Brad Warner: Der Buddha war mal Punk

M. Steingass —  8.10.14 — 11 Kommentare
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XXX

Bei der Darstellung von Buddhismus und Spiritualität gibt es wenig Ausnahmen, die nicht, schon mit dem ersten Eindruck den man hat, noch bevor irgend eine Vorstellung entstehen konnte, vorzeichnen, was zu sehen sein wird. Käptn Peng mit seinen Tentakeln von Delphie im Land namens OHA, ist ein Beispiel. Der Dokumentarfilm Wiederkehr – My Reincarnation ist ein anderes. In beiden Fällen wird (mehr oder weniger) auf Klischees verzichtet, die ansonsten überall mit Buddhismus und Spiritualität einhergehen. Der Betrachter hat mehr Spielraum, sich ein Bild zu machen. Erfreulich daher, wenn man im Deutschlandfunk mit dem Feature Hardcore Zen – Die unorthodoxen Lehren des Brad Warner eine Form der Darstellung findet, die ebenfalls jenseits des üblichen BuddhismusKitsches angesiedelt ist.

Brad Warner ist ein ZenLehrer der durch unorthodoxes Auftreten auf sich aufmerksam macht. Zum Beispiel in dem er im HäschenKostüm für seine Brad Warner Show Reklame macht, indem er im Hawaihemd Zazen übt, indem er bei den Suicide Girls schreibt oder mit der Pornoqueen Nina Hartley meditiert. Dazu kommen verschiedene Bücher mit schmissigen Titeln und eine generell gegenüber dem ZenEstablisment kritische Haltung. Alles in allem kommt er rüber wie der etwas andere ZenMeister, der dem kritischen Buddhisten, der auch seinen Verstand noch benutzt, gerade recht sein sollte.

Das Feature beginnt mit der Schilderung einer Art PunkSatori im Ohio der 1980er Jahre, als Brad Warner Bassist der Band Zero Defex war. Unterlegt ist dieser Opener mit dem Song California Über Alles der Dead Kennedys. Sänger Jello Biafra singt in diesem Stück von 1979 u.a.:

Dead_Kennedys_-_California_Über_Alles_cover

100% biologisch abbaubare GlücksGesichter

I will be Führer one day / I will command all of you / Your kids will meditate in school / Your kids will meditate in school! […] Zen fascists will control you / 100% natural / You will jog for the master race / And always wear the happy face

Gemessen am amerikanischen Buddhismus von heute, in dem wirklich alle eine „Happy Face“ tragen und der vor allem dadurch geprägt ist, dass er zu einer LebenshilfeReligion für gestresste Verbraucher geworden ist, ein enorm weitsichtiger Text. Und nicht nur mit diesem Opener ist das Feature von Manuel Gogos ebenso unorthodox wie es Brad Warner zu sein scheint – zunächst. Kuschelige Klangwölkchen und wärmende MantraBerieselung fehlen. Stattdessen hören wir jede Menge Informatives in den 54 Minuten. Über Warners Biografie. Seine Zeit mit Zero Defex, über Selbstmordabsichten, seine Arbeit beim japanischen Film. Wir hören Analysen über Monsterfilme, seine ersten Berührungen mit japanischen Zen, bis hin – natürlich – zu seinem ersten Satori und seiner Ernennung zum ZenLehrer. Es geht um den Einfluss von Straight Edge, um den Zusammenhang von Monsterfilmen und Zen, Punk und Zen, Star Wars und Zen (George Lucas soll Meister Yoda nach dem Vorbild von Shunryū Suzuki geformt haben), bis hin zu Skaten, Graffiti und der Zulu Nation.

Nina!

Nina!

Wir hören auch einiges über Geschichte. Über Warners Lehrer Gudō Wafu Nishijima und über die von Kodo Sawaki ausgehende Linie des Zen, in die beide gehören und zu denen auch Shunryū Suzuki und Taisen Deshimaru gehören. In Bezug auf Kodo Sawaki hören wir vor allem auch von dessen Kritik am japanischen ZenEstablishment seinerzeit. Warner sympathisiert mit Sawaki, da er während seines Aufenthaltes in Japan selbst den dortigen Zen als degeneriert erlebt hat. Bei all dem wird klar, dass es undenkbar wäre, dieses Feature im Stile der üblichen Berieselung mit KalenderspruchWeisheiten zu gestalten, die viele Buddhisten für Buddhismus halten.

