S. 10)

Man kann nicht sagen, daß er falsche Dinge schreibt. Man muß eher sagen, daß er gar nichts schreibt. Zumindest aus der Perspektive einer kritischen Untersuchung darüber was er tatsächlich sagt, scheint er zunächst gar nichts zu sagen – außer dem vorhersagbaren buddhistischen Worthülsen, den Buddhemen des Thaumaturgen. Letztere produzieren das übliche Sich-nicht-festlegen, das Herumlavieren, das Verweisen auf ein Wissen das erst noch durch Erkenntnisse der besonderen Art zu erlangen ist. Es ist ein Bauchrednern, das viel sagt aber nichts wirklich zu sagen hat – ein Bauchrednern das allerdings eine weitere Nachricht, gewissermassen subliminal, bereit hält.

Masturbation zum Beispiel: Onanieren, wichsen, es sich selber machen, Hand anlegen, sich einen runter holen, die Hauskuh melken, die Lenden entsalzten, die Palme wedeln. Vor beinahe einem halben Jahrhundert haben Günter Amendt und Kollegen in Sexfront sagen können, wohlgemerkt ohne sogleich eingesperrt zu werden und ohne das man ihnen noch den Vorwurf machen konnte zu ungesunden Praktiken aufzurufen: Onaniere so oft – so viel oder so wenige – wie du willst und so lange es dir Spass macht. (Sexfront S. 18) Heute findet man im deutschen Buddhistischen Amtsblatt, im Leitartikel!, eine Absatzüberschrift die folgendermassen lautet (S. 10):

Ist Selbstbefriedigung schädlich?

Man kann diese Frage immer noch allen Ernstes stellen – wer hätte das gedacht…

Dabei geht es nicht darum, daß es tatsächlich noch Menschen gibt die an den Überresten einer christlichen Zwangsmoral zu leiden haben, es geht darum wie solche Menschen abgespeist werden. Reuter präzisiert zwar die Frage, Ist Selbstbefriedigung schlecht für spirituelles Wachstum?, aber ist das etwas wirklich etwas anderes als die alte Onanieangst? Reuter geht nicht darauf ein, aber man kann sich vorstellen, daß der alte christliche Wahn von Befleckung, Sünde, Keuschheit etc. hier im neuen Gewand auftritt, da dieser Zombie von geheimnisvollen Yogis aus dem Osten seit Jahren wieder revitalisiert wird. Es ist schließlich esoterisches Allgemeinwissen, daß es einen Zentralkanal gibt im Menschen an dessen Basis eine merkwürdige, mystische Energie haust, die zwecks Erlangung der Erleuchtung aufsteigen soll bis zum Scheitelchakra. Die Eingeweihten sprechen von geheimnisvollen tantrischen Praktiken, mittels derer diese so okkulte Energie geweckt und genutzt werden soll. Wenn man von all diesen Dingen keine Ahnung hat, wenn man nicht die langwierigen geheimen Übungen bei den entsprechenden Meistern gemacht hat, kann man sich schnell mal vertun, wenn einen eine schlichte, einfache Geilheit überkommt. Die Lust in den Lenden, das gierige lustvolle körperliche Schwellen, der feuchter Traum, der Geist im pulsierenden Fleisch der Verzückung eines wunderbaren Moments – das kann aus der Perspektive dieser Heiligen mit ihren Astralwinden und ihrem sterilen Erleuchtungstraum nur eine krankhafte Verschwendung sein. Begegnet uns so die alte Mär wieder, vom Rückenmarksschwund der uns befällt wenn wir wichsen? Nur diesmal als Schwund der heiligen Winde im Astralgedärm eines höchst subtilen, feinstofflichen Körpers? Es sieht so aus. Wenn die Frage nach der Schädlichkeit der Onanie das Artefakt einer längst vergessen geglaubten Schwarzen Pädagogik ist, so tritt uns in der Erweiterung der Frage in Bezug auf Spiritualität nichts anderes entgegen als dasselbe alte Gespenst, nur diesmal in Bezug auf eine andere, höhere, wahre Wirklichkeit die wir riskieren wenn wir es uns selbst besorgen. Schwarze Pädagogik goes Buddha.

Um seine Frage zu beantworten, zitiert bzw. interpretiert Reuter zunächst den Buddha. Er evoziert die überragende Autorität die ihn als buddhistischen Thaumaturgen legitimiert. Der Buddha habe nicht in den Kategorien von gut und schlecht gedacht, wohl aber von hilfreichem und heilsamen Verhalten gesprochen. Inwieweit heilsam nicht in die Kategorie gut gehören soll, bleibt offen. Der Hintergrund ist vielleicht ganz schlicht der, daß man einen x-buddhistischen Mummenschanz nicht benötigte, würde man nur einfach mal sagen was gut ist und was schlecht. So aber wird das heilsam ganz elegant als Überleitung zur Achtsamkeit genutzt und anstatt daß wir uns darüber klar werden, was gut und was schlecht sein könnte, bekommen wir das Dogma gepredigt. Die Achtsamkeitspraxis ist, natürlich, jene magische Praxis die in der Lage ist alles Problematische zu integrieren. Irgendwie lässt sich durch Achtsamkeit jedes Problem lösen. Reuter ist in der Hinsicht Autorität. Neben den üblichen schon genannten Attributen, zeigt sich das nicht zuletzt darin, daß er mich den ganzen Aufsatz über, vom ersten Satz an, wie ein Pfarrer der der Gemeinde von der Kanzel herunter predigt, mit „Du“ anredet. Ich soll nun Achtsamkeit und Sexualität zusammen bringen und Ich erfühle freundlich und bewusst die Bereiche meines Körpers in denen sich die sexuelle Energie entfaltet. Das hört sich gar nicht schlecht an. Was aber zunächst so aussieht, als ergriffen wir, buchstäblich!, die Initiative um uns ganz bewusst einen runter zu holen – Hands-on sozusagen, in Tateinheit mit freundlicher und bewusster Hinwendung zum eigenen Sein in Fleisch und Blut und Lust, in der Wonne eines wundervollen Augenblicks, in dessen Nachglühen ich in eine tiefe und wohltuende Entspannung gleite – das endet bei Reuter in einer sublimativen Autosuggestion. Was man vormals nach der Beichte mit einigen Vaterunser erledigte, kann der postmoderne Zwangsneurotiker auch ohne Pfarrer – und vor allem, was die Katholiken nie geschafft haben: Es kommt gar nicht mehr zum Vollzug, denn Ich akzeptiere mein Verlangen ohne zu agieren! Ich erlebe den körperlichen Niederschlag meiner Lust und schließlich surfe ich, indem ich nicht manipulativ mit dieser Energie praktiziere auf einer brausenden Woge und das Resultat ist Läuterung – und nicht etwa ein ordinärer Orgasmus…. Wow! Reuters abschliessender Segen: Empfindungen und Gefühle gehören zu mir, doch ich bin mehr als diese Gefühle. Mit anderen Worten: Du hast eventuell noch Lust, doch die Lust hat nicht mehr dich. Ego te absolvo usw. usf. Amen.

Was lesen wir hier in diesem Abschnitt über Selbstbefriedigung? Man könnte beispielsweise darüber spekulieren, über wen Reuter eigentlich spricht in diesem Text. Der Wechsel von der ersten in die zweite Person im zuletzt zitierten Abschnitt ist merkwürdig. Erleben wir hier das Selbstgespräch eines Buddhisten, der sich mit sich selbst, schreibend, über sein eigenen Triebbewältigungsstrategien unterhält? Wie auch immer. Wichtig ist, welche Sexualmoral hier in einer offiziösen deutschen Buddhistischen Publikation vertreten wird! Die Frage, ob Selbstbefriedigung schlecht ist, egal ob in Bezug auf spirituelles Wachstum oder überhaupt, wird keinesfalls verneint. Im Gegenteil, offensichtlich muß mittels Achtsamkeitspraxis etwas geläutert werden. Es wäre ja wichtig einer verkorksten Einstellung zum Sex auf die Sprünge zu helfen. Man meint dieses Wollen auch bei Reuter zu spüren aber leider spricht er in dieser typischen buddhistischen Haltung, die sich auf nichts wirklich festlegt. Es ist die relativistische Haltung einer völlig unverstandenen Postmoderne die bloss keinem wehtun will und damit alles nur immer schlimmer macht. Denn was soll jemand mit diesem Abschnitt anfangen, der/die sich wirklich noch Sorgen macht über Selbstbefriedigung? Dieses verdruckste wenn du geläutert bist, hat dich die Lust nicht mehr – was soll das? Jemand der nicht kapiert wie diese Läuterung, die ja wohl anscheinend sein muß, aussehen soll, steht doch hinterher mit seiner Lust um noch vieles schlechter da als vorher. Offensichtlich ist er ja nicht in der Lage, sich oder seine Lust zu läutern. Er kapiert die Botschaft des Heiligen nicht, die ihm vom Buddha über Reuter durchgesagt wird. Am Ende wird so jemand nur allein gelassen mit dieser esoterischen frohen Botschaft von der Läuterung. Das ist das Mangelprinzip des X-Buddhismus, der den Menschen immer nur als gefallen sehen kann. Als befallen von parasitären Gefühlen jeder Art, als sinnenlustiges Wesen, das eben von vorne herein durch diese Sinnenlust sündig ist. Kein Wunder, braucht es da ein Purgatorium. Dem gegenüber sind die Geistlichen dieser verqueren Regression in ein ursündhaftes Lasterleben immer schon die, die Bescheid wissen. Sie haben auf irgend eine Art den Sprung geschafft in die Oberliga. Wer die nicht versteht, ist nicht geläutert.

