Was ist Non-Buddhismus?

Posse —  2.6.14

Dieser Text ist eine kurze Einführung in den Non-Buddhismus. Er behandelt einige grundlegende Punkte und soll weitere Lektüre anregen. Wir wollen zukünftig mehr solche kurzen Texte bringen, die verschiedene wichtige Punkte beleuchten. Zum Beispiel: Entscheidung, minimales Transzendental, Non-Buddhismus und Meditation, der historische Buddha, ideologische Anrufung, effektives Wissen und die Verbindung zwischen Non-Buddhismus und Kapitalismuskritik. Diese einführenden Texte werden in der Kategorie MARKER oben in der Menüleiste abrufbar sein. Die englische Version dieses Textes findet sich auf The Non-Buddhist.

Ursprünge

Non-Buddhismus hat seinen Ursprung in der Arbeit von Glenn Wallis, einem in Harvard promovierten Buddhismuskundler. Desillusioniert mit der Entwicklung des amerikanischen Buddhismus, der sich nicht für zeitgenössisches Denken interessiert und zum politischen Quietismus neigt, gründete er das Blog Speculative Non-Buddhism als Plattform für eine Kritik buddhistischer Diskurse und Praktiken. Das Blog war von Mai 2011 bis März 2014 aktiv. Über diesen Zeitraum wurden ca. 100 Texte publiziert und mehr als 5000 Kommentare geschrieben. Eine Auswahl an ausführlicheren Texten wurde im E-Journal non+x publiziert. Unter seinen Mitstreitern waren u.a. Tom Pepper und Matthias Steingass, die beide Texte beisteuerten und an den oftmals hitzigen Diskussionen teilnahmen die beinahe jedem Text folgten. Alle drei brachten 2013 gemeinsam das Buch Cruel Theory Sublime Practice bei EyeCorner Press heraus.

Das Blog war bekannt für seine vielen, umfangreiche Kommentare (die oftmals in sich selbst substantielle Textbeiträge sind) und seine oft polemischen Auseinandersetzungen. Obwohl nicht länger aktiv, ist das Blog immer noch online erreichbar und es ist die umfassendste Quelle für alle, die am Projekt Non-Buddhismus interessiert sind.

Theorie

Im Text Nascent Speculative Non-Buddhism (einem Vorläufer zu Glenn Wallis‘ Beitrag in Cruel Theorie | Sublime Practice) wird eine Buddhismus-Kritik formuliert, die teilweise durch die Non-Philosophie des französischen Philosophen François Laruelle inspiriert ist. Wallis wendet die Methode der Non-Philosophie auf den Buddhismus an und entwickelt dabei den Begriff des X-Buddhismus, wobei das „X“ die vielen zeitgenössischen Varianten buddhistischer Theorie und Praxis bezeichnet – eine Aufspaltung des Buddhismus in eine endlose Serie von Mutationen.

Zentral in dem Text ist der Begriff „Entscheidung“, der von Laruelle stammt.

Die kognitive Entscheidung des Buddhismus besteht aus dem Postulat der raumzeitlichen Wechselhaftigkeit (samsara) als bedingt Gegebenem und aus demjenigen der Kontingenz (paticcasamuppada) als dessen bedingender Tatsache. (Wallis, 228; unsere Hervorhebung)

Die Entscheidung ist ein Prozess in dem die Realität in eine Serie einander opponenter Dyaden aufgespalten wird, z.B. raumzeitliche Wechselhaftigkeit/Kontingenz, Form/Leerheit, Fesselung/Befreiung usw. Dabei ist diesen Dyaden eine synthetisierende Einheit vorgelagert. Diese Einheit ist der Dharma, in dem raumzeitliche Wechselhaftigkeit immanent gegeben und durch den sie transzendental begründet ist. Diese Denkstruktur beinhaltet eine Zirkularität, durch die wir mittels der Orakelhaftigkeit des Dharma seine Wahrheit als tatsächliche Aktualität der Welt entdecken. Die Orakelhaftigkeit des Dharma als raumzeitliche Wechselhaftigkeit ist dabei die Fähigkeit, über die Welt zu reden und gleichzeitig immanent die Welt zu sein.

Anders ausgedrückt, X-Buddhismus ergreift mittels der Entscheidung Besitz vom Realen selbst und verkündet, selbst die abstrakte Re-Presentation des Realen in seiner Ganzheit zu sein. Für den Non-Buddhismus ist das ein willkürlicher Akt des X-Buddhismus, da letzterer diese Transzendierung nur unter Zuhilfenahme der Transzendierung selbst rechtfertigen kann – als ob ein Teil Rechtsprechung über das Ganze halten könne, in dem es vorgibt getrennt von ihm zu sein.

Aus Sicht des Non-Buddhismus ist das Denken des X-Buddhismus vom Realen gegeben, der X-Buddhismus selbst kann aber nichts über das Reale aussagen.

Das Reale kann weder gewusst noch „gedacht“ werden, aber es kann in Axiomen beschrieben werden. (Laruelle, 125)

Das Verhältnis x-buddhistischen Denkens (oder jedes anderen Denkens) zum Realen ist nicht-reziprok. Denken ist eher ein Teil des Realen und keine absolute Repräsentation des Realen. Das Denken ist stumm im Akt des Denkens, die Ausdrucksfähigkeit ist stumm im Akt des Sprechens, da Denken und Ausdrucksfähigkeit direkte Ereignisse des Realen sind. Das vom X-Buddhismus überlieferte Wissen ist daher nichts anderes als nutzbares Wissen und hat keinerlei Status der über Alltagswissen oder wissenschaftliches Wissen hinausgeht.

Non-Buddhismus entlarvt die x-buddhistische Spiegelfechterei. Seine anmaßende Behauptung, das Reale in seinem Denken zeigen zu können. Es entlarvt alle Iterationen des Buddhismus, da die Entscheidung alle X-Buddhismen strukturiert (wie jede Systematisierung des Denkens). Paradoxerweise scheint dabei der X-Buddhismus durch die Proklamierung der insubstantiellen und vergänglichen  Natur aller ‚Dharmas‘ und durch die Trope seines superioren, nicht-konzeptuellen Wissens seine eigene alles-reflektierende Autorität zu unterminieren. Allerdings schreckt der X-Buddhismus vor der Schlagkraft seines eigene Denkens zurück und füllt die Leere, die er selbst verkündet hat, mit den Paraphernalia seiner eigene (buddhistischen) Fügung – mit seinen endlosen Texten, Ritualen, Linien, meditativen Methodologien und seiner diskursiven Einzigartigkeit als Vermittler des Realen. In seiner voll entfalteten Form erschafft er eine phantastische Landschaft von Wesen – Götter, Dämonen, Heroen, Buddhas, Bodhisattvas, Arhats, Höllenwesen usw. usf. – die alle den einzigen Zweck haben, die Leere zu füllen, von der der X-Buddhismus verkündet hat, dass sie im Herz des Realen west.

Affekt

Während Laruelle lediglich von „Entscheidung“ spricht, hat Wallis in Nascent Speculative Non-Buddhism zusätzlich den Begriff der „affektiven Entscheidung“ eingeführt. Er unterscheidet damit zwischen affektiver und kognitiver Entscheidung. In dieser Hinsicht definiert er einen X-Buddhisten als eine Person, die eine emotional aufgeladene Entscheidung darüber getroffen hat, dass es möglich ist Zuflucht zu nehmen – für die Möglichkeit durch die thaumatologische und wunderwirkende Fähigkeit der buddhistischen Fügung, der raumzeitlichen Wechselhaftigkeit und dem alltäglichen Leiden zu entgehen. Diese thaumatologische Aura entsteht durch die Suggestion einer kausalen Essenz (1), eines mysteriösen Etwas, das auserwählte Personen von der Masse unterscheidet. Es ist das Spezifikum des Auserwählten, der durch seinen Meisterschaft buddhistischer Meditationstechniken weiter und tiefer sehen kann als gewöhnliche Sterbliche. Der affektive Aspekt der Entscheidung beinhaltet ein Versprechen der Erlösung und der Verzückung, wenn man sich der Welt hingibt in der wunderwirkende Energien und Personen mit besonderen Kräften herrschen .