Allerdings fällt doch recht schnell das ominöse Wort: Erleuchtung.

Die Sehnsucht nach Erleuchtung

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Das Rauschen

Eine Annäherung an das was Erleuchtung sein könnte, findet im letzten Viertel des Features statt. Mit den Erklärungen eines deutschen GraffitiKünstlers, der in der Gegend um Frankfurt/Main sitzende ZenMönche unter Autobahnbrücken und ähnliche Orte sprüht, setzt die Erläuterung ein, was denn das Geheimnis ist. Jens ShoShin Jansen, ordinierter SotoMönch und Absolvent des Frankfurter Städel, erläutert den Zusammenhang von Graffiti und Zen. Von hier aus nimmt das Feature den Weg, der für den zeitgenössischen Buddhismus typisch ist. Dann gibt es doch die typischen Geschichten. Doch noch die Anekdote aus dem Leben Kodo Sawakis, wie er sich mal wie der Buddha persönlich vorkam. Und unter einer Autobahnbrücke in Frankfurt-Hattersheim stellt sich der entscheidende Eindruck ein: als ob der dort von Jens ShoShin Jansen gesprayte sitzende ZenMönch der Buddha persönlich wäre. Ja, der GraffitiKünstler selbst scheint sich in einen ZenMönch zu verwandeln. Nun muss doch der Punk der traditionellen japanischen Musik weichen, die wohl als Emblem des Authentischen dient. Und wie durch ein Wunder, so berichtet der Sprecher, verwandelt sich das Rauschen des Verkehrs oben auf der Brücke in das Rauschen des Meeres.

Hier zeigt sich der Dreh- und Angelpunkt jeglicher Variante des X-Buddhismus: Nicht das Objekt verändert sich, sondern das Subjekt. Nicht der Verkehr verändert sich, sondern seine Wahrnehmung durch das Subjekt. Nicht die Realität verändert sich, sondern der Mensch. Zuletzt passt sich der Mensch den Umständen an, indem er alles sein lässt wie es ist, indem es sich selbst in eine Zustand versetzt, in dem jede Wahrnehmung auftaucht-vorrübergeht-verschwindet. Sonst nichts. Es sind nur noch Wahrnehmungen. Arm oder Reich. Krank oder Gesund. Erregt oder phlegmatisch. Es sind alles nur noch vorübergehende Wahrnehmungen. Die Botschaft die auch von Brad Warner mit dessen letzten Worten in diesem Feature vermittelt wird, ist:

Du sollst keine Unterschiede machen.

Alles ist gleich profan und gleich heilig. Wer das verinnerlicht und mittels entsprechender Meditationstechnik unterstützt, der kann auch aus dem Rauschen der Autobahn das Rauschen des Meeres machen. Wenn alles gleich ist, kann auch alles gegeneinander ausgetauscht werden. Wohl dem der an der Autobahn wohnt und das täglich üben kann.

Das ZenHaserl

Brad Warner

Wir haben zwar nun ein interessantes Feature gehört aber es wird schließlich klar, dass Brad Warner nichts anderes verkauft als anderen X-Buddhisten auch. Er macht im HäschenKostüm Werbung für seine Show, er ist schrill und schräg, er spricht ein anderes Klientel an – namentlich Leute die in irgend einer Weise nicht zur gesellschaftlichen Mitte zählten, Punks, Sprayer, Junkies – aber er hat das gleiche Produkt im Angebot wie alle anderen X-Buddhisten: Die Fähigkeit sich den Verhältnissen anzupassen, ohne sie ändern zu müssen.

Fazit, das Feature verzichtet zwar auf Grund von Brad Warners vermeintlich unorthodoxer Haltung bis zu einem gewissen Grad auf den üblichen Kitsch mit dem Buddhismus heute assoziiert wird, seine Botschaft aber bleibt die des X-Buddhismus. Auch Brad Warner verschreibt als Mittel gegen jegliche eventuelle Unzufriedenheit mit der Lage der Dinge eine selbstapplizierte Gehirnwäsche.

Eigentlich ist es ganz so gekommen wie es Jello Biafra im Song der Dead Kennedys prophezeit hat. Gewiss, es ist nicht so, dass man buchstäblich von ZenFaschisten kontrolliert wird. Unser Faschismus ist dafür zu subtil. Aber tatsächlich sind wir so weit, dass man nun schon Kindern in der Schule das Meditieren beibringen will – zur perfekten SelbstOptimierung. Mit dem 100% biologisch abbaubaren GlücksGesicht.

