Archive für 30.11.99

Kategorie deutsche Texte

Avatar von msteingass

Tom Pepper

Naturalzing Buddhism Without Being Reductive – a radical, and ridiculously arrogant, reinvention of Buddhist thought

Buddhismus  Nicht-Reduktionistisch Naturalisieren – eine radikale und lächerlich arrogante Neuerfindung des Buddhistischen Gedankens

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Buddhismus akzeptieren heisst Widersprüche akzeptieren. Mit dieser Feststellung beginnt Tom Pepper seinen jüngsten (englischsprachigen) Aufsatz im Blog Speculative Non-Buddhism. Sein Vorhaben  formuliert er folgendermaßen (1): „Ich versuche eine  kohärente und heute anwendbare Interpretation buddhistischer Konzepte.“ Das Ergebnis ist „Buddhismus als eine ideologische Theorie und Praxis“ mit dem Pepper einige wesentliche Begriffe des buddhistischen Kanons verbindet und reininterpretiert. Namentlich sind das: Samsara, Karma, Punabbhava (Wiedergeburt), Bodhi (Erwachen, Erleuchtung) und sunyata (Offenheit), anatman (Nicht-Selbst), und pratitiasamutpada (Bedingtes Entstehen).

Auf dem Weg zu dieser Reinterpretation beleuchtet Pepper, erstens, den in der Diskussion im Non-Buddhismus-Blog wichtigen Begriff der Ideologie nach Louis Althusser und, zweitens, die Theorie des Subjekts nach Alain Badiou bzw. dessen Begriff der Welt. In beiden Fällen gibt Pepper eine konzise und gut verständliche Einführung in diese komplexen Begriffe. Schließlich beleuchtet Pepper die Problematik des Badiou‘schen Begriffs des Wahrheitsprozesses – der Problematik, wie Wahrheit entsteht und wie innerhalb einer Ideologie, die den Menschen zutiefst ausmacht, erkannt werden kann, daß man Ideologie ist.

Der Ideologiebegriff wird dabei zu einem Synonym der samsarischen Mechanik. Ideologie ist derjenige von Alhusser geprägte marxistische Begriff der „diejenige Menge an Praktiken beschreibt, die unser Verhältnis zu den Verhältnissen der (Re)Produktion bestimmen.“ Die (unbewusste) Reproduktion der Verhältnisse, u.a. dadurch, daß sie als selbst-verständlich erachtet werden, wird dabei zum Samsara „das in einer endlosen Wiederholung des Immergleichen immer erfordert, daß man sich dem Neuen verschließt, sich von der Wahrheit  abwendet und so zur Quelle des Leids des Subjekts wird.“

Schließlich beleuchtet Pepper die entscheidende Frage, wie Veränderung möglich ist. Diese Frage ist nicht trivial, da das Individuum in der Ideologie sich stets als in der besten aller Welten lebend empfindet. Die Lösung liegt nicht in einer Weltflucht wie sie der X-Buddhismus anbietet, sondern in der Anerkenntnis, daß der Mensch grundsätzlich ein ideologisches Wesen ist und so genau innerhalb dieser Qualität in einer tatsächlichen materiellen Praxis Lösungen finden kann, sich einen Abstand verschaffen kann – was ihm eine Reflexion der die eigenen Ideologie ermöglicht. Wie schon gelegentlich in so mancher Fassung des Buddhismus betont, kann so Samsara in Nirvana umschlagen.

(1) Übersetzungen von mir.

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Literatur

Reinhard Heil, Subjekt und Ideologie – Althusser–Lacan–Žižek, Magisterarbeit TU Darmstadt, 2003; eine kurze und prägnante Einführung zu u.a. Althussers Denken. Im Internet frei erhältlich.

Louis Althusser, Ideologie und ideologische Staatsapparate, VSA, 2010; rechtzeitig zur Ersten Unbuddhistischen Internationalen frisch aufgelegt.

Alain Badiou, Zweites Manifest für die Philosophie, Turia, 2010; eine kurze und das Denken fordernde Einführung in das Denken des Franzosen.


The english version of this essay you find here.

Dies ist die Übertragung der englischen Version eines Textes der schon im  September 2011 entstand – kurz nachdem ich Glen Wallis‘ Speculative Non-Buddhism kennen lernte. Der Text ist ziemlich komprimiert und enthält eine Menge Stichwörter (mit Asteriskus versehen), die weiter ausgearbeitet werden müßten. Die wesentliche Aussage ist die, daß bestimmte Techniken die unter dem Stichwort „Meditation“ zusammengefasst werden könnten, bestenfalls eine Hilfestellung sind – eine Hilfestellung zur Verbesserung dessen das was den Menschen eigentlich ausmacht: Seine Erfahrung als soziales Wesen.