Der Guru ist der lebende Beweis für die Verwirklichung dieses Versprechens und um von ihm verzaubert zu werden, ist sein Charisma von zentraler Bedeutung. Die affektive Entscheidung für Buddhismus heisst aber auch, seine Handlungsfähigkeit aufzugeben, d.h. Bedeutung und Mittel des eigenen Seins selbst zu verstehen. Stattdessen unterwirft sich der Mensch einer Macht, die dem ‚Lehrer‘ durch ein thaumatologisches Feld übertragen wird, das sich durch ein die Versuchungen, Siege und Trophäen des mythischen Ahnherren reproduzierendes Narrativ konstituiert. Diese Macht kreiert eine Aura, ein energetisch und ästhetisch verführerisches Feld der Macht, welches den Guru umgibt. Das ist sein Charisma. In dieses charismatische Feld einzutreten heisst, von seiner Erzählung ‚eingenommen‘ zu werden – von der er selbst wiederum auch nur Effekt ist.

Die kognitiven und affektiven Aspekte unterwerfen den Menschen aus Fleisch und Blut mit Hilfe zirkulären Denkens. Der Mensch betritt die geschlossene Gesellschaft buddhistischer Fügung. Von nun an sieht er die Welt durch die Brille buddhistischen Denkens. Eine Selbst-Genügsamkeit entsteht, die gleichzeitig das Rätsel und die Lösung des Problems des Leidens ist. Diese Selbstgenügsamkeit (2) muss sich nicht auf die Welt einlassen, ihr Status quo als Heilmittel für die Krankheit die sie diagnostiziert hat, ist ausschliesslich eine Frage des Denkens. Es ist ein verführerischer Sirenengesang, eine Anrufung (3) die um die Erzählungen von Fesselung und Befreiung, kreist, um Samsara und Nirvana.

Wirkungen

Was sind die Auswirkungen dieser Anrufung? Bei der Beantwortung dieser Frage muss man bedenken, dass, obwohl die Welt die der Adept betritt eine Art religiöser Halluzination ist, es um einen etwas verursachenden Prozess geht. Das heisst, dass um einen Menschen aus Fleisch und Blut geht, der in einer konkreten Situation lebt, einer Welt die aus familiären, sozialen und politischen Strukturen und Prozessen besteht. Das x-buddhistische System, für das ein Mensch eine kognitive und emotionale Entscheidung getroffen hat, wird von nun an den Kontext bilden, aus dem heraus seine Situation entsteht. Er hat die x-buddhistische Weltsicht angenommen und wird nun die Bedeutung seiner Erfahrung in der Welt aus Sicht dieser neuen Perspektive bewerten. Die Entscheidung für den X-Buddhismus bedeutet, sich willentlich von einer Ideologie anrufen zu lassen.

Diese Situation hat soziale und politische Folgen. Eine davon ist, dass, insofern der Prozess der Befreiung vom Leid für die angerufenen Person sich nun tatsächlich vollzieht, die Lösung für das menschliche Leid gefunden wurde und nur noch der Umwelt, im Zuge einer Erweiterung der dharmischen Fügung, mitgeteilt werden muss. Die Lösung für das menschliche Leid wird von nun an in einer Intensivierung der thaumatologischen Zuflucht (der betreffenden Person) bestehen und in einer Erweiterung ihrer Reichweite (hin zum Anderen). Der Dharma reproduziert sich nun selbst und er wird nicht nur zu einer persönlichen Zuflucht, sondern auch zur einzig möglichen für alle die unzähligen Wesen, die weiterhin leiden. Eine der Konsequenzen daraus ist, dass der X-Buddhist seine Fähigkeit als politisches Subjekt in der politischen Sphäre zu handeln zugunsten eines Quietismus aufgibt und existierende ökonomische, soziale und politische Bedingungen als naturgegeben hinnimmt. Allerhöchstens werden diese Bedingungen passiv als Handlungsfeld gedeutet, in dem der mitfühlende Bodhisattva seine „Handlungen zur Befreiung aller fühlenden Wesen“ ausübt, anstatt sie als dynamisch strukturierten sozialen Raum zu sehen der Leid erzeugt.

Praxis

Was macht man nun mit dem Buddhismus und buddhistischer Praxis, wenn man all das bedenkt? Viele werden derartig ernüchtert den Buddhismus für eine andere gleichermaßen zirkulären Form des Denkens aufgeben. Die meisten aber werden weiter in der Herde vor sich hin trotten und dabei, vielleicht über viele Jahre hinweg, die Ahnung unterdrücken, dass etwas tatsächlich zum Himmel stinkt in der Zufluchtsburg Buddhas. Am Ende allerdings wird die Verdrängung der Frustration möglicherweise als eine Ernüchterung wieder auftauchen, die nicht geleugnet werden kann. Es wird das Gefühl wachsen, dass die geschlossene Gesellschaft x-buddhistischen Denkens keine Zuflucht vor dem Leid ist, sondern ein illusionärer Versuch das Selbst vor einer Gefahr für seine Integrität zu schützten. Für den X-Buddhisten ist das eine paradoxe Situation (wenn man die buddhistische Lehre über die Nicht-Substanzialität des Selbst bedenkt). Wenn sich dann die Ernüchterung intensiviert, wird eine Krise eintreten in der die Nichtangreifbarkeit des x-buddhistischen Selbst sich als Täuschung erweist.

Wallis bezeichnet das als den Beginn der „aporetischen Dissonanz“ (Wallis, 233), ein Zustand in dem die Ernüchterung unleugbar als der eigene wirkliche Zustand zutage tritt, jenseits aller x-buddhistischer Hybris. Jetzt kann eine Phase der Fragens beginnen, in der x-buddhistische Postulate geprüft werden. Das ist der Punkt an dem man in die non-buddhistische Praxis eintritt. Es ist ein Versuch herauszufinden, ob man irgend etwas von Wert aus der zusammenbrechenden Zufluchtsburg retten kann.

Non-Buddhismus ist ein ein Verfahren, das genau solch einer Befragung und Rückgewinnung möglich macht. Glen Wallis zeigt in seiner Heuristik, in Nascent Speculative Non-Buddhism, ein Programm auf, das eine derartige Befragung zu einer Praxis macht. Im Prinzip bedeutet das x-buddhistische Prinzipien mit zeitgenössischem Denken vergleichbar zu machen, um die geschlossene Gesellschaft x-buddhistischer Selbst-Genügsamkeit aufzubrechen.

Weder lehnt eine solche Praxis den X-Buddhismus ab, noch versucht sie, ihn zu transformieren. Die Frage ist aber, was sonst? Wie sieht die Beziehung zwischen X-Buddhismus und Non-Buddhismus aus? Das ist ein endscheidender Punkt und um ihn zu verstehen, müssen wir zu Laruelle zurückkehren, um das Non in Non-Philosophie zu verstehen.

Für Laruelle bedeutet Non-Philosophie, mit dem Material der Philosophie als Ereignis des Realen zu arbeiten. Non-Philosophie verwirft dabei gänzlich die transzendentale Spiegelfechterei philosophischen Denkens und versucht transzendentale Aspekte in seinen Postulaten zu minimieren um sie für den Menschen effektiv zu machen. Non-Philosophie ist die Praxis, transzendentale Annahmen der Philosophie überflüssig zu machen, indem die willkürlichen Strukturen der Entscheidung hervorgehoben werden. Sie tut dies mit einer bestimmten Form der Arbeit mit philosophischem Material und nicht durch eine erneute Entscheidung, die sie nur wieder als eine weitere Form der Philosophie in Spiel bringen würde.

Ebenso verhält es sich mit dem Non-Buddhismus. Non-Buddhismus ist ein Praxis die das Material des X-Buddhismus benutzt, dabei seine Entscheidung wirkungslos macht und seine Ermächtigung als Vermittler des Realen storniert. Er tut dies aber nicht indem er die Entscheidung des X-Buddhismus wiederholt und sich an dessen Stelle inthronisiert. Stattdessen erklärt er alle Vereinnahmungen des Realen für überflüssig und testet alle Arten argumentativer Spiegelfechterei darauf hin, ob sie in effektives Wissen umgeformt werden können. Diejenigen Elemente des x-buddhistischen Diskurses die den Test überstehen, nehmen ihren Platz an den Stellen im Spectrum des Wissens ein, der ihnen aufgrund des ihnen eigenen Untersuchungsgegenstandes zukommt. So vermeidet der Non-Buddhismus es, eine weitere Iteration des X zu schaffen und zeigt sich stattdessen einfach als weitere Form effektiven Wissens.

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Literatur

Laruelle, François. Dictionary of Non-Philosophy, Univocal Publishing, Minneapolis, 2013.

Wallis, Glenn. Nascent Speculative Non-BuddhismJournal for the Study of Religions and Ideologies (vol. 12, issue 35), 2013. (Erstpublikation 2011 auf dem Blog Speculative Non-Buddhism.)