Und damit wissen wir auch, was das spirituelles Wachstum ist, für das Selbstbefriedigung schlecht sein soll. Die Achtsamkeit dient der Läuterung, die Läuterung ist die Verwandlung einer diffusen Negativität im Feld der Sexualität, diese Negativität ist von Dharma gegeben und dient der Achtsamkeit, damit die etwas zum läutern hat – d.h. die Negativität des sexuellen Feldes dient als Legitimation der Achtsamkeit. Mit anderen Worten, irgend etwas schlechtes muß es geben, sonst verliert diese ganze Praxis ihr Motiv – das ist nichts anders als das Kreisen des X-Buddhismus um sich selbst. Den letzten Rat den man demzufolge jemanden geben sollte für den das Sexuelle in irgend einer Weise problematisch ist, ist ihn an einen Buddhisten zu verweisen!

Sexualität – die Königin der Probleme!

Die negative Konnotation der Sexualität ist nicht auf den Artikel von Wilfried Reuter beschränkt, sie durchzieht das ganze Heft. Sexualität an sich ist problematisch. Nicht der Umgang mit ihr, nicht eine Kulturgeschichte des Sexus, nicht das Marketing eines außer Rand und Band geratenen Konsumkarussells, das den sexuellen Trieb skrupellos an das zu verkaufende Produkt koppelt, nicht der allgegenwärtige öffentliche Sex aus Pappmaché und Blümchen auf Plakatwänden oder der allgegenwärtige Hardcore via Internet.

Wilfried Reuter benutzt in der ersten Abschnittsüberschrift seines Artikels ein vermeintliches Zitat des Biologen Graham Bell. Er benutzt das Zitat nochmals im Text um das grundsätzliche Problem mit der Sexualität durch einen verlässlichen Zeugen untermauern zu können:

So oder so, mit der Energie von Sexualität wirst Du immer wieder zu tun haben. Für viele ist dieser Bereich menschlichen Erlebens sehr problematisch: »Sexualität, die Königin, die Königin (sic!) der Probleme« behauptet der kanadische Forscher Graham Bell. (S. 7)

Auch bei seinem Vortrag während des DBU-Kongresses bezeichnet er die Sexualität als Königin aller Probleme. (S. 50) Der ablehnende Subtext in Bezug auf Selbstbefriedigung wird also von einer eindeutigen Problematisierung der Sexualität an sich gerahmt. Das Fragezeichen hinter der Überschrift verschwindet im Text und im Vortrag. Es wird zum Ausrufezeichen. Vollends deutlich wird, daß hier etwas überhaupt nicht stimmt, wenn man feststellt, daß der Sinn den Reuter dem Bell-Zitat gibt offensichtlich eine Projektion ist. Reuter sieht das Problem der Sexualität im sozialen Bereich, in dem der Interaktion lustvoller, lasterhafter, lüsterner Menschen – und da besteht es für ihn wahrscheinlich tatsächlich – Bell jedoch spricht von der Frage, warum in der Evolution überhaupt eine geschlechtliche Fortpflanzung entstand: Sex is the queen of problems in evolutionary biology, schreibt er in der Einführung zu seinem Buch „The Masterpiece of Nature, The Evolution and Genetics of Sexuality“. Er endet den Abschnitt aus dem Reuter das Zitat nimmt mit der Frage: […] [W]hat is the functional significance of sexuality, which leads to its maintenance under natural selection in biological populations? (dort S. 19) Es geht Bell um ein völlig anderes Problem, das nicht im entferntesten mit Sexualität im sozialen Feld zu tun hat.

Reuter sitzt ganz offensichtlich seiner eigenen Fantasie über Sexualität auf, wenn er Graham Bells Äußerung derart verstümmelt und in seinem Sinne entstellt wiedergibt. Dass seine Projektion eine negative ist, ist der entscheidende Punkt. Das Bild dieser bösen Sexualität stammt von ihm und nicht aus einem ominösen Buddhadharma oder von einem kanadischen Biologen. Der Dharma wird nur in einer weiteren seiner unendlichen Iterationen zu einem Vehikel der Projektion des Jüngers des Buddha – und der wird damit zum Protagonisten, zu einer literarischen Fiktion, zu einem beliebig modifizierbaren Datensatz. Und man sieht, wenn jemand wie Reuter diesen Protagonisten zum Zeugen aufruft, wie sich das ganze Theater in einem endlosen Regress, in einer fälschlich als Fortschritt apostrophierten Regression immer nur um sich selbst dreht. Derart ausschließlich sich selber zugewandt erweist sich der Meister als meisterhafter Narziss und die Selbstlosigkeit als ultimative Täuschung.

Gibt es eine gesunde Sexualität?

Um es kurz zu machen: Man muß das ganze Heft durch diese Brille ansehen und man wird staunen, wie wenig dieser Buddhismus zu bieten hat. Was halten wir nun, nach dem gesagten, von einem weiteren Artikel der da überschrieben ist mit: Gibt es gesunde Sexualität? (S. 19) Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Da wird nicht etwa gefragt, wie es zu einer allgegenwärtigen Kommodifizierung der Sexualität kommt, zur Ausbeutung einer natürlichen Regung mit der man den Homo sapiens so gründlich an der Nase herum führen kann? Sondern da wird offensichtlich die Krankhaftigkeit der Sexualität selbst vorausgesetzt – sonst wäre die Frage so ja nicht möglich. Die Frage wäre aber viel eher, wie man denen das Handwerk legen kann, die den Trieb nutzen um uns ihren wertlosen Krempel zu verkaufen? In dem dieser Buddhismus eine kranke Sexualität nicht als Wirkung der Ausbeutung des Triebes sieht sondern als Ursache für einen verwirrten Menschen, der folglich von ihr geheilt werden muss, verkennt er völlig die kausalen Zusammenhänge. Wenn schon ist der Mensch krank, weil er über den Trieb ausgebeutet wird, nicht aber weil der Trieb per se krankhaft ist. Der eigentliche Feind ist nicht der Trieb, sondern z.B. ein Marketing das den Trieb zielstrebig nutz um den Konsumenten zu melken. Das aber ist einem gesetzeskonformen deutschen Buddhisten schwerlich nahe zu bringen.

Und so erfahren wir denn auch alsbald, daß es tatsächlich keine gesunde Sexualität geben kann. Unter  der Überschrift Liebe statt Anhaftung? (S. 32) hebt nun Khenpo Sonam Gyatso an uns zu belehren? Wie alle Rinpoches ist auch er einer der wichtigsten Gelehrten des Tibetischen Buddhismus. Auch er ist selbstverständlich, wie jeder buddhistische Thaumaturg, über jeden Zweifel erhaben und kann uns deshalb Kraft seines heiligen Amtes verkündigen – nachdem er mehrmals vor sich hin gemurmelt hat, daß er leider, leider über die wirklich geheimen sexuellen Praktiken des Geheimen Mantra im Vajrayana nichts sagen kann – wie es sich wirklich verhält mit der Sexualität: Im Endeffekt entsteht der Wunsch nach Sexualität aus Begierde und Begierde bringt immer nur Leiden. (S. 33) Der Mann muß es wissen – er ist Mönch.

Apropos, erhellend ist auch wie die Frage nach dem Zölibat behandelt wird. Einzelne Stimmen die Probleme mit dieser Lebensform artikulieren tauchen zwar auf, siehe z.B. im Interview mit Revato Axel Wasmann (S. 55), aber insgesamt ist das kein Thema. Die Frage, in wie weit eine rigide sexuelle Abstinenz bestimmte Problem erst erzeugt die man allenthalben im Buddhismus sehen kann, den sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen nämlich, wird niemals gestellt. Totschweigen ist hier die Devise, denn die Problem gibt es, jeder Insider weiss das. Interessant in diesem Zusammenhang eine weitere Überschrift, Was ist die richtige Lebensform: Partnerschaft oder Zölibat? (S. 53) Auch dies wieder eine programmatische Formulierung, die sich schon in der Frage darauf festlegt, daß es außer diesen Alternativen nichts gibt. Es ist der Artikel in dem die Workshops, in denen dieser Frage nachgegangen wurde, kurz portraitiert werden. Auch hier wieder eine Antwort die keine wirkliche Antwort ist. Am Schluss des Artikels wird einer der Lehrer folgendermaßen von Buddhismus aktuell zitiert: Mit weicher Stimme und dem weiten Herzen eines buddhistischen Lehrers riet er nach dem Kriterium der Fülle zu entscheiden. »Wählt die Lebensform – Zöllibat oder Partnerschaft – in der ihr inneres Fliessen und Strömen spürt«. (S. 54) (siehe dazu auch diese Anmerkung!)

Man lese sich das alles mal durch, die ganzen Artikel über Heilige Vereinigung, über das in Balance bringen weiblicher und männlicher Energien, Leidenschaft als spirituellen Kern, über den Umgang mit Sinnlichkeit. Man ziehe von den Autoren jede Legitimation ab. Man lese die Texte nackt. Man prüfe sie auf Inhalt, auf konkreten, sachlichen, handfesten, lebensnahen Inhalt. Man prüfe welche Ideologien zum tragen kommen, wie etwas gerechtfertigt wird. Was prüfbar ist. Ob es z.B.  relevant ist, wenn jemand sagt, seine Heiligkeit der Dalai Lama hat erst kürzlich wieder öffentlich erklärt, dass der Buddha »sacred union« und Yab-Yum-Praktiken gelehrt hat (S. 35)? Was ist das anderes als das Erschleichen einer Legitimation? Die Selbst-Positionierung von Frau Dr. Julia Jean zur buddhistischen Hohepriesterin, ihre Autorisierung über den heiligen Dalai Lama, der vom heiligen Buddha anscheinend weiss, daß der was?-: gevögelt hat!?