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Bewußtsein ist eher ein Tanz als ein Akt der Verdauung
Alva Noë

Es passiert eine Menge. Man ruht, man macht sich Gedanken, man hat Gefühle der Körper meldet sich. Es gibt das Durcheinander einer Vielzahl von Wahrnehmungen und es gibt offensichtlich ordnende Instanzen in unserem System die dafür sorgen, daß wir uns über all das explizit Gedanken machen können, ohne in der Fülle der Information unter zu gehen. Es gibt auch den Punkt nicht-gedanklicher Präsenz, das wandern der Aufmerksamkeit, physiologische Effekte und solche die sich vielleicht im Verhalten, in Einsichten, Ideen oder schlichter Ermüdung wieder spiegeln. Was es nicht gibt, ist Meditation.

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Bhutan und Buddhismus aktuell

Lubob, Autor der Zen-Lampebespricht in seinem Blog einen weiteren Artikel  aus  Buddhismus aktuell, Ausgabe 1/2012 (vgl. auch unten: Konfickte des Buddhismus). Er nimmt sich der Problematik bhutanesischer Glückskekse an – d.h des so genannten Bruttoglücksproduktes. Lubob fragt: Ist Bhutan so glücklich wie es der offizielle deutsche Buddhismus haben will? Ich habe dazu noch ein paar ergänzende Erwägungen beigesteuert. Abgerundet wird das ganze mit einigen sehr spezifischen und hochwirksamen Meditationsempfehlungen.

To my english speaking readers

This is another take on a recent number of Buddhismus aktuell, a german mainstream buddhist magazine. In the article Konfickte des Buddhismus (see below) I analyze their relation to sexuality. The strong impression is: Main stream german buddhism, as represented in this magazine, is in reverse gear. Back to catholic Hypocrisy, Repression, Inhibition, Stagnation – staring absent minded into a broken mirror. Black silk ornamenting a fading dream of bliss. A sad story with no happy end.

In addition to this Lubob, author of the new german blog Zen-Lampe, writes about an article describing Bhutan. Bhutan seems to be more and more the latest fad for western Buddhists which want to see ‚original‘ Tibetan Buddhism. Bhutan is described as a country in which people shine with „a natural bliss from within“. At least that seems the fantasie of the author of the Bhutan-article in Buddhism aktuell. Lubob finds some reason to doubt this shiny picture. Additionally he also gives some very specific meditation advice. He reminds us that there have been quite some boddhisattvas around in the U.S. Hearing their mantric healings might help if the cushion doesn’t.

Remember the The Dead Kennedys?

California Über Alles!

Zögere nicht, lass dich flachlegen!
Herumsitzen und Sutren rezitieren –
was für ein Quatsch!
Ikkyû Sôjun

Hier geht es um Sex. Es geht darum was der aktuelle Buddhismus auf der DBU-Themenkonferenz „Buddha, Sex und Leidenschaft“ über Sex tatsächlich zu sagen hat. Was steht in dem dieser Konferenz gewidmeten Heft „Buddhismus Aktuell“ 1/2012? Der DBU-Kongress greift Tabuthemen auf, heisst es. Tut er das wirklich? Spricht man über das Zölibat, seine Probleme, über eine pornografisierte Gesellschaft, über ein Marketing das den Sexus systematisch nutz um Aufmerksamkeit zu erregen? Spricht man darüber wie man mit dem Sex einer verstörten und verantwortungslosen Gesellschaft umgeht? Spricht man darüber was ein angeblich vor 2500 Jahren in einer agrarischen Gesellschaft lebender Heiliger, der hinter Myriaden von Anekdoten verschwindet, den jeder für sich interpretiert grad wie er will – spricht man darüber was der wirklich zu sagen hat zu einer Gesellschaft in der jeder Zwölfjährige sich mit ein, zwei Mausklicks Youporn aufmachen kann? Spricht man darüber, wie sich das Subjekt in dieser Gesellschaft heute herausgebildet hat – und wenn es nur die Jahre seit Kant sind? Spricht man darüber was eine kulturell geformte Sexualität ist, das biologische Geschlecht, der Gender? Hat man irgendwelche Geisteswissenschaftler an Bord, die hierzu Antwort geben könnten? Buddha, Sex und Leidenschaft: Ist das mehr als eine Alibiveranstaltung?

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Ein Film von Jennifer Fox über Yeshi Silvano Namkhai, den Sohn Namkhai Norbus, und seinen Weg vom skeptischen jungen Italiener zum Dzogchen-Meister. Kinostart 2.2.12.

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