Wallis, Pepper, Steingass. Cruel Theory | Sublime Practice – Toward a Revaluation of Buddhism, EyeCorner Press, Roskilde, 2013. Glenn Wallis‘ Beitrag Speculative Non-Buddhism: X-buddhist Hallucination and its Decimation ist die Erweiterung des oben genannten Textes von 2011.

non+x, E-Journal.

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Anmerkungen

(1) Wallis führt den Begriff „kausale Essenz“ in Nascent Speculative Non-Buddhism ein (vgl. S. 241; S. 141 in Cruel Theory). Der Begriff wird u.a. vom Evolutionspsychologen Pascal Boyer verwendet. Vgl. auch Cruel Theory S. 182 – 188, wo die Auffassung Boyers etwas ausführlicher behandelt wird.

(2) „Selbst-Genügsamkeit“ ist hier die (vorläufige) Übersetzung für das englische „sufficiency“. Dieser Begriff bezeichnet in Laruelles Denken den Anspruch einer Philosophie, aus sich selbst heraus die Welt total auszudeuten.

(3) Der Begriff „Anrufung“ geht auf Louis Althusser zurück. Er beschreibt den Prozess in dem Ideologie – verkörpert in wichtigen sozialen und politischen Institutionen –  die individuelle Natur der Identität des Subjektes konstituiert, indem diese Institutionen durch die Verherrlichung des Subjektes in der sozialen Interaktion, dieses Subjekt erst produzieren. Individuelle Subjekte werden prinzipiell als durch soziale Kräfte produziert gedacht, anstatt als starke, unabhängige Akteure mit selbst produzieren Identitäten. Der Begriff wurde von Tom Pepper in den non-buddhistischen Diskurs eingeführt. Vgl. dazu auch Samsara, die Welt der Ideologie und dortige Literaturhinweise.

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Hinweis

Der einführende Text Nascent Speculative Non-Buddhism und die Heuristik „zur Stornierung der buddhistischen Ermächtigung“ erscheint demnächst auf diesem Blog in deutscher Übersetzung.

Posse

Beiträge

People working on non-buddhist stuff.

36 Antworten zu Was ist Non-Buddhismus?

  1. 

    Matthias, gelegentlich gelingt dir nach meinem Geschmack Großartiges – wie die letzten 4 Beiträge. Für in den Non-Buddhismus Uneingeweihte ist das hier aber absolut unlesbar. Wirklich betrüblich, hätte gern mal inhaltlich Stellung genommen.
    Gruß Bel

  2. 

    Hallo Bel, danke für das Feedback. Kannst du evtl. in ein, zwei Sätzen sagen wo/warum es besonders hakt.

  3. 

    Dem Kommentar von Bel schliesse ich mich in jeder Hinsicht an.

  4. 

    Philosophen-Sprech. Ich kenn das, weil ich ab und zu die Hausarbeiten meines Sohnes zu redigieren gebeten wurde. Begriffe aus der Normalsprache (z.B. „Entscheidung“) werden umgedeutet, bei Fremdwörter (z.B. „Kontingenz“) ist schwer rauszubekommen, ob eine und welche Spezialbedeutung eigentlich gemeint ist.
    Letztendlich ist es die Unfähigkeit oder der Unwillen, sich allgemein angreifbar auszudrücken.

    Ich muß gestehen, daß ich den Begriff „X-Buddhismus“ bisher wohl völlig falsch interpretiert habe. Für mich stand das „X“ immer im einem Sinne wie in „X-Man“, in der Reklamierung von „übernatürlichen“ Fähigkeiten, wie etwa das Wissen, was „ursprünglicher Buddhismus“, „ursprünglicher Chan“ eigentlich sei, o.ä.
    Jetzt muß ich lesen, daß damit womöglich jeder „Buddhismus“ gemeint ist, was mich zu der Frage führt, was daran eigentlich „zeitgenössisch“ ist. Wäre vllt deshalb hilfreich und einfacher zu sagen, was dann Buddhismus ohne X ist.

    Ich seh mich übrigens nicht als Buddhist :)

  5. 

    vllt kann man den Artikel im Sinne von Karl Popper überarbeiten:
    http://www.pinselpark.org/philosonst/10widerkau.html

  6. 

    Danke für die Erläuterung.

  7. 

    Wir versuchen solche Einwände aufzunehmen. Zum Teil sind sie berechtigt. „Kontingenz“ ist zB ein Begriff mit dem ich nicht glücklich bin. „Entscheidung“ ist dagegen im Sinne François Laruelles ein klar definierter Begriff. „Buddhismus“ als solcher ist auf Paticcasamuppada reduzierbar. Damit implodiert er bei korrekter Anwendung sofort.

    Prinzipiell sollte man folgendes bedenken: Die Unfähigkeit ein neues Konzept allgemeinverständlich auszudrücken ist ein Sache. Allerdings sollte man nicht vorschnell diese Unverständlichkeit als Anlass dazu verwenden, das Neue auf das Allgemeinverständliche – also das Alte – herunterzubrechen. Es bleibt aber tatsächlich zu beweisen, dass das Unverständliche wirklich neu ist.

  8. 

    „(kognitive) Entscheidung“ ist mir trotzdem suspekt. Ist mit Kognition erkennen/erfahren im umfassenden Sinne gemeint, oder, wie es mir nachfolgend scheint, nur im gedanklichen Sinn? Werden hier also mit „X-Buddhismus“ nur bestimmte Formen „buddhistischen Philosophierens“ gemeint?

    Was meine Beziehung zum Dharma betrifft, so benötigt sie nicht mehr Axiome als jede Naturwissenschaft (das ist meine Profession) und ist wesentlich praktisch orientiert – also im und am Tun, nicht theoretisch, nicht im Streit um die „wahre Auffassung“, sie braucht überhaupt keine „Philosophie“.

    Was soll jetzt neu sein? „Non-Buddhismus“? Was ist daran neu?

  9. 

    Ist mit Kognition erkennen/erfahren im umfassenden Sinne gemeint, oder, wie es mir nachfolgend scheint, nur im gedanklichen Sinn?

    Gute Frage, denn es kommt darauf an, in wie weit das soziale symbolische System in dem man sozialisiert wird „erkennen/erfahren“ strukturiert. Und mit der Problematik ist man mitten drin in der Problematik der Entscheidung. Vereinfachend kann man sagen, es geht um zirkuläres denken. Um das auf dich als Naturwissenschaftler anzuwenden: Was veranlasst dich in einer ganz bestimmten Weise praktisch zu handeln und nicht in einer anderen? Die Gesellschaft setzt immer Rahmenbedingungen – bzw. lässt andere nicht zu. Uns interessiert das, den X-Buddhismus nicht.

    Allgemein. Ich halte mich möglichst kurz. Vieles wurde hier schon vielmals erklärt. Ich freue mich trotzdem über Kritik, damit wir bei weiteren Texten für mehr Verständlichkeit sorgen können.

  10. 

    Entscheidung meint aber bei Laruelle die Philosophische Entscheidung – also die dem Denken zugrunde liegende Wahl und um das dann auch mal zu sagen: Denken ist transzendental.
    Was ihr macht ist nichts anderes als einen Referenzrahmen entdeckt zu haben, Laruelle und das was ihr von ihm so raus fischt, den ihr dann auf euer Konzept anlegt und daraus dann entscheidet – was ist damit gewonnen?

  11. 

    Denken ist transzendental. Ja. Aber es ist auch immanent, oder?

    Zu deinem Einwand:

    Was ihr macht ist nichts anderes als einen Referenzrahmen entdeckt zu haben, Laruelle und das was ihr von ihm so raus fischt, den ihr dann auf euer Konzept anlegt und daraus dann entscheidet – was ist damit gewonnen?

    Kannst du da bitte etwas spezifischer werden? Auf den Text bezogen, das würde helfen.

  12. 

    Das ist ja die Frage, ob das Denken immanent – innerhalb der Grenzen der Erfahrung, der Erkenntnis bleibend – ist. Das hätte überhaupt keine Bedeutung, weil es nicht mitgeteilt würde. Also ist Denken nur transzendental, aufgrund der Sprache und des Begriffs bzw. Gedankens. Und Sprache ist eben eine Art symbolischer Ordnung oder Struktur. Hingegen ist das Reale immanent, denn Erfahrung selbst ist nicht meßbar, d.h. erfahrbar. Sie drückt sich allerdings aus und das wird zumindest im Zen als Verwirklichung bezeichnet, ist aber nichts anderes als eine Wechselwirkung, die keiner Entscheidung mehr bedarf, „wenn dieses, dann jenes“.