Was bleibt übrig wenn wir das alles einfach mal nicht beachten und die Texte blank lesen? Immanente Textkritik betreiben. Vielleicht ist dies ja ein Mittel. Vielleicht wird die Immanenz der Ratlosigkeit dieser Ratgebenden für uns zum  Verstehen – da ist   n i c h t s

Gerechter weise muß man sagen, daß es auch Licht im Dunkel dieser liebevollen Seligkeit gibt. Es gibt einzelne Stimmen denen das behagliche Schweigen über die 95% des Lebens, die sich jenseits dieses Buddhismus abspielen, nicht wirklich angemessen scheint. Aber man muß sie suchen in diesem Heft und es ist zu viel was einem da sonst noch an weltfremder Vergeistigung entgegen tritt. Die Anschlüsse zu anderen Lebenswelten sind so spärlich, so selten, die ganze Szene ist so solipsistisch, so selbstverliebt in ihre Heilslehre, so unfähig das Wissen der Moderne anders als Bedrohung aufzufassen. Es lohnt sich nicht. Man muss sich abwenden.

Diejenigen, denen etwas liegt an einer Sinnlichkeit jenseits des Unsinns buddhistischer Missverständnisse über den Sexus, und nicht nur über den, sollten aus diesem Dunstkreis heraustreten und sich Gesprächspartner suchen mit denen sich tatsächlich Horizonte erweitern lassen.

Fazit jedenfalls ist, dieser X-Buddhismus, so wie er in dieser Publikation präsentiert wird, macht die Sexualität zu dem Problem das er zu seiner Legitimation braucht. Dieser X-Buddhismus braucht eine böse Sexualität. Damit fällt er zurück in eine Haltung, die sich in ihrer Grundstruktur nicht unterscheidet von einer rigiden Sexualmoral aus Zeiten vor den 1960er Jahren. Die Überhöhung der Sexualität durch Praktiken der Vergeistigung, des Einswerdens mit allem etc., sind Mechanismen der Verdrängung der rohen, physisch drängenden Kraft des Sexus und nicht etwa Formen der Verfeinerung für die sie sich ausgeben. Da, wo der Sexus angeblich doch verfeinert wird, versteckt sich diese Möglichkeit wie üblich hinter einer Scharade aus jahrelangem Üben, geheimen Meistern, subtilen Kräften und sonstigem esoterischen Wolkenkuckucksheimen. Menschen die sich hilfesuchend an diesen Buddhismus wenden, werden im besten Falle vertröstet und gelangweilt, im schlimmsten wird ihnen ein Schuldbewusstsein aufgezwungen wenn sie die angeblichen Techniken der Läuterung nicht beherrschen lernen.

Wenn man buddhistisches Wissen einmal mit Enthusiasmus als einen Gegenentwurf zu einer biederen Bürgerlichkeit gesehen hat, vielleicht als zweite Möglichkeit des Aufbegehrens und des Verstehens neben derjenigen die sich in den 1960er und 70er Jahren in der Politik zeigte, so kann man heute eigentlich nur fassungslos vor diesem Gebilde stehen. Vor einem Buddhismus der Schriftgläubigkeit, des Dogmatismus, der Engstirnigkeit, der Fantasielosigkeit, der Vereinsmeierei, vor einem deutschen Buddhismus e.V.

Die Zukunft sieht anders aus.

Für uns macht es keinen Unterschied,
ob wir lesen, essen, singen
oder es miteinander treiben.
Ikkyû Sôjun

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Anmerkung: Ikkyû Sôjun wird zitiert, nach „Gedichte von der Verrückten Wolke“ aus dem Angkor Verlag. Der „Erdbeermund“ ist von Zech/Villion. „Sexfront“ wurde zitiert mit dem Gedanken an den zur Unzeit ums Leben gekommenen Günter Amendt.

Überarbeitung 5.4.12: Im Abschnitt über die Workshops wurde das Zitat am Ende des Absatzes fälschlich Karl-Ludwig Leiter in den Mund gelegt. Ich habe das entsprechend korrigiert.

44 Antworten zu Konfickte des Buddhismus

  1. 

    Also, danke für die Zitate erstmal. Und dass Du mir die Lektüre dieses BA-Heftes erspart hast. In dem sich nun auch offiziell keine Rezensionen meiner Bücher mehr finden werden, seit ich einzelne Ratsmitglieder der Sektiererei und der Nachfolge von – und das ist an dieser Stelle eine gute Pointe – sexuell unkontrollierten Lehrern wie Chögyam Trungpa und Kalu Rinpoche bezichtigte.

    Ein Aspekt ist also die Außendarstellung einer Sexualfeindlichkeit, um nach innen Lüste ausleben zu können. Im Vajrayana, über das sich der zititierte Geshe nicht äußern wollte, gibt es z.B. eine Praktik, bei der der Lehrer dem Schüler – nachdem er sich von diesem zunächst die Weisheitsgefährtin zuführen ließ – seinen (!) Samen in den Mund tröpfelt. Warum aber reden nicht nur Mönche, die ja rechtfertigen müssen, dass ihr Leben ein hochwertigeres sei (damit sie weiter Spenden bekommen) so daher, sondern auch Laien? Neben den Lehrreden des Buddha (Sutren) gilt der Vinaya, der Ordenskodex, als das authentischste Buddha-Wort. Nun ist es zwar eigentlich den Laien untersagt, den Vinaya zu studieren (womit sich wieder die Mönche gegen Anwürfe von außen schützen wollen), doch der buddhistische Laienlehrer hat während seines „Studiums“ bei den Mönchs- oder Nonnenmeister(inne)n oft genug die Trennung zwischen Laienleben und Mönchsaskese verwischt bekommen. Im Vinaya heißt es etwa: „Willkürlich herbeigeführter Samenerguss, außer während eines Traumes, ist ein Vergehen, das das anfängliche und folgende Zusammentreten des Ordens erforderlich macht.“ Für den Laien gilt ja nur der Rat, sich sexuell nicht fehlzuverhalten, was leider oft so gedeutet wird, dass man keinen Ehebruch begehen soll (diese Deutung bedarf freilich schon bei der Betrachtung von polygamen und polyandrischen Gesellschaften – auch in buddhistischen Ländern – einer Neuinterpretation). Tatsächlich lautet die Regel: Kamesu Micchacara Veramani Sikkhapadam Samadiyami. Das heißt in etwa: „Ich gelobe, Abstand zu nehmen von sexuellem Fehlverhalten.“ Man könnte das Gebot zum rechten sexuellen Verhalten also so umformulieren: Alles ist recht, wenn es nicht schadet und man auch davon lassen kann. Da das Heilsziel im Theravada-Buddhismus im Allgemeinen jedoch als Verlöschen jeder Gier betrachtet wird und damit im Aussterben der Menschheit enden würde, kann man hier keine sexualfreundliche Haltung erwarten. Wer glaubt, etwas auslöschen zu müssen, statt seine falsche Einstellung des Anhaftens daran zu überwinden, der redet dann wie im obigen Heft. Genau wie der, der seinen Mönchsstatus nach dem Vinaya aufrechterhalten muss.

    Und hier der Kommentar eines Affen: http://www.youtube.com/watch?feature=endscreen&NR=1&v=GqhQm3_zXUM

  2. 

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich kann mich obigem Kommentar nur anschließen: Jetzt bleibt es mir erspart, solchen Schund lesen zu müssen.

  3. 

    Danke euch beiden für eure zustimmenden Kommentare.

    Danke auch angkorverlag für deine Erläuterungen. Es gibt da viel was einem braven Buddhisten den Schweiss auf die Stirn treiben würde.

    Ich glaube allerdings nicht, daß es sich lohnt in die ganze Sache mit Sexualität und Buddhismus im Westen bzw. in Deutschland noch viel Energie reinzustecken. Ich glaube eine andere Sache wäre wichtiger. In dem BA-Heft kann man auch eine andere Ideologie sehen, die vielleicht sogar ursächlich dafür ist, daß man sich derart verquer mit bestimmten Fragen unseres Alltages auseinander setzt. Es ist der New-Age-Traum davon, daß man nur tief genug in sich hineinschauen muß, um zur letzten Einsicht über alles zu gelangen. Mir ist aufgefallen, daß die Texte in dem Heft durchsetzt sind mit der Aufforderung, von allem Äusseren abzusehen, sich nach innen zu wenden etc., um so zur Erkenntnis letzter Dinge zu gelangen.

    Ich denke, so wie das da gedacht ist, läuft das einer Auffassung von der Nichtauffindbarkeit eines Selbstes oder einer Selbstessenz o.ä. völlig zuwider. Unterschiedliche Leute mögen das unterschiedlich meinen in dem Heft, ich denke aber, oft genug sieht man sehr deutlich diese Tendenz, etwas Wahres irgendwo in einer tiefen Innerlichkeit zu suchen. Das weiss man aber nicht nur über die Anatman-Formel sondern auch in der Folge von Freud, daß da nichts zu finden ist – was ja der eigentliche Punkt wäre! Wenn man das allerdings nicht versteht, daß das Subjekt ein von vielfältigen Einflüssen ,zufällig‘ formiertes ist, und man die Wahrheit in den Tiefen dieses Subjektes sucht, dann hat das logisch zur Folge, daß man nur die Wahrheiten findet die vorher gesellschaftlich-kulturell dort abgelagert wurden.

    Diese angeblichen Buddhisten sitzen einer irrsinnigen Täuschung auf. Sie haben keine Ahnung von einer sozialen und kulturellen Formierung des Subjekts.

    Matthias

  4. 

    Für mich signalisiert eine derartige Themenauswahl auch die Hilflosigkeit, dem Außen, der Welt zu begegnen. Es gibt immer größere soziale Probleme wie Armut, Spaltung der Gesellschaft, Arbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung, Gentrifizierung, Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit usw., die Liste ist ellenlang. Genau davor flüchten die Esoteriker ja auch nach Innen.