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Termine der Brad Warner Europatour 2014

11 Antworten zu Brad Warner: Der Buddha war mal Punk

  1. 
    Matthias M. 13.11.14 um 10:37 UTC

    Hier ein Link zu einem weiteren interessanten Artikel, der kritisch mit Brad Warner ins Gericht geht:

    http://zennaturalism.blogspot.ch/2014/01/there-is-no-brad-warner-and-he-writes.html

  2. 

    Hi Matthias. Ja, die Gottesfrage tauchte auch in dem Feature im Deutschlandfunk auf. Sie war kein Thema für mich bei dem Text. Erstens wäre er wieder zu lang geworden. Zweitens erscheint mir Warners Denke dazu einfach nur konfus.

    In dem Text von Frank Jude wird aber was anderes wichtiges erwähnt. Warner wird folgendermaßen bezüglich bestimmter Phänomene zitiert, die bei der Beobachtung des eigenen Bewusstseins auftreten können: Try to look at the natural spaces between your thoughts etc. Dann fährt Jude fort das in Bezug zu Peppers Atman-Kritik zu setzen.

    Hier haben wir aber ein Missverständnis vor uns, das den ganzen Diskurs mit Pepper durchzieht. Was Warner nämlich schildert, ist ein Phänomen des individuellen Bewusstseins. Es wird von vielen Menschen geschildert, egal ob in Zusammenhang mit Meditation oder in anderem.

    Warner beschreibt ein Phänomen und überbewertet es, was aus dem Zitat ersichtlich wird, nichts desto trotz bleibt es schlicht ein Phänomen. Atman, was Pepper immer so vehement kritisiert, taucht erst auf, wenn dieses Phänomen verwechselt wird mit einer Transzendenz.

    Diese Verwechslung macht wohl auch Warner. Das ändert aber nichts daran, dass er ein Phänomen schildert, das für ihn real ist (und das ich selber auch kenne).

  3. 

    Shunryu Suzuki gehört nicht zur Sawaki-Linie – oder besser gesagt zu den Linien die sich auf Sawaki beziehen. Ansonsten Kompliment zum Resumé in den letzten beiden Absätzen. Man darf nicht vergessen, dass Punk eine Musik- und Modewelle war, die sich superschnell hat instrumentalisieren lassen.
    “Hardcore-Zen” hat ja den Auftakt zu einer Welle von Büchern der sog. “Jungen Wilden” oder “Dharma Punks” gemacht; häufig finde ich diese allerdings Bücher recht seicht hinter ihrer punkigen Erscheinung. Das erste Buch in diesem Stil war übrigens “Horse Medicine”, das schon Anfang der 80er erschien, also etwa 20 Jahre vorher. Ich finde das dies ein wirklich freies Buch ist, das die gängigen Klischees vollkommen widerlegt und stört. Und nein, um Erleuchtung geht es darin nicht, geht es der Hauptfigur am Ende doch keinen deut besser als am Anfang (und er versucht noch nicht mal dass es besser wird).
    http://www.amazon.com/Horse-Medicine-novel-M-C-DALLEY-ebook/dp/B00LQHHYFK/ref=sr_1_cc_1?s=aps&ie=UTF8&qid=1420901948&sr=1-1-catcorr&keywords=MC+Dalley

  4. 

    Hallo Matthias,

    ich habe mir die Sendung auch angehört und war mit dem letzten Drittel auch nicht ganz glücklich. Trotzdem zwei Anmerkungen zu deinem Text:

    Das Feature wurde vom DLF gemacht, es gibt also sehr stark die Sicht des Journalisten wider, weniger die von Brad Warner.Wenn man seinem Blog folgt bzw. seine Bücher liest, dann sieht man ja, dass Brad dem Thema Erleuchtung und dem Tanz darum deutlich ablehnend gegenüber steht.

    Dass Brad eher unpolitisch ist, stimmt sicher – das liegt aber sicher auch daran, dass er zu intelligent ist, um an einfache Lösungen zu glauben. Dass er deswegen aber meinen sollte, dass es keinen Bedarf an gesellschaftlichen Veränderung gäbe, stimmt definitiv nicht. Es gibt einen Blogbeitrag von ihm, in dem er über seine Teilnahme an einer Occupy-Demo berichtet. Nur, dass er in diesem Text eben auch darüber reflektiert, ob er mit diesem Mit-Laufen jetzt wirklich etwas verändert….