    Buddhistische Praxis ist die Hervorbringung einer Erfahrung, die immanent ist. Ob diese Erfahrung in das Konzept des Buddhismus passt ist nur für denjenigen spannend, der seine Erfahrung etikettieren will. Dafür gibt es dann Buddhismus oder Philosophie, speziell non-philosophie. Das Sprechen über eine Erfahrung ist nicht die Erfahrung selbst. Wenn Wallis aus einer Enttäuschung über „seinen Buddhismus“ zur Kritik daran gekommen ist, dann ist das zunächst mal Selbstkritik. Und das gilt auch für deine Ansicht. Und nun kann man das politisieren, in dem man die anderen kritisiert und zufälligerweise gibt es auch noch eine passende Theorie, was das dann verwertbar macht, wissenschaftspolitisch, im universitären Betrieb.

    Und wie du das angehst, zeigt der letzte Satz deines durchaus interessanten Beitrages – übersetze den doch mal a la Popper – nur soviel: Vereinnahmungen des Realen sind überhaupt nicht möglich, nach Laruelle. „Das Reale kann weder gewusst werden“ . Nur was beschreiben dann Axiome? Jedenfalls nicht das Reale. Da fällt mir dann Kurt Gödel ein. Woher begründest du also eine Vereinnahmung des Realen? Solange du auf der Ebene des Denkens einen Haufen Postulate über ein Konstrukt aufstellst, ohne sie zu begründen bzw. begründen zu können, weiß ich wirklich nicht, wie ich auf den Text spezifischer werden könnte. Das ist ja alles nichts neues.
    Mir scheint da allerdings genau deshalb jede Menge Ungefähres gegeben zu sein. Dabei ist Laruelle eher als Modeerscheinung anzusehen. Immerhin wird er für alles Mögliche verwendet – und die ästhetischen Fragen sind hier noch die Interessantesten.

  13. 

    Aiko, #12.

    Mir entgehen nicht die vielen aufs Persönliche zielenden Wertungen die in deinen, wie auch in Bels, Beiträgen stecken. Wir befinden uns in einer Phase dieses Projektes, in der wir auf derartiges buddhistisches-von-oben-herab nicht mehr eingehen. Lassen wir also beiseite, ob es sich hier um eine Hausarbeit des Sohnemannes handelt oder ob man erneut erklärt bekommen muss, was buddhistische Praxis ist.

    Uns interessieren konkrete kreative Beiträge und tatsächliche Kritik. Z.B. wäre es interessant im Zusammenhang mit Laruelles Denken zu hören, was es mit Gödel zu tun hat. Vermutlich meinst du die Unvollständigkeitssätze. In gewissem Sinne ist das genau unser Programm: Wir maßen uns nicht an, über alles und jeden ein Urteil zu fällen – als Teil des Ganzen. Programm ist es allerdings, prinzipielle Strukturen des Denkens des Abendlandes zu verstehen. Laruelle ist in dieser Hinsicht sehr interessant.

    Dies gesagt, würde mich sehr interessieren, was an Laruelle eine (weitere philosophische) „Modeerscheinung“ ist. Du scheinst ihn gut zu kennen. Ein paar Sätze über die derzeitige Laruelle-Rezeption wären schön.

    Mit deiner Frage, was beschreiben Axiome?, sind wir bei einem Kernbereich von Laruelles Denken. Ich werde uns das als einen weiteren Punkt notieren, den wir zu beleuchten haben. Denken-entlang-des-Realen. Ich verstehe allerdings deine weiteren Fragen nicht. Welche Vereinnahmung des Realen, soll ich begründen? Unser Text läuft doch gerade darauf hinaus, dass wir eine solche kritisieren…

    Ganz besonders würde mich interessieren, was genau an Laruelle „nicht neu“ ist. Das wird im angelsächsischen auch an ihm kritisiert. Genauso wie die Übersetzung à la Popper. Philo-Fiktion an Popper entlang, vielleicht hast du auf sowas Lust, oder Bel? Ehrlich. Und warum nicht Buddhismus à la Popper. Ist „Alles ist Leid!“ einen falsifizierbare Aussage? Und wenn nein, wozu dient diese Aussage?

    Zu deiner Eingangsfrage, ist denken transzendental oder immanent? Praktisch gesehen ist das Transzendentale völlig immanent. Qualien hin oder her, natürlich wird Denken mitgeteilt. Da widerspreche ich dir ganz klar. So wie ich Laruelle verstehe, ist es allerdings von immenser Bedeutung bei dieser Mitteilung davon abzusehen, sie als Repräsentation zu betrachten (1). Das jeweilige transzendentale Gesetz das in einem Denken steckt, wird in der Mitteilung zu einem unmittelbaren Effekt des Realen. Dieser Effekt ist es mit dem wir es in der Kommunikation zu tun haben, und nicht die Mutmaßung über eventuelle Intentionen. Diese Effekte sind an sich demokratisch (sie müssen nicht erst zur Demokratie erzogen werden). Das ist, glaube ich, eine sehr wichtige Sache in Laruelles Denken – und deshalb kann man, axiomatisch gedacht, den Buddhismus auch stehen lassen, oder ihn „klonen“.

    (1) Nachtrag. Hier wäre auch ein wichtiger Anschluss zur Frage, was die moderne Technik mit dem Subjekt anstellt. Heideggers Gestell-Frage. Man ist da ja auch ein ganzes Stück weiter heute.

  14. 

    Hallo Matthias,

    ich hätte eine Frage bzw. Anmerkung zu einem Kommentar von dir. Du schreibst: “Buddhismus” als solcher ist auf Paticcasamuppada reduzierbar. Damit implodiert er bei korrekter Anwendung sofort.

    Das ist doch allenfalls ein Glaubenssatz oder eine Überzeugung, aber keinesfalls ein Fakt oder auch nur anerkannter Konsens „der Buddhisten“.
    Der Buddhismus ist ein vielschichtiges literarisches, historisches und soziales Phänomen; ihn in diesem Sinne auf eine einzelne Begrifflichkeit zu reduzieren halte ich für völlig verfehlt. Jedoch ist der paticca-samuppada zweifellos ein sehr bedeutsames Stück vieler buddhistischer Lehrdokumente und Schultheorien, über dessen genaues und bessers Verständnis seit seinem Aufkommen gerungen wird. Es würde mich daher interessieren, was du darunter verstehst, wenn für dich alle als „Buddhismus“ deklarierten Erscheinungsweisen darunter fallen.
    (Solltest du darauf schon an anderer Stelle eingegangen sein, kannst du ja vielleicht einen Link setzen.)

  15. 

    Hallo Matthias,

    ich habe jetzt den ersten Absatz des Artikels („Theorie“) gelesen und versucht ihn zu verstehen – was mir leider bis auf wenige Sätze nicht gelungen ist. Darum kann ich auch nur auf zwei Punkte eingehen:

    Es heißt dort: „Die Entscheidung ist ein Prozess in dem die Realität in eine Serie einander opponenter Dyaden aufgespalten wird, z.B. raumzeitliche Wechselhaftigkeit/Kontingenz, Form/Leerheit, Fesselung/Befreiung usw.“

    Dazu meine Anmerkung: Das erste Begriffspaar ist nun natürlich kein buddhistisches Begriffspaar; ihre Verwendung auf den Buddhismus mag daher erhellend sein oder auch nicht; es gehört aber nicht zum buddhistischen Eigendiskurs.
    Wichtiger aber scheint mir das zweite Begriffspaar: Form und Leere sind nach Sicht der Madhyamika und/oder der tibetischen Doktrin eben gerade keine „opponente Dyade“. In der Tat wird in den Texte genau davor gewarnt, d.h. vor einem einseitigem Verständnis des Einen gegenüber dem Anderen. Oder eben wie es im Herz-Sutra heißt, „Form ist Leere, und Leere ist Form“. Die gleiche Fehlauffassung findet sich in dem Zitat, wenn samsara und paticca-samuppada als einander gegenüberstehend bezeichnet werden.

    Am Ende des Absatzes heißt es dann, dass „die Leere im Herzen des Realen west“. Dies zeigt meines Erachtesn nach in die gleiche Richtung. Das Verhältnis Leere/Leerheit – Form – Mittlerer Weg (ausgiebig behandelt in der Tendai-Schulrichtung) ist auch hierbei wieder das Entscheidende.