    Auch in meinem „Verein“ werden bei Gruppentreffen mittlerweile esoterische (unbuddhistische) Standpunkte vertreten, dass mir die Haare zu Berge stehen. Gefällt mir nicht. Alles nur angeblich buddhistische Einstellung, die eigentlich esoterisch zu nenen sind.

    Bei der genaueren Betrachtung fällt auch auf, dass die Beschäftigung mit der Beherrschung des Triebes eigentlich nur für Mönche aus den Herkunftsländern wichtig ist. Solch eine Frage war für Laien in den Ländern nie von Belang, sondern das sexuelle Verhalten ergab sich aus dem gesellschaftlichen Kontext.

    Deutsche Buddhisten wollen also „päpstlicher als der Papst“ sein. Man könnte es auch als calvinistisch-evangelistisch sexualfeindlich bezeichnen.

  5. 

    Was den ‚Verein‘ angeht. Vielleicht entwickelt sich ja etwas. Etwas, das sich von diesem esoterischen, romantischen Jenseitsglauben wegbewegt. Vielleicht muß man ein wenig darauf schauen, wer da mit zieht und sich eher mit denen zusammen tun die ein wenig Skepsis mittragen. Vermutlich ist es eine längere Bewegung und es braucht Zeit und man muß nach denen suchen die mitziehen. Ich wette es gibt viele, die mit diesem esoterischen Buddhismus nicht zufrieden sind und daß diese Leute es begrüßen würden, wenn sich ein Forum entwickelt, ein Raum, eine Möglichkeit eine andere Form von Buddhismus zu artikulieren. Für mich wird das ganz sicher nicht mehr Buddhismus heissen, aber es spielt keine Rolle wie es heisst und ob es überhaupt etwas ist, was man benennen muß. Es geht darum, daß es z.B. das Bedürfnis gibt, sich zu versenken, in Ruhe zu sitzen und eine Ruhe zu kultivieren, die eine Form von Autonomie gegenüber einer Welt ist, die nicht fortlaufend von allen möglichen zufälligen Inputs fortgerissen wird und dabei glaubt das sei besonders fortschrittlich. Das ist jedenfalls der Punkt für mich: Ein Form der Autonomie, die einerseits sich selbst kultiviert, einen gesunden Sinn des Selbst–Seins und anderseits die Zufälligkeit, die Geworfenheit dieses Seins akzeptiert und integriert.

    Viele Grüße, Matthias

  6. 

    Siehe zum Thema auch meinen Kommentar zu SoGens Beitrag bei Spoky: Hier!

    Der dort angesprochene Beitrag von SoGen im DBU-Forum macht deutlich, daß es auf der Konferenz, zumindest in SoGens Wahrnehmung, deutlich offener zugegangen ist als in dem Heft Buddhismus Aktuell dargestellt. Dies wäre ein weiterer Hinweis darauf, daß die Darstellung von Sexualität aus Sicht der DBU und ihres Organs „Buddhismus Aktuell“ eine nicht bewusste „Selbstzensur“ im Sinne der Psychoanalyse darstellt.

    Interessanterweise fordert SoGen gerade für den Buddhisten eine Basiswissen über „psychoanalytische Gemeinplätze“. Wenn gerade die DBU in ihrer Selbst- und Aussendarstellung dieses Basiswissen aber offensichtlich nicht besitzt, was hat sie dann überhaupt zu bieten?

  7. 

    Für mich ist die Sexualität manchmal schon leidvoll. Immer dann, wenn in mir Verlangen nach Sex da ist und ich keine Partnerin habe. Die Masturbation kann das dadurch entstandene Leid zwar kurzfristig lindern, eine Lösung ist sie aber nicht. Das Verlangen nach Sex erlangt bald sein ursprüngliches Niveau, eine Partnerin ist immer noch nicht da.

    Ich denke so in etwa haben das viele schon einmal erlebt. Jetzt kann man sagen, das gehört zum Leben dazu oder man gibt sich damit nicht zufrieden und sucht nach einem Weg, dieses Leid zu beenden. Ähnlich wie der Drogenabhängige versucht sein Verlangen nach der Droge zu beenden, da er es als Leidvoll ansieht. Von daher lässt sich meiner Meinung nach die Frage nach „Sex – böse oder gut?“ nicht so einfach beantworten und wenn da einer kommt und über Leid und Sexualität spricht, muss dies nicht gleich „unweise“ sein.

  8. 

    Niemand will hier in Abrede stellen, dass Sexualität leidvoll ist. Das dürfte allen Beteiligten spätestens in der Pubertät klar geworden sein… ;-)

    Allerdings ist Sex bzw. Sexualität keinesfalls mit Drogensucht zu vergleichen. Sucht ist durch Vernachlässigung des alltäglichen Lebens zur Befriedigung eben dieser Sucht gekennzeichnet. Du könntest also Sexsucht (nichtstoffliche Sucht) mit Drogensucht (stoffliche Sucht) vergleichen.

    „Sex = gut“ ist meine Überzeugung. Sonst gäbe es heute uns Menschen in nicht so verschiedener Ausführung auf der Welt. Mit „Bösem“ Plan- oder Zwangssex wäre die Evolution wohl kaum so erfolgreich gewesen (siehe Belohnungsystem in den kleinen grauen Zellen).

    Es geht hier eher um die Art der Beschäftigung mit der Sache. Die deutschen Buddhisten beschäftigen sich mit der Sexualität auf eine Weise, die der katholischen und evangelikalen Kirche Konkurrenz macht. Und dass trotz der Tatsache, dass Vorschriften wie das Zöllibat für Mönche psychisch schädlich sind (Missbrauchsgefahr von Schutzbefohlenen nicht eingerechnet) und Enthaltsamkeit niemals für Laien beabsichtigt gewesen war.

  9. 

    Lieber Talrum, danke für deinen Beitrag.

    Ich kann gut verstehen was du meinst. Leider ist es keine Selbstverständlichkeit einen Partner zu finden mit dem man ein gutes Leben führen kann. Allerdings sieht es in vielen Ehen/Partnerschaften so aus, daß Leute ebenso unglücklich und einsam sind wie du es vielleicht manchmal bist. Allein sein kann also auch von Vorteil sein… aber das wird dir nicht helfen. Ich kann da auch leider keinen Rat geben – außer den, doch immer wieder unter Leute zu gehen und das Gespräch zu suchen, sich daran zu orientieren mit wem man sich gut unterhalten kann und wo es Herzlichkeit gibt. Das wichtigste ist wohl die Menschlichkeit, die Fähigkeit überhaupt jemandem nahe sein zu können und die die Brüche aushalten zu können die in jedem Menschen liegen – obwohl wir uns gerne so clean und schick präsentieren. Dann kommt vielleicht auch mal der spezielle Kick hinzu. – Oder du lässt dich auf eines der modernen Verfahren ein, die es ja auch gibt. Dafür muss man allerdings sehr robust sein und viel Ausdauer haben…

    Weiter hat imyohorengekyo schon das Wesentliche gesagt. Der offizielle Buddhismus, so wie er sich durch die hier besprochene Publikation darstellt, leistet keinerlei Lösungsbeitrag zu Problemen wie du sie schilderst. Der Beitrag von Wilfried Reuter ist genau in Bezug auf dein Beispiel maßgeblich. Was er darüber schreibt, wie man mit dem sexuellen Verlangen umgehen soll, ist nichts als eine Ausrede dafür, daß er keine wirkliche Antwort hat.

    Ich weiß nicht ob du den Beitrag gelesen hast in der Buddhismus aktuell, auf S. 10, wo er fragt: „Ist Selbstbefriedigung schlecht?“ Mich würde interessieren, ob du mit der Problematik die du schilderst, damit etwas anfangen kannst? Ich halte das was er in der entsprechenden Passage schreibt für Humbug. Aber vielleicht sehe ich das ja auch völlig falsch.

    Hättest du Lust dazu kurz etwas zu schreiben? Aus Sicht eines Betroffenen, dem da von Buddhismus aktuell Ratschlag erteilt wird?

    Meine besten Grüße an dich, Matthias

  10. 

    Hallo,

    gelesen habe ich die Artikel nicht, da ich die Zeitschrift nicht besitze. Auf was ich vielmehr hinaus wollte ist, dass man sich schon seine Gedanken, oder noch viel besser, darüber meditieren kann, in wie fern die Sexualität einen negativ beeinflusst. Dadurch fällt eben schon auf, dass die Sexualität schnell zwanghafte Ausmaße annehmen kann, die mit einer Drogensucht vergleichbar sind. Grundsätzlich bietet hier, nach meiner Meinung, die Achtsamkeitspraxis schon eine gute Möglichkeit, Herr in seinem eigenen Haus zu werden.

    Auch das Zöllibat muss nicht gleich schlecht sein. Wer aus eigener Einsicht erkannt hat, dass ein Leben ohne sexuelle Praktiken das eigene Leid mindert, kann dadurch vermutlich einen Nutzen ziehen. Anders verhält es sich, wenn man sich dem Zöllibat verpflichtet, weil es andere zu einem sagen. Im Grunde muss immer die Einsicht in einem selbst stattfinden und nicht etwa die Lehre eines anderen blind übernommen werden. Von daher finde ich es schon richtig, dass man nicht klar sagen kann, Sex ist gut oder Sex ist schlecht. Es lohnt sich dies mithilfe der Achtsamkeitspraxis zu untersuchen und zu durchschauen, damit man seine eigenen Erfahrungen machen kann. Die Meinung eines fremden, bringt keinen weiter.