    @Jonas
    Ja, Horse Medicine ist wirklich geil (um mal in der Sprache von Dalley zu bleiben) und gehört m.E. in jeden Zen-Schrank. Ich weiß aber nicht, ob es so „anschlussfähig“ ist, wie Brads Blog und Bücher, der in klaren, einfachen Worten für jedermann schreibt. Ich bedaure zutiefst, dass ich Dalley nicht VOR meiner Zen-Praxis gelesen habe, da ich jetzt nicht mehr beurteilen kann, ob es für Nicht-Zenies überhaupt verständlich ist. Vielleicht war Dalley einfach zwanzig Jahre zu früh dran.

    Was Shunryu Suzuki und die Sawaki-Linie angeht, so bin ich mir nicht sicher, ob die nicht doch aus dem gleichen Stall kommen. Die Kritik an der japanischen Praxis, das Bemühen und einen neuen Impuls und die unkonventionelle Herangehensweisen scheinen sich doch stark zu ähneln. Insofern drängt sich mir der Eindruck auf, dass auch wenn sie formal nicht zur gleichen Linie gehörten, sie doch ein einem gemeinsamen Diskussions- und Orientierungsprozess teilgenommen haben.

    Ich denke, dass muss man sich Mitte letztes Jahrhundert in Japan so ähnlich vorstellen, wie bei uns in der Kunst beim Aufbruch in die Moderne. Da hat auch nicht jeder Künstler jeden anderen gekannt und nicht jeder war auf der gleichen Akademie oder gar in der gleichen Meisterklasse – und trotzdem gab es so etwas wie eine Bewegung mit gemeinsamen Anliegen, gemeinsamer Historie und einem gemeinsamen Zeitgeist – daraus kommen dann eben auch gemeinsame Ideen und ähnliche, zeitgemäße Lösungen.

    Ob das stimmt, weiß ich natürlich nicht, aber ich fände es eine einleuchtende Erklärung für die Überschneidungen zwischen dem, was Teile der Deshimaru-Linie in Europa praktiziert und dem, was Muho/Antaiji in Japan und Leute wie Brad in den USA machen.

    Ich persönlich denke, es wäre wesentlich fruchtbarer, wenn man sich zwischen diesen Ansätzen austauscht, statt zu versuchen, Trennendes heraus zu arbeiten.

    —-
    Und ganz zuletzt mein lieber Jonas: Punk is not dead! Egal, was die Industrie daraus gemacht hat. Genau so, wie Zen noch nicht tot ist – trotz Genpo M. und Co. …

  5. 

    Hi Lucius,
    Du schreibst Du seist Dir nicht sicher, aber die Suzuki und die Sawaki Linie sind definitiv andere, ich habe vor etwa einem Jahr daran gearbeitet und die letzte Überschneidung ist Keizan! Es geht mir ja nicht darum Trennendes herauszuarbeiten, wie Du schreibst, sondern einen Fehler im Text richtig zu stellen.
    Auch habe ich nicht gesagt, dass Punk tot sei, nur das es super schnell vereinnahmt wurde, was ja auch der Fall war – 99 Luftballons. MC5 waren einfach „20 Jahre früher“ ;)

    Es gibt sicherlich paralellen und Ähnlichkeiten zwischen Suzuki und Sawaki aber die Reaktion auf die japanische Zen-Hierarchien gehören ganz sicherlich nicht dazu. Als eines unter vielen Beispielen, hier ein Auszug eines Interviews das David Chadwick mit Grahame Petchy geführt hat. Beide sind Suzuki-Schüler der ersten Stunde. Sorry, der Auszug ist auf Angelsächisch, Petchy beschreibt sein erstes Treffen mit Sawaki in Eiheiji:

    „Fujiyama Roshi and Sawaki Kodo Roshi never hesitated and used to say the most outrageous things about the sect of Buddhism to which they belonged [Soto]. Whereas Suzuki Roshi was always cooperating and putting it down as part of life or something and can’t be helped. But these two people were just vociferous saying how stupid it was and god knows what. I don’t think that Suzuki Roshi understood and certainly Tatsugami Roshi didn’t understand what was going to happen to Zen Center by the introduction of the robes, the ritual, the form.“

    and so on…
    Schönen Gruss
    Jonas

  6. 

