Archive für Meditation

 

PflegemittelMeditation

Pflegemittelabteilung

Vor kurzem wurden hier zwei Formen der Meditation thematisiert. Es geht um die Meditation der Asozialen und um Einfach-mal-nichts-sein oder anders gesagt: Es geht um die Meditation derer, die sowieso schon alles haben und deswegen depressiv werden und um die Meditation derjenigen, die nichts haben und deswegen auch depressiv werden. Die Meditation der Asozialen ist die der wohlhabenden modernen Kapitalisten, die in hermetisch abgeschotteten Habitaten ihre Angstattacken mit Meditation therapieren. Tybalts Meditation ist die der ungeschützten Nichtshaber an den sozialen Aussenrändern unseres gemeinen Wesens. Verbunden sind sie alle im Stress, in der Angst, der Depression, der Sucht, in der Aggression gegen sich selbst und alle Anderen. Ihnen allen scheint sich ein Weg zu zeigen, mit diesen Symptomen der affektiven Verelendung unserer Gesellschaft umzugehen. Die Unterschiede bestehen in den Vermögensverhältnissen. Die einen sind krank mit Geld, die anderen ohne. Die einen können sich die Meditation kaufen, die anderen gehören nicht zur Zielgruppe der postmodernen Meditationsdealer und stoßen höchsten per Zufall auf die Fähigkeit aus dem eigenen prekären Sein heraus etwas Erhabenes zu tun, anstatt das eigene Elend vor der Glotze mit einer Tüte fettiger Chips zu kompensieren.

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Neulich auf dem Schulhof. Eine Lehrerin kommt mit einer ihrer Schülerinnen ins Gespräch. Die junge Frau ist auf dem Gymnasialzweig einer deutschen Gesamtschule. Sie kommt aus sozial ‚angespannten‘ Verhältnissen. So genannter Migrationshintergrund. Geschiedene Eltern, kein Kontakt zum Vater – „zuviel Stress“ –, wenig Geld. Das soziale Umfeld voller Versuchungen und Nötigungen. In einer kleinen deutschen Stadt mit hohem Anteil an Migranten. Schulklassen in denen fünf oder zehn Nationen, Kulturen, Sprachen aufeinander treffen. Überforderte und resignierte Lehrer, großartige Bildungsmöglichkeiten für quasi umsonst. Eltern die ihre Töchter mit 16 aus der Schule nehmen um sie an einen Cousin zu verheiraten. Andere Eltern die sich alles vom Mund absparen, um ihren Kindern eine guten Schulabschluss zu ermöglichen. Schwimmunterricht im Burkini oder im DSDS-Bikini. 5 € pro Schüler für den Einkauf eines halben Schuljahres Kochunterricht. Kinder die in Designerklamotten zum Unterricht kommen. Andere deren Kleidung offensichtlich zum ixten Mal aufgetragen wird. Kinder mit iPhone, Kinder mit Neid. 12-jährige deren kriminelle Karrieren vorgezeichnet sind. Andere die das Wissen geradezu saufen. Der ganz normale Wahnsinn an einer deutschen Gesamtschule.

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Nun, wie der Groß-Immobilenhändler Stefan Peter zum Beispiel. Er meditiert auf dem Dach seines 20-Millionen-Hauses in Berlin. Dort hat es Rasen, einen Swimmingpool und ein tolle Aussicht. Stefan Peter sitzt dort und atmet. „Meditation“, hat er gelernt, „ist auch ein Mittel zur Effizienzsteigerung. Ich arbeite weniger und habe mehr Erfolg.“ Die Meditation hat ihm auch Hilfe bei der Kaufentscheidung für seine Behausung geleistet. „Zu viel Vernunft“, findet er, „behindert nur Entscheidungsprozesse“. Ja, da würde sicherlich jeder Buddhist zustimmen. Zu viel Vernunft ist gar nicht gut.

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Des öfteren wurde ich inzwischen gebeten, Non-Buddhismus in einer Kurzdarstellung zu erklären. Sei es in einer kleinen Broschüre à la Batchelors Ein Säkularer Buddhismus, sei es, „das Programm der Unbuddhisten auf einer DIN A 4 Seite allgemeinverständlich zu formulieren“, sei es, „mit 2000 Zeichen“ non-buddhistische Einwände in einer Buddhismus-Zeitschrift zu formulieren, sei es, „non-buddhistische Praxis“ zu beschreiben oder sei es gar, zu erklären, wie man Non-Buddhist werden könne. Nichts von alledem ist möglich, da das Non nicht eine weitere Iteration buddhistisch-religiöser Denkmodelle ist, sondern da es an den einzelnen Menschen die Forderung stellt, selbst in einer Art Ex-Position zu etwas Anderem zu werden. In einem grundsätzlichen Shift eine andere Wirklichkeit zu gestalten. Jede Form parteipolitischer Programmatik führt zum genauen Gegenteil dieser Ex-Position.

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