    Daher wirkt dieser Artikel für mich etwas zu einseitig betrachtet. Dieser spiegelt für mich vielmehr eine Meinung von vielen wieder. Der Artikel klingt zum Teil aber so, als hätte er Recht und alles aus Buddhismus aktuell ist „Humbug“. Dies liegt womöglich an deiner grundlegenden Herangehensweise an den Buddhismus. Letztendlich sagt dein Titel „Denken, nicht meditieren“ schon viel aus. Denn erst wenn das Denken aufhört und die Meditation begingt, kommen auch manche Einsichten, die einem „Denker“ völlig fremd erscheinen. Dies ist mein erster Eindruck, den ich hier im Blog verspüre. Es ist auch nur mein Eindruck und der ist letztlich völlig unwichtig. Ich hoffe nur, dass du nicht zu viel denkst und zu wenig meditierst, während du über Meditation schreibst ;)

    Liebe Grüße

  11. 

    Lieber talrum,

    es ging vor allem darum klar zu machen, daß in der Zeitschrift ein ziemlich überholtest Bild der Sexualität gegeben wird. Daß man mit Sex so seine Probleme haben kann, ist dabei unbenommen.

    Der Schlußsatz allerdings, der wie so häufig das Denken gegen das Meditieren ausspielt, hat mit dem Artikel über Buddhismus aktuell rein gar nichts zu tun. Oder willst du sagen ich solle mehr meditieren, damit ich Buddhismus aktuell besser verstehe?

    Zum Thema „Denken, Nicht Meditiern!“ habe ich gerade hier was geschrieben.

    Viele Grüße, Matthias

  12. 

    Meiner Meinung nach gibt es kein einheitliches Bild der Sexualität. Von daher kann da auch nichts überholt sein. Man kann seine eigene Sexualität nur durch Achtsamkeit ergründen. Welche Schlüsse man daraus zieht und welche Einflüsse dies auf einen hat, sind individuell verschieden.

  13. 

    Hallo talrum,

    natürlich ist Sexualität tendenziell problematisch und ich würde der Kernaussage des Textes in Buddhismus aktuell, dass Achtsamkeit hier helfen kann überhaupt nicht widersprechen.

    Was mich daran stört ist eher die „Rhetorik“. Zum Beispiel die Frage „Ist Selbstbefriedigung schädlich [für die spirituelle Entwicklung]?“.

    Das suggeriert schonmal, dass Sexualität irgendwie im Wege steht, wenn man Buddhist ist. Man hätte auch anders fragen können „Wie kann Spiritualität helfen mit der eigenen Sexualität entspannter umzugehen?“.

    Sexualität ist schon problematisch genug, da sollte man Lösungen besprechen nicht neue Problem herbeireden.

    Genauso bei dem Zölibat. Ein einziger Nebensatz im Sinne von „aber natürlich sind für Laienpraktizierende andere Dinge erstmal wichtiger“ hätte schon genügt, das ganze sehr zu entspannen.

    Sexualität ist in unserer Kultur (u.a. durch seine ständige Präsenz so Überproblematisiert), dass es einfach schön gewesen wäre, wenn der Buddhismus hier etwas für „Entspannung“ sorgt, was Achtsamkeit meiner Meinung nach auch leisten kann und sollte.

  14. 

    Hallo saibhu,

    ich denke da hast du recht. Die Artikel in Buddhismus aktuell konnte ich leider nicht lesen, aber die Überschriften (wie in vielen Zeitschriften, Blogs etc.) sind oft in der Rhetorik so gewählt, dass sie neugierig machen. Meist beinhalten dann auch die Artikel mehr Rhetorik und weniger tiefgreifende Weisheiten.

  15. 

    „Das suggeriert schonmal, dass Sexualität irgendwie im Wege steht, wenn man Buddhist ist. Man hätte auch anders fragen können “Wie kann Spiritualität helfen mit der eigenen Sexualität entspannter umzugehen?”.

    Sexualität ist schon problematisch genug, da sollte man Lösungen besprechen nicht neue Problem herbeireden.“

    Das ist treffend ausgedrückt. In solchen Diskussionen wird die Sexualität, von der wir heute allerdings an jeder Ecke erschlagen werden, die dadurch sowieso schon ein Problem darstellt, zu einem neuen, noch gefährlicheren Problem aufgeplustert. Hier mutiert die Sexualität dann plötzlich zu einem sprituellen Hinderniss auf dem Pfad, das kontrolliert und beherrscht werden muss.

  16. 

    Irgendwie wird das „blockquote“ nicht genommen… Naja…

    Hier noch ein paar schicke Zitate aus einem buddhistischen Forum in einer Diskussion über Selbstbefriedigung und spirituelle Entwicklung:

    „Wenn man etwas begehrt soll man halt den ekel darin sehn um gleichmut zu erreichen.“

    oder:

    „Es geht darum sich vom Körper abzuwenden, genau wie dem Bewusstsein, Wahrnehmung, Gefühlen etc..“

    Na, wenn das keine Steilvorlagen für nette, hübsche Psychostörungen sind…

  17. 

    Hi imyohorengekyo

    blockquotes gehen in diesem Layout in den Kommentaren nicht. Habe ich auch erst kürzlich festgestellt. Schreib mir eine Mail wie es aussehen soll, dann setzte ich es in Anführungszeichen.

    Was die Diskussion im Buddhaland angeht, bin ich etwas ratlos. Da ich sie angestoßen habe, fühle ich mich verpflichtet, noch was Vernünftiges dazu zu sagen, mir fällt blos nix ein wenn ich da so drüber lese…

    @ talrum. Meine Brille die ich aufhatte bei der Lektüre des Heftes ist sozusagen die eines Psycho-Detektivs. Als Beispiel mag der Abschnitt Sexualität – die Königin der Probleme! dienen.

    Wielfried Reuter interpretiert diese Aussage völlig falsch. Die ursprüngliche Aussage des Biologen Graham Bel fragt, warum überhaupt in der Evolution Zweigeschlechtlichkeit entstanden ist? Seine Frage ist eine rein evolutionsbiologische und hat Nullkommanichts mit dem zu tun was wir unter Sexualität verstehen. Es wäre nun ein leichtes für Reuter gewesen das Zitat nachzuschlagen (ich habe es auch im Internet recherchiert) und zu prüfen. Aber er hat es nicht getan. Der Psychologe fragt nun, warum prüft er das Zitat nicht, obwohl es von so großer Wichtigkeit für ihn ist? Er verwendet es mehrmals, auch auf dem Kongress. Die Vermutung ist: weil es so gut zu seiner Hypothese passt, oder vielmehr: weil es seine Hypothese so gut ausdrückt!

    Es ist meine Vermutung, das stimmt, aber sie wird noch durch den Kontext den sein Text aufbaut gestützt. Deswegen sage ich, man sollte sich diesem Guru zumindest nicht ohne Vorbehalte anvertrauen – d.h. auch seine textlichen Ratschläge sollte man eher mit sehr großer Skepsis ansehen. Denn wenn seine – unbewußte – Annahme stimmt, daß die Sexualität an sich das Problem ist, dann wird er das Problem nicht lösen, denn er kann sie ja nicht los werden.

    Viele Grüße, Matthias

  18. 

    Ich bin bei den Diskussionen im Buddhaland öfter etwas ratlos. Aber ich denke nicht, dass man zu einer Teilnahme verpflichtet ist, wenn man die Diskussion angestoßen hat. Die Menschen verstehen bei mehr Worten nicht unbedingt besser…

    @“Wielfried Reuter interpretiert diese Aussage völlig falsch. Die ursprüngliche Aussage des Biologen Graham Bel fragt, warum überhaupt in der Evolution Zweigeschlechtlichkeit entstanden ist? Seine Frage ist eine rein evolutionsbiologische und hat Nullkommanichts mit dem zu tun was wir unter Sexualität verstehen.“

    Genau. Für einen Menschen ist Sexualität eine Art der Kommunikation und noch einiges mehr, denke ich.

    @“Die Vermutung ist: weil es so gut zu seiner Hypothese passt, oder vielmehr: weil es seine Hypothese so gut ausdrückt!

    Das wird ja oft so gemacht. Zitate werden aus dem Zusammenhang gerissen und in einem anderen Sinn verwendet. Machen viele Leute mit vielen Quellen. Deswegen lohnt sich immer, mal genauer nachzuschauen.

  19. 

    Falls du die Diskussion nicht weiter verfolgt hast… Sie ist am Ende noch so richtig entglitten. Auf was für Ideen die Leute kommen! Ich verzichte auf ein Zitat, weil es voll ekelig ist. Du weißt ja, wo du den Scheiß findest… :mrgreen:

  20. 

    @imyohorengekyo

    Jetzt haftest du aber schon ganz schön an etwas an. Man versteht die Sachen immer so, wie man sie verstehen will und schon ist das Leid da, wenn der Gleichmut schwindet. Wenn du jetzt die gelesenen Worte und deren Wirkung in deinem Geist mit Achstamkeit beobachtest, fällt dir auf, dass es unzählige Interpretationen der gelesenen Worte gibt. Man kann sie interpretieren, dass sie einem mit Ekel aufstoßen oder man kann sie so interpretieren, dass sie nicht aufstoßen. Was die Wahrheit der Worte bzw. der ursprüngliche Gedanke des Verfassers ist, wirst du nie erfahren. Aber letzten Endes spielt es keine Rolle. Man kann es nicht ändern, es ist längs vergangen. Am besten man hört hier auf zu interpretieren und beobachtet einfach nur, wie der anhaftende Ekel wieder verschwindet. Dadurch kannst du Gleichmut entwickeln und dein eigenes Leid mindern.