    Hallo jONAS und Lucius, danke für euren Input. Ihr wisst, wie kritisch ich all diesen Themen gegenüber stehe. Das muss ich nicht wiederholen. Ich hatte ernsthaft überlegt, mal Brad Warner in Bonn persönlich zu erleben, um mein Bild abzurunden, hatte aber keine Zeit im letzten Herbst und letztlich war es mir auch nicht wichtig genug. Mir drängte sich einfach bei den O-Tönen in dem Feature die Frage auf, was sagt Brad Warner wirklich? An Substantiellem? Für mich ist das eben recht wenig. Für andere mag das anders sein. Man könnte das abwägen.

    Zur Linienfrage. Ich habe das aus dem Feature übernommen. Aber um von diesen starren Linienschemata mal abzusehen, das was Lucius anspricht, ist viel sinnvoller: Der kulturelle Zusammenhang! Japan hat zum Ende des 19. Jahrhunderts in der Meiji-Zeit einen enormen Modernisierungsschub erfahren. In diesem Zusammenhang ist der Zen durch D.T. Suzuki neu definiert worden. Diese Definition speist sich aus einer Auffassung den Menschen betreffend, die aus der deutschen und angelsächsischen Romantik stammt. Diese Linie lässt sich weiter verfolgen zu Eugen Herrigel und zu Graf Dürckheim und hat demzufolge grossen Einfluss auf das was heute Zen ist. D.h.: Zen speist sich zum Teil aus der europäischen Romantik. So kurios wie das zunächst klingt, ist es doch gut belegbar. Ich werde das demnächst in einem Vortrag verdeutlichen. Das entsprechende Manuskript werde ich hier auch veröffentlichen. So weit ich weiss, gibt es dazu noch keine deutschsprachige Literatur. Übrigens hatte auch das japanische Bogenschiessen bis zu Herrigel nichts mit Zen zu tun.

  7. 

    Hi Matthias, ja das ist so – Herriegel, Lassalle, Viallet u.a. haben eine sehr europäische Interpretation des Zen gehabt, die, wie Du sagst, stark von DT Suzuki beeinflusst wurde.
    Hier sprechen wir allerdings ausschlieszlich von einem Philiosophen sowie von europäischen Rinzai-Mönchen – vorher sprachen wir von japanischen Soto-Mönchen. Und auch wenn die Linien-Frage für den Ausenstehenden keine Bedeutung hat, da gebe ich Dir vollkommen Recht, hat sie doch eine Bedeutung für den, der sich in einer der Linien befindet.
    Die kulturelle Frage, die für den Ausenstehenden sehr interessant sein kann, verliert an Bedeutung wenn man sich „innen“ befindet. Hier werden andere Fragen interessant: z.B. „Innerhalb oder auszerhalb der herrschenden Struktur?“.
    @ Lucius – bitte halte michg auf dem Laufenden bzgl. Austausch und Überschneidungen die Du ansprachst. Das interessiert mich.

  8. 

    Ich weiss nicht was du mit „herrschender Struktur“ meinst… und ich hätte besser von Geschichte statt von Kultur sprechen sollen. Zen ist wie alles einem geschichtlichen Prozess unterworfen, in dem er geformt wird. Viele andere Beispiele im Buddhismus zeigen genauso wie Zen, dass die europäische Rezeption dieser asiatischen Formen des Buddhismus stark durchmischt ist mit europäischen Strukturen. Der Säkulare Buddhismus ist z.B. eine Form des Protestantismus. Das Tibet als buddhistische Nation wurde überhaupt erst erfunden nachdem in den 1950er Jahren China viele Tibeter ins Exil gezwungen hat, und diese dort den Begriff der Nation überhaupt erst kennen lernten. Auf Sri Lanka hat die englisch-protestantische Version von Theravadatexten eine wichtige Rolle bei der Wiederbelebung des Theravada im 19. Jhdt. gespielt. Und wenn wir über sowas sprechen, muss man das auch erstmal nicht werten, sondern einfach nur feststellen, dass das vermeintliche Original keinesfalls so originell ist, wie es zunächst erscheint. Sicher, das kann desillusionierend sein, aber das das will der Buddhismus, oder?

  9. 