    Davon abgesehen: Könntest du die Essenz dieses ersten Absatzes vielleicht einmal in einfacher Sprache formulieren? Das würde mich wirklich interessieren; so sehe ich nur eine fragliche Kenntnis buddhistischer Theorie einerseits, und eine für mich nicht verständliche (philosophische?) Sprache andererseits.

  16. 

    Hallo Sôhei.

    Zu meiner Bemerkung in #7

    “Buddhismus” als solcher ist auf Paticcasamuppada reduzierbar. Damit implodiert er bei korrekter Anwendung sofort.

    Ich stimme dir zu, dass Buddhismus nicht auf einen Begriff reduzierbar ist. Ich denke aber Paticcasamuppada ist ein, wenn nicht der, zentrale Aspekt buddhistischen Denkens – was dieses von monotheistischen Kulturen unterscheidet. Was kann Paticcasamuppada heute bedeuten? Vor allem ein Bewusstsein davon, wie sich Bewusstsein konstituiert und die Bedingungen dieser Konstituierung in den jeweiligen Gesellschaftsformen. In den letzten zwei Jahrhunderten ist dazu in unserer Welt ein großes Wissen produziert worden, während der Buddhismus in Asien wie auch der im Westen entstehenden X- oder Neo-Buddhismus auf der Stelle tritt und sogar Paticcasamuppada selbst zum transzendenten Heiligtum erhebt.

    Meine Formulierung ist außerdem eine auch ironische Verkürzung. Der Satz beinhaltet, je nach dem was man unter „korrekter Anwendung“ versteht, einen Zirkelschluss – also genau das, was hier kritisiert wird. Du erwähnst in #15 das Herzsutra. Das Herzsutras wird in zwei Formen angewendet. 1) Es wird heruntergeleiert ohne das der Inhalt bedacht wird. Das ist die falsche „korrekte Anwendung“. 2) Man bedenkt den Inhalt. Dann implodiert der Buddhismus. Das ist die korrekte „korrekte Anwendung“ – bekanntlich bleibt ja vom Blick des Herzens in diesem Sutra nichts verschont.

    Zum Begriff „opponente Dyaden“. Danke für diese Frage, sie macht einen weiteren Punkt deutlich, den wir präzisieren müssen. In extremer Kürze ein Anmerkung. Es müsste natürlich „opponente Teile einer Dyade“ heissen. Dyade heisst nicht, dass ihre Komponenten einander ausschliessen, sondern im Gegenteil, dass sie einander bedingen (auch hier wieder Paticcasamuppada). In so fern wären wir herzsutra-konform (die Frage ist, wie man den berühmten Satz „Form ist Leerheit…“ deutet). Der jeweiligen Dyade ist eine synthetisierende Einheit vorgelagert, die sie überhaupt erst aktionsfähig macht. Genau das ist die Laruelle’sche Entscheidung.

    Vereinfacht gesagt und wieder auf das Herzsutra angewendet: Form und Leerheit bedeuten etwas. Dieses Etwas ist in der synthetisierenden Einheit des Dharma niedergelegt. Wenn man das Herzsutra richtig verstehen will, muss man auf den Dharma Bezug nehmen. Der Dharma selbst wird im X-Buddhismus als selbstexistierende Entität gedacht (Weisheitslehren, Übertragungslinien, Lehrer mit magischen Fähigkeiten, Texte mit „zeitlosen“ Wahrheiten usw.). Vom X-Buddhismus wird dieser Dharma nicht hinterfragt. Da aber nichts Paticcasamuppada entgeht, siehe Herzsutra, ist auch der Dharma Bewusstsein das sich unter bestimmten Bedingungen in den jeweiligen Gesellschaftsformen konstituiert. Wer das nicht bedenkt und von „zeitlosen“ Wahrheiten ausgeht, denkt in Zirkeln, entscheidet sich für eine Illusion, denn er hält das historisch bedingt Entstandene für etwas selbstexistent Gegebenes. Dieses Gegebene ist aber vom Menschen und seiner Kultur produziert. Der Mensch der diesen Zirkelschluss nicht bedenkt hält etwas, was er selbst geschaffen hat, für eine „zeitlose Wahrheit“ die schon morgen ganz anders sein kein, ohne dass das einem in solchem Zirkelschluss Befangenen bewusst würde.

    Danke nochmals für die substanzielle Anmerkung und Frage. Ich muss das hier in aller Kürze abhandeln und dich auf weitere Marker-Texte vertrösten. Es hat sich nicht bewährt in den Kommentaren lange Erklärstücke zu verfassen. Wenn du allerdings mehr Fragen hast, bitte gerne.

    Welchen Textabschnitt meinst du genau mit deiner Frage am Schluss?

  17. 

    Hallo Matthias,

    danke für deine Antwort.
    Ich möchte vorwegschicken, dass ich keineswegs ein „reaktionärer Buddhist“ bin oder auf jegliche buddhistische Kritik allergisch reagiere :-)
    Ganz im Gegenteil – Kritik im Sinne des Aufzeigens von Inkonsistenzen und logischen Widersprüchen finde ich für alle Daseinsbereiche spannend und in der Regel auch bereichernd. Was ich hier etwas vermisse, ist die Konkretisierung. Welche Form des Buddhismus, welche Gemeinschaft, welcher Zeitraum, welcher Text oder Lehrer etc.

    Was mir immer noch nicht klar ist, ist die Kernaussage des ersten Abschnitts („Theorie“): Was genau macht bzw. welche Voraussetzung trifft der X-Buddhismus unhinterfragt? Welches Tun bzw. welche Annahme ist es, die – wenn der X-Buddhist sie hinterfragen würde – zu einem Zusammenbruch seines Weltbildes führen würde?
    (Ich hoffe dass die Frage auf das zielt, was der Abschnitt enthält, sonst liege ich nämlich ganz daneben…)

    Davon abgesehen: dass viele Erscheinungsweisen des modernen Wellness- und Lebenshilfe-Buddhismus kritikwürdig sind, der Ansicht bin ich auch.

  18. 

    P.S.
    Auch wenn es dann vielleicht schon spitzfindig wird, aber: „opponente Teile einer Dyade“ empfinde ich auch als suboptimal. Meinem Verständnis nach sind es (Form und Leere bzw. Samsara und Bedingtes Entstehen) eher Teile, Sichtweisen oder Aspekte einer Monade.

  19. 

    P.P.S.
    O.k., ist es so zu verstehen: Der X-Buddhist spricht vom abhängig Entstandenen, aber wendet diese Bedingtheit nicht auf die eigene Lehre/Sichtweise an?

    Wenn das alles ist, würde ich es fast schon als trivial bezeichnen.
    Sicherlich mag es Menschen mit so einer Ansicht geben. Aber die gibt es a) ja in allen Bereichen des Lebens (in den Naturwissenschaften Stichwort „Entdeckungszusammenhang“ vs „Begründungszusammenhang“) und b) ist das keine Buddhismus-Kritik, sondern Kritik am unkritischen Umgang mit buddhistischen Inhalten (was ich durchaus wichtig finde).

  20. 

    #13
    Lieber Matthias,

    ich bezog mich in meiner Wertung auf die von dir selbst im ersten Abschnitt deines Posts formulierten Gründe, die Wallis hatte, sich mit diesem Thema zu befassen. Da ist von Desillusionierung die Rede.
    Ich sehe keinen weiteren Grund, nach deinen üblichen überheblichen Bemerkungen hier weiter zu kommentieren. Mich interessiert weder Buddhismus noch spekulatives Denken. Was du wissen willst, kannst du dir selbst erschließen. Franzosen sollte man allerdings im Original lesen.

  21. 

    Zu „Paticcasamuppada“:

    Der „zeitlose Dharma“ ist meiner Ansicht nach der westliche Versuch, das Gefühl eines unzerstörbaren Selbst aufrechtzuerhalten. Vor einiger Zeit las ich von einem Rinpoche die Behauptung, es gäbe zahllose Planeten mit fühlenden Wesen (was stimmen mag), und auf jedem einzelnen dieser Planeten werde eines Tages ein Buddha erscheinen, um den wahren Weg zu lehren.
    Wer an so etwas glaubt, ist natürlich gut und sicher aufgehoben. Er muss sich keine Sorgen mehr um irgendetwas machen. Oder wie es ein buddhistischer Forumsteilnehmer treffend formulierte: Alles worum es mir geht in diesem Leben, ist es, eine Wiedergeburt im Reinen Land zu erreichen.