    Auf der anderen Seite kann man aber auch rumrennen und mit dem Finger auf Dinge zeigen und sich beschweren. Der Ekel in einem wird immer stärker, man regt sich immer mehr auf, sucht Leute, die sich auch darüber aufregen und einen in seinem Ekel bestätigen und so weiter und so fort. Leider führt das zu immer mehr Leiden, denn man hat sich in seinen eigenen Ansichten verrannt und die Anhaftung wird immer stärker.

  21. 

    Lieber Talrum,

    ich leide nicht, dass kannst du mir glauben. Aber über einen solchen „Gleichmut“ wie von dir würden sich „spezielle“ katholische Priester sehr freuen. Oder die Lehrer von der Odenwaldschule. Ich bin leider so „verhaftet“ mit der Realität, dass ich zur Polizei gehen gehen würde. Auch auf einer Plattform habe ich schon einmal „so“ jemanden angezeigt. Kannst ja ein Sutra für mein Karma lesen… Man dankt.

    Aber vielleicht hast du auch den Thread nicht richtig gelesen. Die Klamotten befinden sich auf Seite 6. Die Originalpostings hat Jung schon gelöscht. Es gibt nur noch die Zitate. Pädophile freuen sich über gleichmütige Menschen, die sich nicht um so einen Scheiß kümmern.

    Zitat: „Sowohl in der alten griechischen Kultur wie auch bei den Tibetern wurde generationübergreifender Sex als hilfreich für die spirituelle Entwicklung der Kinder (!) angesehen.“

    Die Verfasserin meinte damit Kinder im Grundschulalter… Das ist pädophil verbrämte Kackscheiße, wie es treffend bezeichnet wurde.

    Danke für deinen Tip, da gleichmütig zu bleiben. Aber da informiere ich im Zweifelsfall lieber die Polizei. Und da würde ich auch gerne für leiden.

  22. 

    Ach ja, lieber Talrum, falls du den Schuss nicht gehört hast: Ich praktiziere Mahayana.

    Bonno soku bodai.

    Bodhisattvas kommen auf die Erde um trotz oder wegen ihres Leidens anderen zu helfen.

  23. 

    Wenn du jetzt aber ein Problem direkt mit einer Person hast, wo du schon darüber nachdenkst die Polizei zu informieren, dann kläre das doch direkt und persönlich mit dieser Person und handle dementsprechend. Dies kann man auch gleichmütig tun.

    Den Gleichmut verlierst du aber in dem Moment, wenn du hier her kommst und deinen Ekel kundtust. Das bringt niemandem etwas bzw. schürt am Ende nur Vorurteile. Hier geht es ja eher um etwas allgemeines und insbesondere um Buddhismus aktuell. Von daher ist hier nicht der richtige Ort deinen Ärger loszuwerden.

    Aber das geht ja jedem so. Wenn man seinen Gleichmut verliert, reagiert man automatisch in einer Weise, die einem selbst und anderen nichts bringt bzw. einem selber nur Leid zuführt.

    Wie oben schon beschrieben, kannst du an den geschriebenen Worten des Autors erstmal nichts mehr ändern. Ebenso ist die Interpretation nicht immer ganz einfach. Du hast aber schon in eine Richtung interpretiert, die dir innerlich aufstößt. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder du hast recht mit deiner Interpretation oder du hast unrecht. Aber selbst wenn du recht hast, kannst du nur z.B. wie du oben schon beschrieben hast, mit der Polizei handeln. Mehr kannst du wahrscheinlich nicht tun. Der innere Ekel, das Leid, sind hierzu nicht nötig, ebenso wie deinen Ärger hier kundzutun. Gleichmütig und achtsam kannst du dies persönlich klären und je nachdem handeln.

  24. 

    Blogs dienen genau dazu: Seine Meinung loszuwerden. Das hier ist kein Forum, in dem man sich an ein Thema halten muss. Wenn es mir passt, kann ich hier mein letztes Puddingrezept posten, wenn Matthias nichts dagegen hat.

    Außerdem war mein mein Kommentar nicht an dich gerichtet oder als allgemeiner Disskussiionsbeitrag gedacht (ist bei Blogs nicht so streng, wenn der Besitzer dich nicht löscht) sondern an Matthias der oben schrieb:

    „Was die Diskussion im Buddhaland angeht, bin ich etwas ratlos. Da ich sie angestoßen habe, fühle ich mich verpflichtet, noch was Vernünftiges dazu zu sagen, mir fällt blos nix ein wenn ich da so drüber lese…“

    Also überlese meine Kommentare einfach…

  25. 

    Aber wie gesagt: da das hier eine Kommentarfunktion in einem Blog ist und kein Forum, bist du herzlich eingeladen, zu allem deinen Senf loszuwerden. Ich kann dich ja auch überlesen… ;-)

  26. 

    Ach ja… Spitzfindig kann ich übrigens auch… Deine Aussage oben „Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder du hast recht mit deiner Interpretation oder du hast unrecht.“ ist Unsinn. Es gibt noch eine Menge anderer Möglichkeiten.

    „Diese spekulativen Ansichten sind vom Erhabenen nicht verkündet worden, sind von ihm verworfen und abgelehnt worden, nämlich:

    ‘Die Welt ist ewig’ und
    ‘die Welt ist nicht ewig’;
    ‘die Welt ist endlich’ und
    ‘die Welt ist unendlich’;
    ‘die Seele ist das gleiche wie der Körper’ und
    ‘die Seele ist eine Sache und der Körper eine andere’; und
    ‘ein Tathagata existiert nach dem Tode’ und
    ‘ein Tathagata existiert nach dem Tode nicht’ und
    ‘sowohl existiert ein Tathāgata nach dem Tode, als auch existiert er nicht’ und
    ‘weder existiert ein Tathāgata nach dem Tode, noch existiert er nicht.’“

    (Culamalunkya Sutra)

    » Das Catuskoti in der buddhistischen Philosophie

  27. 

    Ich wollte dir damit auch nicht zu nahe treten. Mir kommt es einfach nur so vor, wie wenn du innerlich von einer Anhaftung geritten wirst. Von daher versuchst du dich jetzt zu rechtfertigen. Das ist auch völlig logisch, da es meist so mit Anhaftungen läuft. Irgendetwas stößte einem auf, man haftet daran an, man kommuniziert dies nach außen, um Bestätigung und Gleichgesinnte zu suchen. Dies ist sozusagen die geglaubte Medizin gegen dieses unwohlige Aufstoßen. Wenn da jetzt viele kommen und einem in seiner Anhaftung bestätigen, in dem sie ihm Recht geben, dann fühlt es sich gleich schon viel besser an. Wenn jedoch einer einem wiederspricht, dann kommt neues Unwohlsein auf und man rechtfertigt sich. Das Ego macht es einem da nicht einfach, innerlich nochmal alles zu überdenken und zu überlegen, in wie weit man vorher wirklich angehaftet war und wir stark man von seinen Emotionen getrieben wurde.

    Natürlich kann man in einem Blogkommentar seine Meinung los werden. Da es hier jedoch auch um Buddhismus geht, viel mir dein Kommentar einfach auf. Worte wie…

    „Auf was für Ideen die Leute kommen! Ich verzichte auf ein Zitat, weil es voll ekelig ist. Du weißt ja, wo du den Scheiß findest… :mrgreen:“

    …klingen für mich nicht gerade nach buddhistischer Weisheit. Das sah für mich einfach aus, wie eine starke emotionale Anhaftung. Aus diesem Grund wollte ich dich darauf aufmerksam machen ohne dich jedoch damit angreifen zu wollen.

  28. 

    Zum Thema ‚rosie‘ im Buddhaland, Belehrender Umgangston und Anonymität.

    1) ‚rosie‘: Ich habe mir gerade ‚rosies‘ Äusserungen genauer angesehen. Mir persönlich scheint klar zu sein, daß ‚rosie‘ keine Frau ist wie ’sie‘ explizit vorgibt. Eine ganze Reihe weiterer Indizien verweisen recht eindeutig darauf wer ‚rosie‘ ist. In welchem Zusammenhang das mit ‚ihren‘ Äusserungen über Sexualität bei Kindern steht, darüber mag jeder spekulieren – im Buddhaland.

    2) Belehrungen: @talrum: Ich finde deinen belehrenden Ton Scheisse. Alles klar?

    3) Anonymität: Ich weiss zwar nicht was z.B. imyohorengekyo im Leben sonst so macht, wo er wohnt, Beruf etc. aber ich weiss was er schreibt und habe deshalb den Eindruck, mit einer ehrlichen Person zu reden.
    Wer andererseits eine (unter Umständen durchaus zu rechtfertigenden) Anonymität nutzt um irgendwelche miesen Spielchen zu spielen, kann bei mir mit absolut keinerlei Toleranz rechnen. Ich hoffe wir verstehen uns ‚talrum‘.

    Beste Grüße, Matthias

  29. 

    „@talrum: Ich finde deinen belehrenden Ton Scheisse. Alles klar?“

    Ich habe lediglich in einem kritisierenden Blog Kritik geübt. Man kann dies gerne argumentativ kritisieren oder auch einfach unbuddhistisch als einen scheiss Ton bezeichnen.

    „Wer andererseits eine (unter Umständen durchaus zu rechtfertigenden) Anonymität nutzt um irgendwelche miesen Spielchen zu spielen, kann bei mir mit absolut keinerlei Toleranz rechnen. Ich hoffe wir verstehen uns ‘talrum’.“

    Ich wüsste nicht, was meine reale Identität mit dem Thema zu tun hat. Geht es hier nicht vielmehr um einen argumentativen Austausch? Argumente müssen nicht mit realen Personen verknüpft sein, wenn man nur den Inhalt betrachtet. Auch die Unterstellung eines „miesen Spielchens“ ist nach meiner Erkenntnis unbuddhistisch, ebenso wie die Untoleranz gegenüber anderen Meinungen.

