Archive für Kontrollgesellschaft

Von den Pofallas des Buddhismus

Neulich nachts auf der Tanke. Irgendwo in Deutschland. Nach Stunden der Irrfahrt mit Ulysses, ich glaube wir waren schon beim Kapitel Nausikaa – Trotzdem, irgendwie muß mans ja loswerden – nach Stunden im Dunkel der Geisterbahn einer deutschen Autobahn, nach Stunden im Dunkel mit diesen Gasgebern, ihren Führerscheinen und ihren tonnenschweren Panzern, endlich eine Rast. Auf einer deutschen Raststätte: Erst Sprit für 100 Euro. Dann in die Warenödnis des nächtlich-grell illuminierten Verkaufsraumes. Vorbei an einem Klo aus dem heraus selbst um Mitternacht frühlingshaftes Vogelgezwitscher zu vernehmen ist. Und schließlich, nach Wochen ohne diese elenden Geschmacklosigkeiten der deutschen Esoterikindustrie, erleuchtet vor einem riesigen Bildschirm, Er! Er nun wieder: Diese Kunststofffratze einer missratenen Migration fernöstlicher Religion ins gelobte Land des Konsums. Ein Plastikbuddha vor’m Fernseh‘. Wie könnte man besser den Weg des Deutschen Buddhismus illustrieren als mit diesem Götzen der in stoischer Ruhe vor dem Instrument der Beschwichtigung sitzt? Tagein tagaus, schweigend, nicht-denkend, kritiklos, mampfend was immer die da oben ihm zu mampfen geben, bar jeder Haltung, erstarrt in einer Ekstase der Verblödung.

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Made in Dresden

NerzbuddhaEs wird hier nicht um die gehen, die sich redlich bemühen in ihrem Leben zurecht zu kommen und sich dabei auch mit dem Buddhismus beschäftigen. Es geht hier um diejenigen die die Deutungshoheit über Buddhismus beanspruchen. Dabei geht es auch um die Frage ob man das Erbe buddhistischer Kultur eigentlich denen überlassen will, die mit ihm ein gutes Geschäft machen. Ein gutes Geschäft nicht nur mit der direkten Umsetzung buddhistischer oder pseudobuddhistischer Gedanken in Geldwert – wie das Verlage tun die den Markt mit esoterischer Billigwahre überschwemmen, die zwecks besseren Verkaufs immer irgendwas mit „Buddha“ im Titel führt – sondern auch mit der Umsetzung dieser Gedanken in narzisstisches Vermögen. Narzisstisches Vermögen, das es ermöglicht sich Wertschätzung zu erkaufen und damit den sozialen Status quo zu erhöhen.

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Das tazlab 2013: Was ist das, was hat das mit Buddhismus zu tun, um was geht es in diesem Text und was soll man lesen?

Was das tazlab ist, darüber informiert => hier ein kurzer Text: „Ein politisch-kulturelles Forum gegen das Anything goes.

Was das mit Buddhismus zu tun hat? In gewissem Sinne gar nichts: Buddhismus heute ist im deutschsprachigen Raum und vermutlich im ganzen ‚Westen‘ zu allermeist eine apolitische und in Bezug auf einen notwendigen gesellschaftlichen Wandel irrelevante Erscheinung. Noch schlimmer, Buddhismus heute verstärkt und fördert mit seinem Innerlichkeitskult und seinem Narzissmus eine Haltung in der eine sich anbahnende Katastrophe durch beständiges meditatives Wegsehen gefördert wird. Diese Form des Buddhismus nennen wir X-Buddhismus. Das ist eine Haltung, die glaubt durch eine politische oder philosophische Entscheidung eine endgültige Lösung, eine Art Endlösung, die uns Deutschen ja immer besonders am Herzen liegt, zu finden. Mit dieser Entscheidung wird immer schon die Antworten mit geliefert – die berühmt berüchtigte Patentlösung (Euro-Rettungsschirm, Erleuchtung, Merkel, Dalai Lama). Wie wir aber sehen werden, ist unser Problem heute, daß wir uns in einer Situation befinden in der es nur ein sehr grosses Fragezeichen gibt. Sonst nichts. Non-Buddhismus akzeptiert das Fragezeichen und wird, da hinter dem Fragezeichen etwas Neues lauert, verschwinden sobald dieses sichtbar wird. Dazu und was das tazlab bzw. die drei im folgenden angesprochenen Autoren mit Non-Buddhismus zu tun haben könnten, in einem später Beitrag mehr.

Hauptsächlich geht es jetzt um drei Veranstaltungen des tazlab 2013 :

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Das taz.lab 2013

U.a. mit Harald Welzer, der gerade Selbst Denken, Eine Anleitung zum Widerstand heraus brachte.

Oder mit Byung-Chul Han Autor von Dekonstruktion auf Chinesisch, das ich hier zitierte weil es klar macht, daß das Original (der original Buddha) ein Wunschtraum ist.

Welzers Veranstaltung findet sich hier. Selbst denken, den Anspruch hat dieses Blog auch – gegen den X-Buddhismus, die Schlaftablette der Menschverwertungsmaschine.

Byung-Chul Hans Veranstaltung findet sich hier. Es geht bei ihm auch, siehe sein Buch Typologie der Gewalt, um die „Kontrollgesellschaft“ – die Mechanismen der geheimen Ich-Konstitution und die Kontrolle dieses Ichs mittels  Selbstkontrolle, u.a. mittels buddhistischer Meditationstechniken.

Ich werde dort sein. Kontakt über E-Mail in Impressum oder per Twitter.

Käufliche Liebe

Ich wollte mich heute über die Liebe im Museum aufregen. Darüber, daß die Liebe nun tatsächlich im Museum gegen Geld zu haben ist. Daß sie ein Kunstprodukt ist, endgültig entschärft dadurch, daß sie als Performance zur Show wird – ein ‚Event‘. Hinter der Kasse, hinter Glas, nur während der Öffnungszeiten usw.

Leider kam mir Harald Schmidt dazwischen. Nur mal kurz das aktuelle Interview im Frankfurter Allgemeine Magazin überflogen und schon frage ich mich, ob die ganze Aufregung es eigentlich wert ist? Ich habe Schmidt seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Ich erinnere mich an Sendungen, in denen er  auf wunderbare Weise das Medium, dessen zwanghafte Unterhaltungswut und sich selbst ironisiert. Etwa wenn er Becketts Endspiel mit seinen Komparsen nachstellt oder eine Weihnachtssendung lang Tannenbäume an das Publikum verteilt.

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