    „Paticcasamuppada“ ist nun der Begriff, der es schafft, mit dieser westlich-buddhistischen Selbstgefälligkeit aufzuräumen. Ich glaube, es dämmert erst langsam, welch Sprengkraft dieses „Wort“ enthält.

  22. 

    Sôhei, #19

    Der X-Buddhist spricht vom abhängig Entstandenen, aber wendet diese Bedingtheit nicht auf die eigene Lehre/Sichtweise an? Wenn das alles ist, würde ich es fast schon als trivial bezeichnen.

    Bingo. So trivial ist es tatsächlich. Allerdings ist es eine absolute Ausnahme, dass es jemand so auf den Punkt bringt. Man kann sagen, das es für die Entwicklung des Buddhismus im Westen in den letzten 40 Jahren symptomatisch ist diese „Sichtweise“ nicht anzuwenden.

    Weil es so trivial, ist halten wir uns nicht mehr gross mit detaillierten Kritiken dieser x-buddhistischen Umnachtung auf. Du findest rechts unter den Tags aber viel Material bezüglich deiner Frage in #17 über die Konkretisierung. Siehe zB Die Glosse #04 über Karma, Der Fall Shimano: Mann ohne Rang über Eido Shimano – den grossen amerikanischen Zen-Nepper, Die Glosse #01 über die Substanzlosigkeit des Buddhismus der Deutschen Buddhistischen Union (DBU), Konfickte des Buddhismus über die Haltung der DBU zur Sexualität, Die Glosse #06, Made in Dresden darüber wie die DBU ihre symbolisches Kapital schützt, Wiederkehr – My Reincarnation über die Reinkarnationspolitik in Teilen des tibetischen Buddhismus, The Dalai Lama MasterChef über die Ausbeutung des Dalai Lama als Pausenclown des amerikanischen Buddhismus… Du wirst sehr viel Konkretes finden.

    In diesen Kritiken wird immer wieder angesprochen was man sich unter X-Buddhismus vorstellen kann und was die spezifisch x-buddhistische Entscheidung ausmacht. Die Abwehrhaltung die sich auch hier im Thread beispielsweise bei Bel und Aiko zeigt – die beide dieses Projekt schon lange kennen und sich trotz ihrer Abneigung anscheinend doch immer wieder damit befassen müssen – zeigt wahrscheinlich, dass die Kritik hier stichhaltig ist und dass sich die Intelligenteren unter den X-Buddhisten ihr nicht ganz entziehen können.

    Die Trivialität des Problems mit dem X-Buddhismus führt allerdings dazu, dass die Phase konkreter Kritik am X-Buddhismus vorbei ist. Es geht jetzt um die Entscheidung im Laruelle’schen Sinne die unserem Denken überhaupt zu Grunde liegt, um eine ganz bestimmte Bedingtheit unseres Denkens überhaupt.

  23. 

    Sôhei

    P.S. Es gibt einen wichtigen Punkt den man betonen sollte der aber gerne übersehen wird: In den letzten Absätzen unseres Textes geht es um „Material“, das es zu exhumieren gilt. Das heisst es geht hier nicht um eine generelle Ablehnung des Buddhismus, sondern um eine Kritik, die sich darum bemüht Material im Buddhismus zu finden das zu effektivem Wissen führt. Mehr über diesen Aspekt in einem späteren Marker. Nur soviel: Effektives Wissen ist dasjenige Wissen, das sich zu allererst über seine eigene Bedingtheit klar wird. Allerdings in einem vielen weiteren Rahmen als bloss über diejenige des X-Buddhismus der generell eher eine Reinkarnation christlichen Pfaffentums ist.

    Wenn du also echtes Interesse an diesen Themen hast, bist du herzlich eingeladen.

  24. 

    Aiko, #20. Du bist hier nicht im Buddhaland. Deine kindischen Unverschämtheiten kannst du dort ausleben. Hier ist Substanz gefragt, wenn du die nicht bringst: Danke und Tschüss!

  25. 

    Joachim, #21

    Die Selbstgefälligkeit von der du sprichst, hat ja auch hier in diesem Thread einmal mehr zugeschlagen. Ich ärgere mich, schon wieder darauf herein gefallen zu sein. Bel kündigt an „gern mal inhaltlich Stellung nehmen zu wollen“ aber statt das dann wirklich Inhaltliches kommt, wird zunächst ganz klar der Status klar gemacht: Unser Text wird (in #4) als „Philosophensprech“ herabgewürdigt und Bel ist der gütige Papa der sich dazu herablässt hier eine „Hausarbeit zu redigieren“.

    Die Frage ist, warum kann einer nicht solche Hinweise auf einen übergeordnetem Status unterlassen? Man könnte ganz schlicht inhaltliche Fragen stellen (eben den Begriff „Kontingenz“ betreffend). Warum immer diese impulsive Selbstüberhöhung?

    Nicht anders der Gestus von Aiko in #10. Eine Mischung aus oberlehrerhafter Erläuterung und Herablassung. Und in #12 geht es grade so weiter.

    Vermutlich hören sie das Ticken der Bombe der absoluten Kontingenz. „Die Wahrheit vom Zufall der das Gesetzt überschreibt.“ (Wallis) Man muss sich mal in aller Demut (diesen christlichen Begriff würde man so manchem Buddhisten zur angelegentlichen Besinnung wünschen) die Zufälligkeiten des eigenen Seins ansehen, um ein Gefühl für die Fragilität zu bekommen, die das Selbst ausmacht. Laruelle spricht vom „Fremden“ zu dem man für sich selbst wird, wenn man begreift was es bedeutet eine Effekt des Realen zu sein – d.h. ein Effekt der Gesellschaft, der Kultur, der Gesetzte, der biologischen Natur und nicht zuletzt des eigenen Seins. Wobei im Fremden der man selbst ist, die Transzendenz unmittelbar auftritt. Der immanente Gedanke ist natürlich transzendental bedingt, aber er ist als Gedanke an sich nicht hintergehbar – es gibt kein dahinter und somit keinen Bezug den der Fremde herstellen könnte um sich zu verorten – und somit ist er radikal immanent. Aus katholischer Sicht gibt es vermutlich keine größere Häresie. Und auch für den X-Buddhisten ist das die größte Anmaßung, denn er verschiebt ja die Erleuchtung (das Transzendente gottgleiche, als das der Buddhismus im Westen Erleuchtung sieht) immer auf morgen. Die radikale Immanenz eines ausschließlich transzendental begründeten Wesens wie dem Menschen kann man auch in manchen buddhistischen Gedanken vermuten. Aber wozu noch darüber spekulieren? Es ist klar.

    Wenn das eine unverständliche Sprache ist, gut, man muss darüber nachdenken, wie man es klarer machen kann. Nur die dünkelhafte Selbstgefälligkeit muss dabei leider draussen bleiben. Ich habe das diesbezügliche Programm in einem der ersten Texte auf diesem Blog formuliert.

    Keine Lehrer

    Die Lehrer müßen leider draussen bleiben. Wenn sie doch eintreten, müßen sie sich der Subtraktion der versteckten kausalen Essenz unterziehen, die sich auf das heilige Wort von damals als Gründungsmythos bezieht. Ob sie das können, ist ein Kriterium. Sie müssten die Paraphernalia der Macht ablegen. Gleichzeitig ist es auch ein Kriterium für die Versammlung, ob sie es schafft ohne die gedankenlos tradierten Techniken der Führung eine eigene Struktur entstehen zu lassen, die dem Wissen und Wollen der Einzelnen Raum gibt und ob diese Räume sich verbinden zu einem kohärenten System, das aus der Reibung und den Dissonanzen die Energie bezieht, aus der sich neue Ideen entwickeln die den Horizont der Tradition überschreiten. Die wichtigste Funktion in dieser Versammlung ist vielleicht zunächst die des Moderators. Seine Funktion muß sich an der Überschreitung des Horizontes ausrichten, d.h. es ist eine Funktion die gerade das Gegenteil der buddhistischen Diskurskontrolle ist.

    Die dünkelhafte Selbstgefälligkeit mit ihrer impulsiven Statusanmaßung ist eine Funktion der x-buddhistischen DiskursKontrolle. Die zum Teil sicher gegebene Unverständlichkeit unseres Textes ist allerdings kein Ausdruck irgend einer selbstgefälligen Abgehobenheit, sondern der Versuch etwas Neues auszudrücken (das eben nicht einfach auf etwas anderes reduzierbar ist, à la Popper macht den Habermas). Sicher geht es im Gespräch darum, sich verständlich zu machen und alle Zuhörer haben ein Anrecht darauf, dass die Sprechenden sich nicht in Obskurantismus flüchten. Aber die Hörenden müssen auch selbst eine Anstrengung vollziehen, um ihrem Verständnis nachzuhelfen. Das ist eine Sache der Gegenseitigkeit – und der Statusdünkel gehört hier nicht hin.

