Dieser Text ist eine kurze Einführung in den Non-Buddhismus. Er behandelt einige grundlegende Punkte und soll weitere Lektüre anregen. Wir wollen zukünftig mehr solche kurzen Texte bringen, die verschiedene wichtige Punkte beleuchten. Zum Beispiel: Entscheidung, minimales Transzendental, Non-Buddhismus und Meditation, der historische Buddha, ideologische Anrufung, effektives Wissen und die Verbindung zwischen Non-Buddhismus und Kapitalismuskritik. Diese einführenden Texte werden in der Kategorie MARKER oben in der Menüleiste abrufbar sein. Die englische Version dieses Textes findet sich auf The Non-Buddhist.

Ursprünge

Non-Buddhismus hat seinen Ursprung in der Arbeit von Glenn Wallis, einem in Harvard promovierten Buddhismuskundler. Desillusioniert mit der Entwicklung des amerikanischen Buddhismus, der sich nicht für zeitgenössisches Denken interessiert und zum politischen Quietismus neigt, gründete er das Blog Speculative Non-Buddhism als Plattform für eine Kritik buddhistischer Diskurse und Praktiken. Das Blog war von Mai 2011 bis März 2014 aktiv. Über diesen Zeitraum wurden ca. 100 Texte publiziert und mehr als 5000 Kommentare geschrieben. Eine Auswahl an ausführlicheren Texten wurde im E-Journal non+x publiziert. Unter seinen Mitstreitern waren u.a. Tom Pepper und Matthias Steingass, die beide Texte beisteuerten und an den oftmals hitzigen Diskussionen teilnahmen die beinahe jedem Text folgten. Alle drei brachten 2013 gemeinsam das Buch Cruel Theory Sublime Practice bei EyeCorner Press heraus.

Das Blog war bekannt für seine vielen, umfangreiche Kommentare (die oftmals in sich selbst substantielle Textbeiträge sind) und seine oft polemischen Auseinandersetzungen. Obwohl nicht länger aktiv, ist das Blog immer noch online erreichbar und es ist die umfassendste Quelle für alle, die am Projekt Non-Buddhismus interessiert sind.

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Vor kurzem wurden hier zwei Formen der Meditation thematisiert. Es geht um die Meditation der Asozialen und um Einfach-mal-nichts-sein oder anders gesagt: Es geht um die Meditation derer, die sowieso schon alles haben und deswegen depressiv werden und um die Meditation derjenigen, die nichts haben und deswegen auch depressiv werden. Die Meditation der Asozialen ist die der wohlhabenden modernen Kapitalisten, die in hermetisch abgeschotteten Habitaten ihre Angstattacken mit Meditation therapieren. Tybalts Meditation ist die der ungeschützten Nichtshaber an den sozialen Aussenrändern unseres gemeinen Wesens. Verbunden sind sie alle im Stress, in der Angst, der Depression, der Sucht, in der Aggression gegen sich selbst und alle Anderen. Ihnen allen scheint sich ein Weg zu zeigen, mit diesen Symptomen der affektiven Verelendung unserer Gesellschaft umzugehen. Die Unterschiede bestehen in den Vermögensverhältnissen. Die einen sind krank mit Geld, die anderen ohne. Die einen können sich die Meditation kaufen, die anderen gehören nicht zur Zielgruppe der postmodernen Meditationsdealer und stoßen höchsten per Zufall auf die Fähigkeit aus dem eigenen prekären Sein heraus etwas Erhabenes zu tun, anstatt das eigene Elend vor der Glotze mit einer Tüte fettiger Chips zu kompensieren.

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HR-Giger_GebaermaschineAlien, das war 1979. Der Androide an Bord der Nostromo sorgt dafür, dass die fremde Lebensform geborgen wird und aus ihrem temporärem Habitat der Stasis entkommen kann. Im Laufe der Handlung wird klar, dass die Company für die das Raumschiff Nostromo unterwegs ist, großes Interesse an der fremden Lebensform hat. Order im Schiffskomputer besagt, derartige Lebensformen, so man sie antrifft, zu bergen und an Bord zu nehmen um sie der Company zuzuführen.

Alien ist wie viele andere Filme Hollywoods eine Metapher unseres Irrsinns: Anstatt vorsichtig tastend auf dem Planetoiden vorzugehen von dem das Signal des Alien ausgesendet wird (das, wie sich herausstellt, kein Hilferuf ist sondern eine Warnung), eskalieren die Ereignisse sofort –: der Befehl der im System des Schiffes Nostromo alle anderen überschreibt, ist der, unter allen Umständen des potentiell maximierenden Elements, der fremden nuklearen Kraft, habhaft zu werden. Ash, der Androide an Bord der Nostromo, ist der, der tatsächlich die Befehlsgewalt stellvertretend für die Company ausübt und selbst da wo er zerfetzt und zerrissen und in einem See aus weißem Androidenblut liegend seine finalen Worte spricht, kann das sich entfaltende Drama nicht mehr aufgehalten werden. Es ist die Eigendynamik der Ereignisse. Die Dynamik eines Geschehens, das über einen Kipppunkt hinaus geht und dann irreversibel wird.

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Neulich auf dem Schulhof. Eine Lehrerin kommt mit einer ihrer Schülerinnen ins Gespräch. Die junge Frau ist auf dem Gymnasialzweig einer deutschen Gesamtschule. Sie kommt aus sozial ‚angespannten‘ Verhältnissen. So genannter Migrationshintergrund. Geschiedene Eltern, kein Kontakt zum Vater – „zuviel Stress“ –, wenig Geld. Das soziale Umfeld voller Versuchungen und Nötigungen. In einer kleinen deutschen Stadt mit hohem Anteil an Migranten. Schulklassen in denen fünf oder zehn Nationen, Kulturen, Sprachen aufeinander treffen. Überforderte und resignierte Lehrer, großartige Bildungsmöglichkeiten für quasi umsonst. Eltern die ihre Töchter mit 16 aus der Schule nehmen um sie an einen Cousin zu verheiraten. Andere Eltern die sich alles vom Mund absparen, um ihren Kindern eine guten Schulabschluss zu ermöglichen. Schwimmunterricht im Burkini oder im DSDS-Bikini. 5 € pro Schüler für den Einkauf eines halben Schuljahres Kochunterricht. Kinder die in Designerklamotten zum Unterricht kommen. Andere deren Kleidung offensichtlich zum ixten Mal aufgetragen wird. Kinder mit iPhone, Kinder mit Neid. 12-jährige deren kriminelle Karrieren vorgezeichnet sind. Andere die das Wissen geradezu saufen. Der ganz normale Wahnsinn an einer deutschen Gesamtschule.

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Nun, wie der Groß-Immobilenhändler Stefan Peter zum Beispiel. Er meditiert auf dem Dach seines 20-Millionen-Hauses in Berlin. Dort hat es Rasen, einen Swimmingpool und ein tolle Aussicht. Stefan Peter sitzt dort und atmet. „Meditation“, hat er gelernt, „ist auch ein Mittel zur Effizienzsteigerung. Ich arbeite weniger und habe mehr Erfolg.“ Die Meditation hat ihm auch Hilfe bei der Kaufentscheidung für seine Behausung geleistet. „Zu viel Vernunft“, findet er, „behindert nur Entscheidungsprozesse“. Ja, da würde sicherlich jeder Buddhist zustimmen. Zu viel Vernunft ist gar nicht gut.

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