    Ja, das ist sicherlich so, dass der Buddhismus keine ihm eigene Kultur hat und seine Form sich daher ständig änderte und ändert. Ich sehe selbst deutliche Unterschiede zwischen Bdhsms im eher protestantischen Deutschland und im katholischen Frankreich. Desweiteren wird Zen anders von einem Bürgerlichen als von z.B. einem Linksradikalen oder einem Arbeiter interpretiert. etc…
    In der aktuellen ‚Buddhismus aktuell‘ gibt es genau hierzu ein Interview mit Frau Inken Pohl unter dem Titel ‚Die Globalisierung des Buddhismus‘ – hier wird auch auf DT Suzuki eingegangen und seine Aussagen über Zen, die Deinen ähneln – und die ich auch teile.
    DT Suzuki wird ja heutzutage sehr kritisiert, von Leuten die Zazen praktizieren – ich habe ihn kaum gelesen, aber vielleicht ist es für Dich von Interesse, dass er zu einer philosophischen Schule, der sog. School of Kyoto gehört, die wirklich sehr feine Werke zum Thema Buddhismus herausgebracht hat. z.B. „Religion and Nothingness“ von Keiji Nishitani. Diese philosophische Schule bezeichnen sich übrigens als „Spekulativer Buddhismus“. (nicht non-Bddhsms)

    @ Lucius – Es stimmt was Du über ‚Hardcore Zen‘ sagt, dass es für jedermann geschrieben ist. Aber es bleibt die Frage des Niveaus – kann man das nicht auch mal ein bischen anheben? Beispielsweise bringt Dalley in ‚Horse Med‘ Zitate von Samurai, Warner bringt Zitate von Woody Allen;
    Dalley rät davon ab Zazen zu praktizieren – es sei denn man hat wirklich die Eier dazu – Warner versucht es einem Schmackhaft zu machen.
    Bei Dalley gibt es kein Schmackhaft-machen und keine Aussicht auf was-immer-Gutes – Warner bringt ständig sehr nette, schön zu Lesende Aussagen, die aber bei genauem Hingucken auch sehr beliebig sind.
    Was wirklich gut ist, ist der Titel ‚Hardcore Zen‘ – aber wird Warner ihm gerecht – Hardcore- oder ist es eher ‚Softcore Zen‘ – siehe seine Beschreibung der Lotus-haltung.

  10. 

    PS – mit „Herrschende Struktur im Soto-Zen“ meine ich die Sotoshu-Shumucho.

  11. 

    Hallo Jonas,

    mit den Überschneidungen der Kodo Sawaki-Linien und Shunryu Suzuki lag ich falsch, sorry. Ich hatte da wohl einen gedanklichen Kurzschluss mit Brad – USA – Suzuki.

    Tatsächlich meinte ich Nishijima’s Linie (Brad Warners Lehrer) und worum es mir ging, ist, dass Nishijima/Brad Positionen vertreten, die denen der Kodo Sawaki Linie sehr ähnlich sind, es zwischen diesen aber keinen sichtbaren Bezug gibt.

    Auf Wikipedia steht zwar sogar, das Nishijima Schüler von Kodo Sawaki war. Es gibt aber auch ein Interview oder einen Text, in dem er sehr bedauert, dass Kodo Sawaki ihn NICHT als Schüler angenommen hat. Auch Brad bezieht sich m.W. so gut wie nie auf Kodo Sawaki.

    Wie in meinem Kunst-Vergleich bereits angesprochen, könnte dies also tatsächlich darauf hinweisen, dass Nishijima zwar stark von Kodo Sawaki beeinflusst, war, aber nicht viel mit ihm zu tun hatte. Letztlich ist über die Beziehung der beiden aber scheinbar nur wenig bekannt.

    In dem Interview zwischen Chatwick und Patchey, das du ansprichst, gibt es übrigens eine hochinteressante Stelle, die meinen Kunst-Vergleich über einen allgemeinen Diskurs zu dieser Zeit ebenfalls stützt. Die Pointe kommt in der letzten Zeile:

    GP: […] one day he (Suzuki) said, “You know, I can’t answer your questions. And very few people can. I’m only just a very little person in terms of understanding Zen. In Japan I only know six who really truly understand the Zen way. And they have much bigger understanding than I do.” I’m trying to remember his English. So he said, “If you really want to understand the meaning of Buddhism you have to go and study there, study with these people.” I’m sorry, I’ve skipped one trip. This is not the first trip, this is the second trip to Japan. I still have those six names written down in his own handwriting.

    DC: Oh you do? I would be most interested in —

    GP: I’ve got to find them. They could even be in England. But I kept that piece of paper. [It’s never been found]

    DC: I remember who some of those were. [He’d told me before]

    GP: Rindo Fujimoto, KODO SAWAKI. (Großschrift von mir, LuBo)

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