    In diesem Sinne ist es angebracht, diejenigen die sich ja doch immer wieder hier zu Wort melden (oder nur lesen) obwohl sie das alles bescheuert finden, die Frage zu richten, ob es nicht an der Zeit ist sich selbst die Frage zu stellen, worin das Interesse wirklich besteht?

    Vielleicht ist es wie Joachim in #21 sagt

    Ich glaube, es dämmert erst langsam, welch Sprengkraft dieses “Wort” [Paticcasamuppada] enthält.

    Und vielleicht ist dieses Dämmern oftmals das, was den Buddhismus so anziehend machte – bevor man von seiner derzeitigen Inkarnation behext wurde.

  26. 

    Wir sollten diesen langweiligen Diskurs hinter uns lassen. Es gibt so viel Arten intelligent und einfallsreich über die Welt, den Menschen und das Leben zu reden, dass der oberdeutsche X-Buddhismus dabei völlig ins Abseits gerät als eine dumpf im eigenen Saft vor sich hin brütende abgestandene Suppe aus völlig überholten Weltanschauungen von vorgestern (auch bei denen, die sich nun plötzlich nicht mehr als Buddhisten bezeichnen wollen, weil ihnen wohl allmählich ein Licht aufgeht). Man möchte dem Dünkel zurufen: Kauft euch doch mal ein gutes Buch. Lest etwas, vielleicht ist ja noch Hoffnung. Lest doch mal den Gwisdek. Der redet zwar nicht über Meditation in seinem Buch, aber er weiss wovon er spricht.

  27. 

    Vielleicht ist es kein Zufall, dass in den Kommentaren sich vor allem offenbar Zenbuddhisten melden. Es könnte sein, dass sich die X-Buddhisten beleidigt fühlen und diese Zenbuddhisten deshalb nicht (so schnell), weil sie sich nicht als Teil der Definition sehen. Zu der Definition gehört u.a. die „synthetisierende Einheit des Dharma“. Eine solche ist für einen Zenbuddhisten, der nicht am Anfang steht, meines Erachtens gar nicht mehr gegeben. Dharma als Fixum ist nicht mehr existent. Natürlich gibt es eine große Mehrzahl von Buddhisten, die dieses Fixum brauchen und sich nicht nehmen lassen wollen. Die anderen haben es bereits hinter sich gelassen. Auf dem Weg dorthin haben sie im Idealfall auch ganz gut die Mechanismen und Voraussetzungen ihres Denkens hinterfragt und durchschaut. Darum finden sie einige der „Vorwürfe“ auf dieser Seite richtig, wenn auch trivial, aber sie sehen sie eher an die „anderen“ Buddhisten gerichtet.

    Es wird hier auch nach „Material, das zu effektivem Wissen führt“, gefragt. Ich spreche aus meiner Zenschulung. Welches „Material“ führte bei mir zu m.E. „effektivem Wissen“? Die Tatsache der Substanzlosigkeit der Dinge und Wesen (shunyata). Inwiefern? Ich mache mir gerade über die Transzendenz, das Reale, die Magie usf. keine Illusionen. Da ist ein 90-jähriger hellwacher Autor bei Markus Lanz, ein Jude, der vom vielen Glück in seinem Leben erzählt. Einen anderen erwischt es ganz plötzlich mit dem Auto und vorbei ist es. Ich habe auch eine profane Kulturempfehlung, nämlich die Serie „Game of Thrones“, in der es so dargestellt ist, wie es der Realität am nächsten kommt: Es siegt der Stärkere/Klügere und überlebt der (zufällig) Glückliche. Dass es etwas religionsähnliches wie den Buddhismus oder das Zen gibt, das einem einer Wahrheit ins Auge sehen lässt, die unangenehm und gnadenlos ist, das ist für mich der Unterschied zum Christentum, denn sogar die Hoffnung wird bei dieser Erkenntnis vernichtet. Das Schonungslose also in „Das Leben ist Leiden“ (statt Erlösung und Auferstehung) ist das Wesentliche, das Wissen, dass wir mit allem, was wir dagegensetzen, Liebe, Glaube, Wissenschaft usf. einen letztlich aussichtslosen Kampf führen, da unser aller Leben endlich ist, was wir die meiste Zeit dieses Lebens jedoch bedauern und was zum Motiv unserer Liebe, unseres Glaubens, unserer wissenschaftlichen Anstrengung wird. Ich sehe dies als Teil des Buddhismus, als Zen-Buddhismus, kann aber nicht erkennen, inwiefern es die Definition von X-Buddhismus erfüllt. Wir alle sind natürlich in der Lage, das Geschehen um uns herum zu beeinflussen, und wir alle sind auch eingeschränkt durch uns von anderen Auferlegtes. Wir manipulieren und werden manipuliert. Auch in einer „idealen“ Gesellschaft, in der wir uns alle unserer Bedingungen bewusst sind und ggf. eine maximale „Freiheit“ erlangen, wird sich jedoch an den genannten Tatsachen nichts ändern, dass der eine vom Zufall oder Schicksal begünstigter wird als ein anderer und ein Stärkerer und Klügerer stets seine Vorteile ausnutzen wird – und dass sie alle miteinander am Ende tot sind und all ihr Tun von diesem Standpunkt aus eine lächerliche Farce. Wie wir uns in dieser Farce positionieren, das entscheidet unsere gedankliche Ausrichtung.

  28. 

    Hallo Bernd/Guido, #27.

    Im letzten Absatz unseres Textes heisst es:

    [Der Non-Buddhismus] erklärt alle Vereinnahmungen des Realen für überflüssig und testet alle Arten argumentativer Spiegelfechterei [des X-Buddhismus] darauf hin, ob sie in effektives Wissen umgeformt werden können.

    Das bedeutet dass es nicht um eine schlichte Ablehnung geht. Es gibt also vielleicht auch in deinem Buddhismus etwas was sich zu sichern lohnt. Aber:

    Wenn du davon sprichst, dass „der Dharma als Fixum [auf einer bestimmten Stufe] nicht mehr existent ist„, dann müsstest du das genau beschreiben. Du hast das in deinen vielen Beiträgen hier bisher nicht. Es mag ja sein, dass das zutrifft. Allerdings ohne Genaueres bleibt es eben eine Vermutung. Das Problem ist und bleibt – auch in den Beispielen die du in deinem letzten Text bringst – dass es immer ein Zirkelschluss ist in dem du befangen bleibst. Was heisst beispielsweise „Betrachtet Nicht-Handeln als upâya„? Wie will man Nichthandeln wollen, wenn wollen doch wieder handeln ist? Man setzt voraus was man zu erlangen trachtet. Der ganze Buddhismus ist von diesem Paradox durchsetzt – und von immer wieder auftretenden mehr oder weniger erfolgreichen Versuchen es aufzulösen. Und darauf zu verweisen, dass man es eben nicht in Worten ausdrücken könne, führt aus dem Zirkel auch nicht heraus.

    Genau dieses Problem, das in den japanischen oder chinesischen buddhistischen Kulturen möglicherweise gar nicht so auftrat (vgl. Byung Chul-Hans Dekonstruktion auf Chinesisch), ist mit der Dyade Datum/Faktum und der sie synthetisierenden Einheit – die Dreiheit der Entscheidung – beschrieben.

  29. 

    Es hat keinen Sinn, mich mit anderen Usern zu verwechseln und damit Argumente zu konstruieren. Bleibe bitte bei meinem Kommentar. Dazu fragst du:

    Ich solle aufzeigen, dass Dharma „kein Fixum“ mehr ist beim Lauf eines buddhistischen Übungsweges. Es gibt in meinem Leben nichts, was deiner Vorstellung von Buddhismus entspricht (die du hier verkündest), das in meinem Leben eine Rolle spielt. Was soll ich mehr dazu sagen? Eher müsstest du das Gegenteil aufzeigen. Du versuchst es hier:

    „Was heisst beispielsweise “Betrachtet Nicht-Handeln als upâya“? Wie will man Nichthandeln wollen, wenn wollen doch wieder handeln ist?“

    Das müsstest du den Blogschreiber fragen, den du zitierst, und wahrscheinlich an Ort und Stelle. Offensichtlich handelt es sich um einen buddh. Blog, in dem auch Fachsprache angemessen sein mag (upaya). Was mich angeht, ich will überhaupt nicht „Nichthandeln“. Entweder handle ich oder nicht, aber dass ein Nichthandeln sich einstellt, indem ich es besonders wollen müsste, kann ich nicht behaupten. Möglicherweise bestehen hier einfach unterschiedliche Vorstellungen des mit der Sprache Gemeinten. Für mich ist Wollen kein Handeln, sondern ein gedanklicher Impuls, und Handeln ist ggf. das Umsetzen davon. Mit der obigen Fachsprache dürfte einfach gemeint sein, dass man Nicht-Handeln – im Gegensatz zur gängigen Auffassung, die wahrscheinlich auch du teilen würdest in deinem Bild vom Buddhismus (der Passivität) – nur als EIN Mittel zum Zweck ansieht (anstatt es zum Ideal zu machen, wie es oft geschieht).