    Ich bin nur ein Kritiker in einem kritischen Blog. Nach meiner Meinung wird hier durch zu viel emotionales und zu wenig sachliches Schreiben eine Sichtweise über andere Personen und Gruppen gebildet, welche letztlich nur zu Vorurteilen führen kann und die Anhaftungen der glaubwürdigen Leser stärkt. Dies halte ich für unbuddhistisch, weshalb ich hier versucht habe, möglichst sachlich die emotionalen Meinungen zu wiederlegen. Es tut mir leid, wenn das „belehrend“ herüberkommt, ich weiß nur leider nicht, wie ich meine Kritik anders kundtun könnte.

  30. 

    Hallo talrum,

    “Ich wollte dir damit auch nicht zu nahe treten.”

    Das ist mir bewusst. Ich fühle mich auch nicht angegriffen. Ich will dich auf deinen Denkfehler in Bezug auf meine Person hinweisen. Ich praktiziere Mahayana-Buddhismus. Ich hafte sozusagen gerne an. *smile*

    Bonno soku bodai : Störende Sorgen (Unwohlsein, Leid, Begierden) sind Erleuchtung

    http://nonin.de/seiten/prinzip1.htm#bonno

    Bitte lesen. Ich könnte es auch mit den Worten von Chih-I aus der Maka Shikan sagen, wie es Nichiren macht: Es heißt […], dass die […] Leiden von Geburt und Tod Nirvana sind. (zitiert aus Nichirens Gosho “Irdische Begierden sind Erleuchtung”)

    Buddhisten der Lotos-Schulen versuchen nicht, sich von Anhaftungen zu befreien. Das ist nach den Lehren der Lotos-Schulen nicht nötig und auch nicht möglich. Sie transzendieren die Anhaftungen. Das kann auch dadurch geschehen, das Ärger an bestimmter Stelle zu einem bestimmten Zweck (um ein gutes Ziel zu erreichen) ausgelebt wird.

    “…klingen für mich nicht gerade nach buddhistischer Weisheit.”

    Nö, ich bin ja auch kein buddhistischer Weiser… *grins* Und überhaupt: Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch. (Ikkyu Sojun, ist gerade eines meiner Lieblingszitate)

    “ohne dich jedoch damit angreifen zu wollen.”

    Wie gesagt: Das ist mir klar. Auf meinem Blog ist zu erkennen, wie ich ticke und dass eine solche Argumentation bei mir fehl am Platz ist. Bei bestimmten Themen hafte ich gerne an und schaffe meinem Ärger gerne Luft.

    „Argumente müssen nicht mit realen Personen verknüpft sein, wenn man nur den Inhalt betrachtet.“

    Genau. Der Inhalt deiner „Argumente“ passt mir nicht. Falls du mit Anhaftung kommst, siehe oben (Bonno).

    „Auch die Unterstellung eines “miesen Spielchens” ist nach meiner Erkenntnis unbuddhistisch, ebenso wie die Untoleranz gegenüber anderen Meinungen.“

    Hallo! Erde an talrum! Where are you lost? Houston, wir haben ein Problem… Intoleranz gegenüber anderen Meinungen könnte ungelogen eine originäre Erfindung einiger buddhistischer Schulen sein.

    Im Übrigen denke ich auch, dass du ein Spielchen treibst. Ein Spielchen der geistigen Diffamierung. Ich mag aber deinen schrägen Ausfluss hier nicht unkommentiert stehen lassen.

    Und als Letztes (ich dürfte den Troll jetzt genug gefüttert haben):

    Ich bin stolz darauf, das ich intolerant gegenüber bestimmten anderen Meinungen bin, wie z. B. von Nazis, prügelnden Eltern, Frauen verprügelnden Männern, Schwule verprügelnden Menschen, Pädos und vielen anderen Gruppen (Liste ist zu lang für hier *gg*). Diese fordern natürlich immer wieder Toleranz ein. Mit mir ist das nicht zu machen.

    Lieber talrum, viel Spaß noch beim Leben deiner Wahl.

  31. 

    @Matthias

    „Mir persönlich scheint klar zu sein, daß ‘rosie’ keine Frau ist wie ‘sie’ explizit vorgibt.“

    Danke! Jetzt weiß ich, was ich an der ganzen Sache irgendwie untergründig seltsam fand. Ich habe noch nie (!) eine Frau dieses Thema mit den alten Griechen verteidigen hören. Echt, noch nie. Und ich lebe schon eine ganze Weile. Das waren immer nur sehr seltsame Typen in Kneipendiskussionen, die schon einen sitzen hatten…

  32. 

    @imyohorengekyo

    Alles klar, dann hat es sich geklärt. Unsere Standpunkte sind da wohl zu verschieden :)

    Dir wünsche ich natürlich auch alles Gute!

  33. 

    Manchmal bin ich auch richtig lahmarschig in der Birne. Ich hatte schon einmal bemerkt, dass alle Webseiten des Betreibers von Buddhaland.de auf Seiten führen, auf denen zwischen sehr wenigen Alibibüchern die “Werke des bedeutendsten spirituellen Meisters der Gegenwart” feil geboten werden.

    Seine “zahlreichen auch ins Englische übersetzten Bücher ermöglichen dem geistig Suchenden einen tieferen Zugang zur grundlegenden Essenz aller Mystik”. *gacker* Das konnte ich den Beiträgen im Buddhaland.de ja deutlich entnehmen. Dort wird er über den grünen Klee gelobt und wenn er mal platt gemacht zu werden droht, mischt sich sogar der Oberseitenguru mit harschen Worten ein, der sich sonst nie zu Wort meldet. Über Osho darf man auch seitenlange unübersichtliche Beiträge posten, ohne ermahnt oder zensiert zu werden. Der Oberseitenguru postete sogar zu Osho einen längeren Text, dass kein (!) negatives Wort über Osho in Buddhaland.de geduldet werde, genau wie kein negatives Wort über “den bedeutendsten spirituellen Meisters der Gegenwart” verloren werden dürfe. Über alles andere wird unglaublich schlimm gelästert.

    Neulingen, die nach Zen fragen, wird durch ein subtiles Spiel klar zu machen versucht, dass der “bedeutendste spirituelle Meister der Gegenwart” aus Süddeutschland der Weisheit letzter Schluss ist und in allen Lebenslagen Hilfe und Ausweg bieten kann.

    Ach ja, habe ich schon erzählt, dass der “bedeutendste spirituelle Meister der Gegenwart” ein vollkommen Erwachter ist? Wenn ich das Foto auf seiner Webseite sehe muss ich an Darth Vader ohne Maske denken.

    Ich muss ja echt was am Kopp haben… Du weißt was ich meine.

  34. 

    Guten Morgen imyohorengekyo

    Ich habe mich vorhin bei einer ersten Tasse Kaffee kaputt gelacht über deinen Text. Besonders als ich realisierte was es mit dem „Kopp“ tatsächlich auf sich hat.

    Dann aber hat mich dein „Kopp“ zu diesem Text hier inspiriert.

    Vielen Dank und einen wunderbaren Frühlingstag.

  35. 

    Mir ist spontan ein Name für den Watchblog eingefallen: BuddhistBullshit.

    Beeindruckend auch die große Wortähnlichkeit. Man muss nur ‚d‘ durch ‚l‘ ersetzen und das ’s‘ vorziehen.

  36. 

    @talrum. Vielleicht war ich ein wenig hart. Ich kann dich allerdings nicht verorten, im Gegensatz zu den anderen hier, und deshalb habe ich mich aus längst vergangenen Zeiten, in den ich in anderen Foren recht aktiv war, daran erinnert, daß es ganz gut ist ein wenig mißtrauisch zu sein bevor man seine Pappenheimer im Internet nicht kennt. Also nix für ungut.

    Was dein Posting u.a. hier z.B. angeht, ist es allerdings schon so, daß es recht voll mit x-buddhistischem Gesülze ist.

    Ein Satz wie der hier z.B.: „Mir kommt es einfach nur so vor, wie wenn du innerlich von einer Anhaftung geritten wirst.“ „Anhaften“ was ist das in realer Sprache, nicht als Platzhalter für irgend was buddhistisches, heiliges irgendwie-ich-weiss-nicht-kann-man-nicht-in-Worte-fassen?

    Des weiteren, was jemanden „innerlich“ bewegt bleibt seinen Artgenossen weitgehend verschlossen, was wir vom anderen mitbekommen ist lediglich der Ausdruck – der natürlich auf eine gewisse Innerlichkeit schließen lassen könnte. Es ist allerdings meisten recht weise sich Spekulationen über die Innerlichkeit andere Leute zu enthalten, da sie in hitzigen Diskussionen häufig zu Abwertungen ausarten. Selbst ein „du verstehst mich nicht richtig“ ist das schon. Ja da muß man sich eben mehr Mühe geben sich auszudrücken.

    Aus diesem Grund ist ein Satz wie der zitierte ein buddhistisches gut gewollt aber schlecht gemacht.

    Deine Art zu reden ist einfach belehrend: „Das Ego macht es einem da nicht einfach, innerlich nochmal alles zu überdenken und zu überlegen, in wie weit man vorher wirklich angehaftet war und wir stark man von seinen Emotionen getrieben wurde. Auf welcher Stufe des Erwacht seins stehst du den so zu reden? Sind wir hier die Doofen und du hast irgendwie vom Heiligen Geist eine gewischt bekommen?

    Anstatt zu argumentieren führst du hier leeres Gesülze ins Feld. Das sind Nebelkerzen die die Sicht verschleiern. Was sind deine Argumente? Ich frage nur rhetorisch, nicht daß wir uns mißverstehen, ich habe keine Lust auf eine ‚rosie‘-Debatte hier.

