Archive für 30.11.99

Es ist tatsächlich nicht besonders schwierig sich in eine tiefe meditative Trance zu versetzen und oder verschiedene Varianten der Beeinflussung des eigenen Bewusstseins durchzuspielen. Timothy Leary hat das schon in den 1970er Jahren in seinem genialen, aber aus heutiger Sicht esoterisch auch ziemlich verpeilten und überholten Text Exopsychologie erkannt. Dort geht es im so genanten 5. Schaltkreis um die autonome Beeinflussung des eigenen psychophysikalischen Seins. Sprich, es geht um die Fähigkeit Körper und Geist sinnvoll, selbstbestimmt und mit entsprechendem Know-How ausgestattet zu steuern. Die Idee Learys in ihrem zeitlichen Kontext ist auch deswegen interessant, weil sie neben den Forderungen nach mehr Selbstbestimmung im politischen, privaten und beruflichen Leben, den eigenen Körper zu einer Domaine des Wissens macht. Das heisst aus der Perspektive derjenigen, die diesen Körper lebt – nicht aus der Perspektive des Arztes, Lehrers, Vorarbeiters, Vorgesetzten, Befehlsführers etc. pp. Diese Selbstbestimmung, zunächst ganz neutral gesehen, ist damit Teil dessen was Gilles Deleuze als Kontrollgesellschaft bezeichnete.

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Eine kurze Einführung in den Non-Buddhismus

Diesem Blog fehlt ein „About“, es hat keinerlei Einleitung, man ist irritiert von einem merkwürdigen Motto, der Titel ist sowieso unmöglich – um was also geht es hier?

Es geht darum, daß der Buddhismus seine generelle kulturelle Gebundenheit nicht sieht.

Es geht darum, daß er sich damit nicht nur vom Leben abwendet, sondern sich sogar in letzter  Konsequenz gegen es wendet.

Es geht darum, daß das was sich heute Buddhismus nennt, nichts mehr meidet als die radikale Einsicht in die Zufälligkeit, in die Abhängigkeit von biologischen und sozialen Mechanismen und zuletzt in die schlichte, abgründige Nichtigkeit des personalen Selbstes.

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Der Thaumaturg ist der Mensch mit dem gewissen Etwas. Man spürt förmlich, wenn man ihm nahe kommt, wie seine Weisheit und Güte strahlt. Man kann seine Realisation fühlen. Seine in vielen Jahren meditativer Praxis erworbene tiefe Einsicht in die tatsächliche Wirklichkeit – das reine zeitlose Sein so wie es eben ist. Wenn er spricht, der Thaumaturg, spricht er einen direkt an. Selbst wenn man unter hunderten von Menschen sitzt, richten sich die Worte des Weisen wunderbarer Weise direkt an Dich. Er kann dich sehen, deine geheimsten Gedanken, dein Herz, das was du wirklich bist und er kann sehen, was du wirklich brauchst. Er stößt einem die Last von den Schultern, diese Verwirrung, dieses Umherirren in tausenderlei Möglichkeiten. Er zeigt, daß es tatsächlich so einfach ist. Er verfügt über dieses magische Etwas, dieses besondere, geheime aber so deutlich spürbare gewisse Etwas.

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Zögere nicht, lass dich flachlegen!
Herumsitzen und Sutren rezitieren –
was für ein Quatsch!
Ikkyû Sôjun

Hier geht es um Sex. Es geht darum was der aktuelle Buddhismus auf der DBU-Themenkonferenz „Buddha, Sex und Leidenschaft“ über Sex tatsächlich zu sagen hat. Was steht in dem dieser Konferenz gewidmeten Heft „Buddhismus Aktuell“ 1/2012? Der DBU-Kongress greift Tabuthemen auf, heisst es. Tut er das wirklich? Spricht man über das Zölibat, seine Probleme, über eine pornografisierte Gesellschaft, über ein Marketing das den Sexus systematisch nutz um Aufmerksamkeit zu erregen? Spricht man darüber wie man mit dem Sex einer verstörten und verantwortungslosen Gesellschaft umgeht? Spricht man darüber was ein angeblich vor 2500 Jahren in einer agrarischen Gesellschaft lebender Heiliger, der hinter Myriaden von Anekdoten verschwindet, den jeder für sich interpretiert grad wie er will – spricht man darüber was der wirklich zu sagen hat zu einer Gesellschaft in der jeder Zwölfjährige sich mit ein, zwei Mausklicks Youporn aufmachen kann? Spricht man darüber, wie sich das Subjekt in dieser Gesellschaft heute herausgebildet hat – und wenn es nur die Jahre seit Kant sind? Spricht man darüber was eine kulturell geformte Sexualität ist, das biologische Geschlecht, der Gender? Hat man irgendwelche Geisteswissenschaftler an Bord, die hierzu Antwort geben könnten? Buddha, Sex und Leidenschaft: Ist das mehr als eine Alibiveranstaltung?

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Der Dalai Lama und die Wissenschaft, geht das?

Stoky hat auf seinem Blog „Säkularer Buddhismus“ einen kurzen Text mit einem bekannten Zitat des Dalai Lama gepostet. In diesem Zitat spricht der Dalai Lama davon, das er gerne bereit ist buddhistische Behauptungen zu revidieren, wenn die wissenschaftliche Erkenntnis das erfordert. Ist er dazu wirklich bereit? Geht es im heutigen Normalbuddhismus wirklich um „Verstehen“ statt um „Glauben“?

Der Dalai Lama verspricht: „My confidence in venturing into science lies in my basic belief that as in science so in Buddhism, understanding the nature of reality is pursued by means of critical investigation: if scientific analysis were conclusively to demonstrate certain claims in Buddhism to be false, then we must accept the findings of science and abandon those claims.

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