  30. 

    Bernd/Guido, #29.

    Es hat keinen Sinn, mich mit anderen Usern zu verwechseln und damit Argumente zu konstruieren.

    Bitte lass die Spielchen.

    Was mich angeht, ich will überhaupt nicht “Nichthandeln”. Entweder handle ich oder nicht, aber dass ein Nichthandeln sich einstellt, indem ich es besonders wollen müsste, kann ich nicht behaupten. Möglicherweise bestehen hier einfach unterschiedliche Vorstellungen des mit der Sprache Gemeinten.

    Ja, dazu könnte man viel sagen. Was meint man mit der Sprache? Das Gemeinte? Was ist das Gemeinte, wenn man möglicherweise eine „andere Vorstellung“ davon hat, es aber nicht sagt? Warum sagt man nicht, was gemeint ist? Was ist Nicht-Handeln, wenn man es nicht in Sprache ausdrückt (in welcher auch immer, Musik, Malerei, Lyrik…)?

    Das Problem der Laruelleschen Entscheidung ist hier folgendes. „Nicht-Handeln“ mag hier ein Phänomen sein, erfahrbar für einen Menschen. Es mag sein. Es ist gewissermaßen das Postulat, dass es es gibt. Dass es es wirklich gibt, wird durch die transzendentale Seite ausgedrückt: „Betrachtet Nicht-Handeln als upâya.“ Aber in diesem scheinbar so schlichten Satz steckt eine riesen Menge an unausgesprochenen Annahmen. Z.B. darüber, was Upâya bedeutet. Oder darüber, was Nicht-Handeln bedeutet, was sich auf Upâya bezieht, von welchem wir wiederum nicht wissen, was es bedeutet. Man kann es also drehen und wenden wie man will, aus der Aussage wird keine Aussage die etwas bezeichnete – ausser dass sie einen Verweise auf etwas enthält, dass uns nicht-bekannt ist.

    Wie aber kommt es dazu, dass diese Aussage trotzdem als akzeptabel betrachtet wird, obwohl sie sich offensichtlich im Kreis bewegt? Das ist die geheimnisvolle synthetisierende Einheit, von der im Text die Rede ist, die die Dyade Phänomen und Transzendentalie eint. Laruelle identifiziert sie im europäischen Denken als Differenz an sich: Es gibt eine Differenz. Es gibt Dinge die sich unterscheiden. In diesem Falle dasjenige auf das verwiesen wird und dasjenige das den Verweis macht. Sprachlich entrinnt man diesem Kreis eben nicht so leicht. Laruelle versucht es. Erst wenn man es schafft, die Differenz zusammenbrechen zu lassen, erscheint möglicherweise Nicht-Handeln als etwas tatsächlich gegebenes. Akzeptieren muss man aber dabei, dass dieser Moment radikaler Immanenz aus einer axiomatischen Setzung hervorgeht, die immer transzendental bleibt. Das ist immens buddhistisch, man denken z.B. an die vielen Hinweise darauf, dass Samsara=Nirvana. Möglicherweise könnte man Nagarjuna à la Laruelle als Buddho-Fiktion lesen.

  31. 

    Ich habe etliche weitere Kommentare von Bernd Schneider alias Guido Keller hier und im Thread Tybalts Meditation aus verschiednen Gründen nicht frei geschaltet. Die Gründe sind einfach. Keller tritt immer wieder unter neuem Pseudonym auf, um immer wieder die gleichen hausbackenen (= reaktionär-misogynen) Thesen über Gott und die Welt breitzutreten. Ich habe ihn gebeten, seine Einwürfe auf seinem Blog zu formulieren. Wer möchte kann dort nachlesen, was er meint sagen zu müssen.

  32. 

    #30

    Matthias, du schreibst:

    „Es gibt Dinge die sich unterscheiden. In diesem Falle dasjenige auf das verwiesen wird und dasjenige das den Verweis macht. Sprachlich entrinnt man diesem Kreis eben nicht so leicht. Laruelle versucht es. Erst wenn man es schafft, die Differenz zusammenbrechen zu lassen, erscheint möglicherweise Nicht-Handeln als etwas tatsächlich gegebenes. Akzeptieren muss man aber dabei, dass dieser Moment radikaler Immanenz aus einer axiomatischen Setzung hervorgeht, die immer transzendental bleibt. Das ist immens buddhistisch, man denke z.B. an die vielen Hinweise darauf, dass Samsara=Nirvana. Möglicherweise könnte man Nagarjuna à la Laruelle als Buddho-Fiktion lesen.“

    Ist es also so, dass man als Mensch und denkendes Wesen zwangsläufig axiomatische Setzungen (das Verwiesene / der Verweisende) betreibt, dass man jedoch diese Setzung zusammenbrechen lassen kann (radikale Immanenz)?

    Diese radikale Immanenz äussert sich dann nicht im Denken, sondern im Handeln. Habe ich das richtig verstanden?

    Was bedeutet in diesem Zusammenhang Buddho-Fiktion genau?

  33. 

    Ist es also so, dass man als Mensch und denkendes Wesen zwangsläufig axiomatische Setzungen (das Verwiesene / der Verweisende) betreibt, dass man jedoch diese Setzung zusammenbrechen lassen kann (radikale Immanenz)?

    Zwangsläufig nicht. Axiomatisch ist etwas erst, wenn es keine weitere Möglichkeit gibt, hinter es zurück zu gehen – oder wenn man zumindest für die Situation in der man sich befindet, nicht weiter zurück gehen kann. In der axiomatisch aufgebauten Mathematik ist das ziemlich klar. Bei dem von was Laruelle spricht weniger. Er spricht da von einer „naiven“ Haltung die man einnimmt. Ich habe das in dem Vortrag vom Kitsch der Erleuchteten zu behandeln versucht, im dritten Teil.

    Ansonsten muss ich sagen, dass diese Passage vielleicht nicht die Beste ist, die ich zu dem Thema verfasst habe. Die Vermischung mit Semantik ist nicht gut und vielleicht sogar falsch. Auf jeden Fall ist etwas das sprachlich auf etwas verweist keine axiomatische Setzung. Zumindest dann nicht wenn das Verweisende z.B. noch als „Mensch“ gedacht wird. Denken und Handeln ist gleichmaßen ein Paar, dass immer gegenseitig abhängig bleibt. Auch hier bewegt man sich wieder in einem Kreis. Radikale Immanenz könnte höchsten das sein, was weder das eine noch das andere, oder beides ist, oder nicht das eine oder andere, oder nicht beides. Das wäre Nagarjunas Vierkant. Eine Axt die ein Stück Holz trifft. Eine absolute Notwenigkeit, die in der genaueren Analyse dann wegtaucht, obwohl die Analyse das Betreffende immer genauer beschreibt – vom Ptolemeischen Universum zu Newton bis in die Quantenphysik.

    Das mag schon wieder mystisch klingen aber auf der Ebene der Person hat es enorme Konsequenzen, weil man sie nicht mir als abgeschlossen oder irgenwie sonst in sich rund und vollständig denken kann. Daraus ergeben sich politische Fragen, usw. usv.

    Das mit der Buddho-Fiktion ist auch wieder etwas was in dem Vortrag anklingt. Ich benutze Chandrakirti auf gewisse Weise. Nicht wie er vielleicht mal gedacht wurde, sondern so wie er heute bei aller Sorgfalt gedacht werden kann. Das damalige Denken bleibt eine Spekulation und wird auch gar nicht benötigt. Allein wichtig ist, was ich heute aus dem Text ziehen kann – bei Minimalisierung aller Voraussetzungen, so dass es zu einer axiomatischen Setzung kommt.

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