    Und wenn man dann noch sowas sagt: „Von daher versuchst du dich jetzt zu rechtfertigen“, dann schlägt das vollends auf dich selbst zurück. Was versuchst du denn hier zu rechtfertigen? Was ist dein Motiv so für ‚rosie‘ einzutreten?

    Außerdem: Ich finde imyohorengekyo hat nur zu Recht mit seinen Einwänden. In Hinsicht auf diese reichlich dubiosen Postings von ‚rosie‘ Nicht-Anhaften anzumahnen ist genauso dubios wie das was ‚rosie‘ von sich gibt. Dein Nicht-Anhaften läuft auf ein Nicht-Hinsehen hinaus. Das Gegenteil wäre angebracht. Ein Hinsehen, das mal genau prüft was das für Äusserungen sind und von wem die gemacht werden. In dieser Hinsicht bleibst du mir bis auf weiteres auch dubios.

    Also talrum, bitte keine weiteren Belehrungn. Gerne mehr Inhaltliches – aber auch nicht über ‚rosie‘, dafür haben wir ja das Buddhaland.

  37. 

    Ich hatte richtig viel Freude beim Lesen dieses unstromlinienförmigen Artikels … bis ich mit Schrecken meinen Namen lesen musste.

    “ Wir hören den Bericht aus einem Workshop mit Klar-Ludwig Leiter: Mit weicher Stimme und dem weiten Herzen eines buddhistischen Lehrers riet er nach dem Kriterium der Fülle zu entscheiden. »Wählt die Lebensform – Zöllibat oder Partnerschaft – in der ihr inneres Fliessen und Strömen spürt«. (S. 54) …mir kommen die Tränen. “

    … da muss man aber sauberer recherchieren, die BA aufmerksamer lesen und dann bitte richtig zitieren bzw. nicht jemandem fälschlicherweise ein Zitat in den Mund legen, der sich eher an scharfen Ecken und knackigen Kanten freut als ein Anhänger des Strömens und Fliessens zu sein.

    … und eine weiche Stimme hab´ich auch nicht. (Außer wenn ich Kreide fressen muss beim Besuch der sieben Geislein)

    Karl-Ludwig Leiter

  38. 

    Nachtrag 5.4.12

    Lieber Karl-Ludwig

    Ich habe das jetzt entsprechend korrigiert. Ich hatte tatsächlich die entsprechende Stelle zweimal überlesen. Diese nicht gerade kleine Fehlleistung meinerseits ist nicht nur damit zu erklären, daß ich nur die entsprechende Anstreichung in meinem Heft kontrolliert hatte, ohne den Kontext noch einmal zu prüfen, sondern sie zeigt wohl auch, wie sehr mir meine eigene Position am Herzen lag.

    Viele Grüße, Matthias

    —————

    Der ursprüngliche Text and dieser Stelle vom 26.3.:

    Sorry wegen des Schreckens. Das Zitat ist allerdings zeichengenau dem BA-Heft entnommen. Es ist aus dem Bericht Bettina Geitners über die Workshops. Dort schreibt sie das Zitierte auf Seite 54. Das was sie von dir zitiert steht in den spitzen Klammern – also das „Fliessen und Strömen“. Den Eindruck den man an dieser Stelle von dir bekommt geht also auf ihre Kappe.

    Dazu sei aber noch folgendes gesagt. Der von dir angesprochene Absatz erscheint vielleicht wie eine Spitze meinerseits gegen dich. Tatsächlich aber wirst du so in BA dargestellt. Was ich nicht explizit klar gemacht habe ist, daß in diesem Falle speziell und allgemein das ganze Heft aussieht als wenn man durch einen besondern Filter sähe. Ich spreche ja weiter unten auch über den „X-Buddhismus, so wie er in dieser Publikation präsentiert wird.“ In deinem Falle ist mir das aufgefallen, weil du zwei Seiten vorher ganz anders beschrieben wirst: „Karl-Ludwig Leiter […] »Wenn wir Buddhismus von unserem Leben trennen, dann leben wir einen Spaltung.« Er setzt hinzu: »Ich habe noch nie als Buddhist gevögelt.« (S. 52) Die Diskrepanz zwischen jenem kurzen Portrait und dem weichgespülten Vogel als den Frau Geitner dich zeichnet wird schon klar wenn man das Heft im Detail ansieht. Eine genauere Analyse des Heftes ergäbe eine Menge anderer kleiner Bruchstellen, denen man entnehmen kann, daß hier ein Bild gezeichnet wird, das vielleicht ein klitze kleines bisschen verzerrt ist. Bettina Geitner spricht z.B. von einer „hitzigen“ Podiumsdikussion (S. 53) während der Bericht über jene Diskussion von Michaela Doepke (S. 48 ff) doch ein recht braves Bild zeichnet.

    Ich habe zwei drei Absätze weiter unten kurz noch angesprochen, „daß es auch Licht im Dunkel dieser liebevollen Seligkeit gibt“, ohne das näher auszuführen. Zu diesem Licht so wie sich das in diesem Heft darstellt gehörst anscheinend du genauso wie etwa Revato Axel Wasmann: „Ob man in der Meditationshalle sitzt oder nackt mit seiner Partnerin im Bett liegt, sagt noch nichts darüber aus, in wie weit man sich in Samsara verliert.“ (Interview, S. 55)

    Genauso gehört auch Brad Warner zu den eher progressiven Kräften die auf dem Kongress gehört wurden. (S. 24 ff) Ebenso war der Vortrag von Aglaja Valentina Stirn (S. 50) sicherlich sehr interessant und hat wahrscheinlich eine andere als diese hausbackene weltabgewandte Sicht auf den Sexus vertreten. Der Österreicher Helmut Poller wurde gar zunächst ein- und dann wieder ausgeladen – was auch auf gewisse interne Adjustierungen des Erscheinungsbildes schließen lässt. Da ist wohl wirklich eine Menge gefiltert worden. Das ergibt sich auch aus einer kurzen Korrespondenz die ich mit SoGen (Ralf Boeck ) hatte (siehe hier). Er sagt kurz und bündig: „Was nun die ‘Buddhismus Aktuell’ angeht, so ist wiederum deren Berichterstattung über den Kongress nicht repräsentativ für diesen.“

    Ich hoffe, daß hiermit das Bild ein wenig zurecht gerückt wird. Wenn ich Zeit dazu finde, kommt auch noch ein kleiner Nachtrag über all diese Diskrepanzen. Evtl. auch ein Vergleich mit „Ursache & Wirkung“ Nr. 79, dem aktuellen österreichischem Heft über „buddhistischer Aspekte“. Wenn man das Heft in die Hand nimmt und durchblättert scheint einem sofort ein ganz andere Haltung entgegen zu treten. Schon auf dem Titelblatt springt einem der Unterschied zu „Buddhismus aktuell“ ins Auge. Da steht ohne Wenn und Aber: Heilender Sex

    Beste Grüße, Matthias

    P.S. Ich werde einen Verweis auf diese Klarstellung im Text anbringen.

  39. 

    Ich habe hier zwei Kommentare von ‚rosie‘ die ich nicht freischalten werde. Aus zwei Gründen.

    1) ‚rosie‘ spielt eines dieser in Diskussionsforen so beliebten Bäumchen wechsle dich-Spielchen. Ich werde darauf nicht eingehen.

    2) Inhaltlich beziehen sich die Kommentare auf verschiedene ‚Diskussionen‘ im so genannten Buddhaland. Diese hier fort zu setzen ist so ziemlich das Allerletzte an was ich Interesse habe.

  40. 

    Der Absatz über die Workshops wurde korrigiert. Ich hatte Karl-Ludwig Leiter fälschlicher Weise ein Zitat in den Mund gelegt, das nicht von ihm stammt.

  41. 

    Wenn ich ehrlich bin, verstehe ich nicht, warum es überhaupt solche Diskussionen gibt. Ich persönlich würde mir von niemanden (nicht nicht mal von Buddha persönlich) vorschreiben lassen, mit wem/ wie oft/ welches Geschlecht/ und wann ich Sex habe. Das ist meine Sache.

    Und genauso wenig interessiert mich das Sexleben eines Anderen.

    Das was hier überbewertet wird ist nicht der Sex, sondern der Buddhismus.

    Die Erwartungshaltung was und wie ein Buddhist zu sein hat. Auch ich war im Buddhaland.
    Die (Auf)Wertung eines Buddhisten, habe ich nicht bestanden.

    Grüße von Jo.

  42. 

    Hier vielleicht hilfreich (uhh… Jo, ließ es nicht. Du wirst es nicht verstehen und nur zornig sein) :-)

    Methuna Sutta –
    Die Lehrrede über Vereinigung
    [Die sieben Fesseln der Sexualität]
    (Anguttara Nikaya 7.47/4:54-56)
    Übersetzt von Piya Tan ©2007
    http://sangham.net/index.php?topic=373.0

  43. 

    Wir wäre es denn mal mit dem tantrischen Buddhismus? Im Karmamudra vereinigen sich Mann und Frau. Wenn die Sexualität mal nicht mehr zur Erzeugung von Nachkommen benötigt wird, tut sich ein weiter Bereich auf, aber es braucht viel Zeit dafür und die haben arbeitende Menschen in diesem Land leider nicht. Um an Paulo Coelho’s Buch 11 Minuten zu erinnern, da geht die Tür noch nicht auf.

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  1. Buddhismus abschaffen – Das Problem mit der Sprache « Säkularer Buddhismus - März 28, 2012

    […] auch praktisch um sich dahinter zu verstecken. Anstatt zu sagen was einem am anderen nicht passt, wirft man ihm vor “anzuhaften”. Anstatt uns zu helfen Dinge zu erklären, stellt Sprache hier ein Hindernis dar. Ähnlich wie der […]